Ehrenamt Nikolaus: Zeigefinger gibt es nicht mehr. Peter Baumgarten ist seit 50 Jahren Nikolo der Waidhofner Pfadfinder.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 04. Dezember 2019 (02:58)
Sei 50 Jahren ist der Waidhofner Peter Baumgarten mit den Pfadfindern in Waidhofen als Nikolaus unterwegs, um die Kinder mit Apfel, Nuss und Mandelkern zu beschenken. Nikolausmantel, Mitra und Hirtenstab gehören da ebenso dazu wie eigene Schuhe.
Baumgarten

In Waidhofen kommt am Donnerstag und Freitag dieser Woche wie jedes Jahr der Nikolaus zu den Kindern nach Hause. Organisiert wird die Aktion schon seit jeher von den Pfadfindern. Vier bis fünf Nikolos sind an den beiden Tagen jeweils unterwegs, um die Kinder mit Äpfeln, Nüssen und Mandelkern zu beschenken.

Durchgeführt werden die Hausbesuche gegen eine freiwillige Spende. Seit rund zwanzig Jahren organisiert Agnes Mildner-Zeidlhofer nun schon die Nikolaus-Aktion der Pfadfinder. „Das Interesse ist in den letzten Jahren relativ gleichbleibend“, sagt sie. „Zwischen 30 und 35 Haushalte im gesamten Gemeindegebiet werden an den zwei Tagen besucht. Dabei sind wir bis in die Ortsteile bei jedem Wetter unterwegs.“

Einen Krampus hat der Pfadfinder-Nikolaus nicht mit dabei. „Das war bei uns seit jeher so, weil wir nicht erschrecken wollen“, führt Mildner-Zeidlhofer aus. „Bei uns begleiten den Nikolaus stattdessen die Pfadfinder.“

Seit 50 Jahren schon ist der Waidhofner Peter Baumgarten Jahr für Jahr für die Pfadfinder als Nikolaus in Waidhofen unterwegs. Anfangs hat der 65-Jährige den Nikolo begleitet, später war er dann sein Fahrer und schließlich ist er selbst in den Mantel des Bischofs von Myra geschlüpft. Den weißen Rauschebart des Nikolo braucht sich Baumgarten mittlerweile nicht mehr aufzupicken – den besitzt er selbst. Für die Nikolausbesuche färbt er seinen Bart allerdings noch weiß ein.

Trotz realem Bart erkennen ihn Kinder, die ihn sonst kennen, in der Nikolauskluft nie. „Das Geheimnis sind die Schuhe“, sagt Baumgarten. „Kinder merken sich die Schuhe. Ich aber ziehe als Nikolaus immer Schuhe an, die ich sonst nie anhabe.“

Von seiner langjährigen Tätigkeit bei der Nikolaus-Aktion der Pfadfinder weiß Baumgarten zahlreiche lustige Anekdoten zu erzählen. So war man zu Beginn noch mit einem Puch-500-Kleinwagen im Gemeindegebiet unterwegs – die Pfadfinder am Rücksitz, während der Nikolaus stehen musste. Einmal habe es auch einen Nikolo umgehauen, weil es unter der Maskerade in der warmen Stube einfach zu heiß gewesen sei.

Respekt vor Nikolaus noch immer gegeben

Der Respekt vorm Nikolaus sei bei den Kindern auch heutzutage noch gegeben, berichtet der 65-Jährige. Nichtsdestotrotz habe sich in den 50 Jahren, in denen er nun schon Teil der Pfadfinder-Aktion ist, viel geändert. „Der erhobene Zeigefinger ist verschwunden, den gibt es nicht mehr“, sagt Baumgarten. „Mittlerweile ist alles viel lockerer geworden. Meinen Besuch beginne ich nun auch mit der Frage, ob die Kinder eh mit den Eltern zufrieden sind. Nach dem Zettel, den ich bekomme, gehe ich nur ungefähr. Das meiste ergibt sich einfach.“

Die Zeit sei aber zweifellos schnelllebiger geworden, hält der langjährige Nikolaus fest. Die Gemütlichkeit fehle oft ein bisschen. Früher sei man oft noch zu Tee und Keksen oder zu einer Jause eingeladen worden. Da die Leute mittlerweile aber viel weniger Zeit hätten, gebe es nun einen doch recht straffen Zeitplan, den es so gut wie möglich einzuhalten gelte. „Es ist mir sogar schon passiert, dass wir bei einem Haus eine Viertelstunde zu spät waren und dann nicht mehr rein durften“, erzählt Baumgarten.

„Grundsätzlich ist es als Nikolaus aber immer sehr lustig. Und auch wenn ich schon oft gesagt habe, ich höre jetzt auf, habe ich am Ende doch wieder den Nikolausmantel angezogen.“

Umfrage beendet

  • Feiert ihr das Fest des Heiligen Nikolaus?