FUFU-Chef Martin Dowalil: „Zeigen dorthin, wo es wehtut“

Erstellt am 29. Oktober 2021 | 05:48
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Stadtrat Martin Dowalil wird mit seiner Liste FUFU bei der Waidhofner Gemeinderatswahl am 30. Jänner wieder kandidieren. Ziel ist es, die vier Mandate zu halten.
Foto: Kössl
Waidhofner FUFU-Chef Martin Dowalil über Innenstadtbegrünung, Glasfaserausbau und die politische Zusammenarbeit. Bei der Wahl 2022 wird die Bürgerliste wieder antreten.

NÖN: Werden Sie mit der Liste FUFU bei der Gemeinderatswahl im Jänner wieder antreten?
Martin Dowalil:
Ja, gerade weil das Jahr 2021 gezeigt hat, wie wichtig es ist, eine Bürgerliste zu haben, die keine Angst vor parteipolitischen und gesellschaftlichen Konsequenzen hat. Damit meine ich jetzt explizit die Vorgänge um die Schließung der Zeller Apotheke und die Bewerbung von Fritz Lengauer als Direktor der Sportmittelschule Zell. Bei beiden Themen haben wir uns ganz klar deklariert, während sich andere schwergetan haben, einen Standpunkt zu beziehen.

Bei unserem letzten Gespräch vor einem Jahr waren Sie politisch demotiviert und noch unschlüssig, ob die Liste FUFU wieder kandidieren wird.
Dowalil:
Das war damals kurz nach der Moria-Diskussion im Gemeinderat. Damals habe ich gesehen, dass es in der Politik auch auf kommunalpolitischer Ebene keine Menschlichkeit mehr gibt. Das hat mich schockiert. Da war ich vom Bürgermeister und seinen Handlangern menschlich enttäuscht. Gut, Werner Krammer ist ein Machtmensch, aber dass in der Partei alle mitziehen, hat mich wirklich getroffen. Das hätte ich nicht geglaubt. Da war ich so weit, dass ich gesagt habe, mich interessiert das nicht mehr.

Die UWG als zweite Waidhofner Bürgerliste wird nicht mehr kandidieren. Bei der letzten Wahl hat die UWG stark verloren, während Sie dazu gewonnen haben. Sind zwei Bürgerlisten für eine Stadt wie Waidhofen einfach zu viel?
Dowalil:
Dass UWG-Gemeinderat Michael Elsner aufhört, ist schade. Daran, dass die UWG bei der letzten Wahl so viel verloren hat, waren aber nicht nur wir schuld. Wenn man als Bürgerliste fünf Jahre mit dem Bürgermeister mitregiert und selten kritisch ist, wird man zu Tode umarmt und verliert dadurch als Bürgerliste an Substanz. Da denken sich dann viele Wählerinnen und Wähler, da kann ich gleich die Bürgermeisterpartei wählen. Die Liste FUFU ist eine Bürgerliste, die dort hinzeigt, wo es wehtut. Mitgestalten ja, aber nicht um jeden Preis.

Seit der letzten Wahl sind Sie Baustadtrat. Wie ist es Ihnen in dieser Funktion ergangen?
Dowalil:
Ich habe die letzten Jahre super mitarbeiten können. Aber nur weil mich der Bürgermeister gelassen hat. Zum Beispiel bei den Bäumen am Freisingerberg: Ich bin von meiner Forderung nach richtigen Bäumen nicht runtergegangen. Auch wenn sich die Schwammstadt jetzt andere an die Brust heften – jeder, der sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, weiß: Die Idee kommt von mir. Architekt Beneder hat das zum Glück unterstützt, denn sonst wäre das nicht gekommen, denn auf Beneder verlässt man sich gerne. Leider auch bei der Nicht-Barrierefreiheit am Hohen Markt. Ich mag vieles, das Beneder macht, aber da werden wir keine Freunde. Und bei der Bushaltestelle am Unteren Stadtplatz auch nicht. In meiner Zeit als Baustadtrat habe ich ökologisch nachhaltiges Bauen sehr forciert – siehe Umbau Sporthalle und Betriebsgebiet Kreilhof.

Ihre Forderungen nach einer Begrünung der Innenstadt gingen weiter, als das, was jetzt, umgesetzt wird. Kann man da zufrieden sein?
Dowalil:
Diese Maßnahmen sind in einem ersten Schritt mal wichtig, damit die Leute sehen, wie das umgesetzt werden kann. Bei der von mir vorgeschlagenen Begrünung am Oberen Stadtplatz heißt es klar: Bäume gegen Autos. Da verliert derzeit leider noch der Baum. Ich habe auch schon vorgeschlagen, das Ganze nur von der Mariensäule nach hinten zu machen. Da gehen dann nicht zwölf, sondern nur vier Parkplätze verloren. Doch auch da legt man sich quer. Es muss halt alles Schritt für Schritt gehen, auch wenn ich nicht verstehe, warum die Leute so lange brauchen – die Wirtschaft ebenso wie das Stadtmarketing. Mittlerweile muss doch ein jeder mitbekommen haben, dass sich die Zeiten geändert haben, der Online-Handel Realität ist und man die Aufenthaltsqualität forcieren muss.

Was stößt Ihnen bei der neuen Bushaltestelle am Unteren Stadtplatz auf?
Dowalil:
Was mich stört, ist, dass der Bürgermeister hier etwas umsetzt, ohne vorher mit den anderen Fraktionen zu reden. Was soll das für ein politischer Dialog sein? Ein Selbstgespräch, sonst nichts! Wir waren da zu keiner Präsentation eingeladen, sonst hätte ich mich einbringen und sagen können, dass ich nur dafür bin, wenn da zwei Bäume gepflanzt werden und nicht Bäume in Trögen hinkommen. Das soll eine Begrünung sein? Da denke ich mir doch, ich bin im falschen Film. Dass der Bauhof nach Fertigstellung des Podests dann zwei Tage lang daran arbeiten musste, um es in der Höhe nachzujustieren, ist an Schildbürgertum nicht mehr zu überbieten.

Sie beklagen also, dass Sie zu wenig informiert werden?
Dowalil:
Der Bürgermeister verweist immer auf sein Interfra (Interfraktionelles Gespräch, Anm. d. Red.). Da lädt der Sonnenkönig ein und lässt uns teilhaben. Es war aber nicht erst einmal, dass wir ein Interfra hatten und am nächsten Tag lesen wir in der Zeitung wieder etwas, was wir nicht wussten. Es funktioniert immer so: Wenn ihr brav seid, dann erzähle ich euch was, wenn ihr schlimm seid, dann lade ich euch nicht mal ein. Das stört mich!

Sie haben der Gründung der Gesellschaft, die den weiteren Glasfaserausbau im Ybbstal nun durchführen soll, nicht zugestimmt. Warum?
Dowalil:
Das Land NÖ ist hier gescheitert. Wir wurden als Pilotregion für den Glasfaserausbau auserwählt. Das war gut gemeint, irgendwann war aber das Geld aus. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass der Glasfaserausbau Sache des Landes ist. Nun haben wir jedoch ein sonderbares Konstrukt und wenn man dann noch einen Andreas Hanger als Geschäftsführer reinsetzt, dann ist das für mich ein No-Go. Das ist eine Hauruck-Aktion vor der Wahl.

Sie waren immer gegen eine Verkürzung der Citybahn. Zuletzt haben Sie aber auch gesagt, wenn die Citybahn schon wegkommt, dann muss der Radweg nach Gstadt zumindest vollständig auf der Bahntrasse verlaufen. Das wird nun tatsächlich so umgesetzt. Hat man da auf die Liste FUFU gehört?
Dowalil:
Ursprünglich wäre dieser Radweg kreuz und quer gegangen. Ich habe dann nach einer Begehung der Radtrasse die Radlobby hinzugezogen. Das hat dem Bürgermeister nicht gefallen. Er hat gemeint, das sei ja nur eine Vorbegehung gewesen. In Wirklichkeit lag aber schon ein Einreichplan vor, da kann der Bürgermeister sagen, was er will. Danach habe ich vom Bauamt keine Informationen mehr bekommen, weil der Bürgermeister so beleidigt war. Ich wurde auch nicht mehr zu allen Terminen eingeladen. Zum Spatenstich für das Grünraumkonzept beim Wirtschaftspark Kreilhof, für das ich gekämpft habe, erhielt ich keine Einladung, für einen depperten Fototermin beim neuen Badeplatz, gegen den ich sogar war, aber schon. Da ist mir der Kragen geplatzt, sodass ich gesagt habe, die Liste FUFU nimmt an keinen Fototerminen mehr teil. Entweder wir kriegen Einladungen zu allen Terminen oder für keinen. Ich bin es leid, dass der Herr Bürgermeister für mich aussucht, wo ich hindarf und wo nicht.

Bei der letzten Wahl hat sich die Liste FUFU verdoppelt. Was ist das Ziel für Jänner?
Dowalil:
Den Mandatsstand halten, wäre natürlich wünschenswert. Wir waren in Summe vielleicht ein bisschen braver und haben den Bürgermeister nur angebrunzt, wenn es aus unserer Sicht sein hat müssen.

Die Uniform bleibt?
Dowalil:
Die bleibt. Sonst würde sich unser Name ja ad absurdum führen – auch wenn ich höre, ich könnte mehr Wählerinnen und Wähler ohne Uniform lukrieren. Aber genau darum geht es: Man verurteilt Leute nicht wegen ihres Äußeren. Denn was hat das mit unserer Sachpolitik zu tun? Und vielleicht gibt es ja auch Leute, die uns nur deswegen wählen, weil sie meinen, das ist ein schicker Kerl.