Fischotter setzt Forelle zu. Petri-Jünger Waidhofen setzen Hilferuf ab: Zahl der Fischotter im Revier massiv angestiegen.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 22. August 2019 (04:54)
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Ein kleiner, tierischer Jäger bereitet den Petri-Jüngern in Waidhofen Kopfzerbrechen: Der Fischotter setzt sowohl dem Fischbestand in der Ybbs als auch in den Nebenbächen enorm zu. „Früher mussten wir nie Besatzfische kaufen, jetzt hätten wir ohne Besatz praktisch keine Fische mehr in der Ybbs“, sagt Petri-Jünger-Obmann Peter Prinix.

Die Petri-Jünger bewirtschaften im Oberlauf der Ybbs drei Reviere auf einer Länge von 6,5 Kilometern. Diese Reviere sind beidseitig befischbar. Die Nebenbäche wie der Url- und der Schwarzbach sowie der Luegergraben werden zur Aufzucht der Fische genutzt. „Aber auch die Bäche, die der Aufzucht dienen sollten, sind vom Otter leergefressen“, sagt Prinix.

„Wir können nur hoffen, dass die Sorgen der Fischerei auch in Öffentlichkeit und Politik als Alarmsignal aufgenommen werden, bevor es zu spät ist.“NÖ Landesfischermeister Karl Gravogl

Das wesentliche Problem der Fischer: Die Zahl der Otter nimmt immer mehr zu. Mit einer Wildkamera, die zwischen Waidhofen und Böhlerwerk aufgestellt wurde, konnten die Petri-Jünger die Zunahme der Fischotter bestätigen. „Fast jede Nacht haben wir hier bis zu drei Otter dokumentiert, die vom Revier in Böhlerwerk in unseres wechseln und umgekehrt“, sagt Prinix. „Ein Fischotter frisst einen Fisch pro Tag. Das ergibt hochgerechnet auf das Jahr eine große Menge“, sagt Prinix. Bei Elektroabfischungen wurden zuletzt keine maßigen Forellen mehr gefangen, die für den natürlichen Besatz der Ybbs bestimmt gewesen wären.

Zusätzlich zum Fischotter sind auch noch weitere fischfressende Tiere wie etwa Kormorane, Gänsejäger und Graureiher eine Bedrohung für die Waidhofner Fischbestände. „Positiv ist, dass unser Revier heuer zumindest von Kormoranen einigermaßen verschont wurde“, berichtet Prinix. Gründe hierfür liegen wahrscheinlich in der Witterung, aber auch darin, dass die Vögel im Ober- und Unterlauf der Ybbs bejagt wurden. Die Graureiher hingegen bereiten den Petri-Jüngern weiterhin Sorgen.

Hohe Kosten für die Petri-Jünger

„Glücklicherweise ist die Zusammenarbeit zwischen Fischern und Jägern bei uns sehr gut“, sagt Prinix. Die Jäger bejagen und vergrämen die fischfressenden Tiere – einzig beim Fischotter sind sie hier vor ein Problem gestellt. Der Fischotter zählt nämlich europaweit zu den geschützten Tieren, weshalb er nicht bejagt werden darf. „Vor Kurzem wurden zwar einige Tiere zum Abschuss freigegeben, aber nicht bei uns“, sagt Prinix. Von Jahr zu Jahr werde es für die Petri-Jünger schwieriger, die fehlenden Fischbestände zu kompensieren. „Um den Bestand zu retten, mussten wir in den letzten Jahren ein Vielfaches an Geldmitteln aufbringen“, sagt Prinix.

Lisa Hofbauer
Der Fischotter fischt im Revier der Petri-Jünger Waidhofen die Fischbestände leer. Deren Revier erstreckt sich von der Stadtwehr in Waidhofen bis zum Gerstlwerk in Bruckbach. „Auf Wildkameras wurden fast jede Nacht bis zu drei Otter dokumentiert“, sagt Petri-Jünger-Obmann Peter Prinix.

Nicht nur die Fischerei in Waidhofen ist von der Zunahme der Fischotter betroffen. „Seit Jahren hinterlässt der Fischotter in Gewässern in ganz Niederösterreich seine Spuren“, sagt NÖ Landesfischermeister Karl Gravogl. „Aktuelle Zahlen bestätigen für Niederösterreich einen Bestand von mehr als 1.110 Exemplaren.“ Durch das Überhandnehmen des Fischotters und anderer Prädatoren ohne entsprechende Regulation sei bereits ein massives Loch in die natürlichen Ressourcen der Gewässer geschlagen worden.

Die Entnahme von Fischottern ist in NÖ derzeit verboten. . Der Bescheid für die Bewilligung zur Entnahme von Ottern in Problemregionen wurde zuletzt vom NÖ Landesverwaltungsgericht wegen möglicher Verfahrensfehler an die bescheiderlassende Behörde zurückverwiesen. „Wir sind uns dessen bewusst, dass wir mit einer Entnahme der Fischotter andere Interessen kreuzen müssen“, sagt Gravogl. „Werden der Fischotter und andere Prädatoren jedoch nicht reguliert, riskieren wir die Zukunft unserer Kinder, die von dem leben müssen, was wir ihnen in unseren Gewässern hinterlassen. Wir können nur hoffen, dass die Sorgen der Fischerei auch in der Öffentlichkeit und in der Politik als Alarmsignal aufgenommen werden, bevor es zu spät ist.“

„Fischotter mit Respekt und Obsorge begegnen“

Der Naturschutzbund Österreich fordert, dass dem Otter mit Respekt und Obsorge begegnet wird. Eingriffe in den Bestand des Fischotters sollen „nur auf wissenschaftlichen Grundlagen, unter Beiziehung der Naturschutzorganisationen und für alle Beteiligten transparent“ erfolgen. „Die otterbedingten Fischrückgänge an Fließgewässern sind in der frühen Phase der Wiederbesiedelung besonders stark. Danach kommt es wieder zu einer Erholung der Fischbestände“, informiert der Naturschutzbund.

Außerdem tragen auch noch viele weitere Faktoren zu einer Reduktion des Fischbestandes bei: Hochwasserschutzbauten und Wasserkraftwerke sowie die Erwärmung der Gewässer würden die Lebensraumqualität für Forellen erheblich verschlechtern. Dies würde auch dem Fischotter die Jagd erleichtern. „Es gibt bisher keine seriösen Anhaltspunkte, die besagen, dass der Otter andere Arten in ihrem Bestand gefährden könnte“, sagen die Naturschützer.

Einem Abschuss der Fischotter stehen die Naturschützer ablehnend gegenüber. „Konflikte rund um den europaweit geschützten Fischotter können nicht durch Placebo-Aktionen, wie etwa dem Abschuss einer beliebig festgelegten Anzahl an Tieren, gelöst werden“, sagt Geschäftsführerin Margit Gross vom Naturschutzbund NÖ. Es bedürfe nachhaltiger und lösungsorientierter Strategien, um sowohl den Ansprüchen der gefährdeten Art als auch jenen einer naturnahen Teichwirtschaft und Fischerei gerecht zu werden. „Dazu gehört es, Konfliktfelder und offene, bisher ungeklärte Fragen mit fundierten Studien abzuklären und über sachkundige Personen professionelle Hilfe und Beratung anzubieten“, sagt Gross.