Grünen-Gemeinderat „für autofreie Innenstadt“. Waidhofner Grünen-Gemeinderat Matthias Plankenbichler über Klimamanifest, Verkehr und Stadtwappen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 18. September 2020 (05:41)
Grünen-Mandatar Matthias Plankenbichler will sich nun genau anschauen, wie das Klimamanifest in Waidhofen umgesetzt wird.
Kössl

NÖN: Sie lassen immer wieder mit Kritik an der Stadtpolitik aufhorchen. Zuletzt hörte man aber wenig von Ihnen. Gibt es derzeit nichts zu kritisieren?

Matthias Plankenbichler: Eines der letzten Dinge, zu denen ich mich im Gemeinderat geäußert habe, war das Klimamanifest. Das ist prinzipiell eine gute Sache. Jetzt kommt es aber auf die Ausführung an.

Sie werden sich also anschauen, wie die Vorgaben aus dem Klimamanifest umgesetzt werden?

Plankenbichler: Genau. Zum Beispiel dieser neue Wirtschaftspark bei der Firma Bene – da weiß ich bis dato nicht, was genau hinkommt. Das könnte auch ein Atomkraftwerk sein, also ich weiß es nicht. Spannend wird, ob das alles wirklich so grün sein wird, wie es heißt. Fest steht, dass die Umsetzung des Klimamanifests eine große Aufgabe sein wird. Da könnte man z. B. gleich die Innenstadt autofrei machen. Man spart sich dann auch die Kosten für die ständige Pflastersanierung.

Das erscheint aus jetziger Sicht aber nicht sehr realistisch.

Plankenbichler: Nein, weil die WVP sagt, Waidhofen ist eine Einkaufsstadt und dafür ist das Auto wichtig. Ich sehe das anders. Ich bezweifle auch, dass die autofreie Innenstadt kommen wird, aber man muss einfach am Ball bleiben. Der Wochenmarkt findet ja jetzt auch einmal im Monat am Nachmittag statt.

Die Verlängerung des Wochenmarktes war ja schon im Wahlkampf eine Ihrer Forderungen. Zuletzt brachte sie aber die SPÖ aufs Tapet, worauf die WVP wissen ließ, dass man, unabhängig davon, schon an einer Lösung arbeite. Sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht die Lorbeeren dafür ernten konnten?

Plankenbichler: Ich bin froh, dass es umgesetzt wurde. Ich streite nicht, wer da jetzt die Idee hatte.

Aber sind Sie damit zufrieden, wie es umgesetzt wurde?

Plankenbichler: Ich hätte mir die Verlängerung einmal in der Woche vorgestellt, jetzt ist es einmal im Monat. Das ist für den Anfang o.k., aber das lässt sich steigern – am besten mit der autofreien Innenstadt. Wenn wir alles begrünen wollen, ist das doch die logische Maßnahme.

Die Stadt ist gerade dabei, das Radwegnetz auszubauen. Ist das nicht sehr positiv?

Plankenbichler: Es gehört noch mehr in die Radwege investiert. Nicht nur Richtung Gaflenz, auch nach Böhlerwerk und Ybbsitz braucht es Radwege. Außerdem existiert die Radachse durch Waidhofen nicht. Radfahrer, die Richtung Hollenstein oder Opponitz fahren wollen, wissen nicht, wo sie fahren sollen.

Was halten Sie von der Forderung der Ybbstaler Bürgermeister, dass die B 121 bis Kematen vierspurig ausgebaut werden soll?

Plankenbichler: Man muss sich schon entscheiden, will man den Verkehr auf der Straße oder ihn auf die Bahn und das Rad verlegen? Beides geht nicht. Überall, wo die Straße breiter wird, nehmen Verkehrsaufkommen und Lärm zu.

Sie haben sich stets gegen das Skigebiet Forsteralm ausgesprochen. Nun braucht es weitere öffentliche Gelder für den Weiterbetrieb. Was halten Sie davon?

Plankenbichler: Die Rettung der Forsteralm war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ein Skigebiet in dieser Höhenlage kann nicht funktionieren. Der Klimawandel schreitet so schnell voran, da kann auch eine neue Beschneiungsanlage nichts machen. Außerdem gab es immer nur ein Winter- und nie ein Sommerkonzept.

„Es gibt mich und wer mitmachen will, kann gerne dazukommen. Ein Team existiert derzeit nicht.“ Matthias Plankenbichler

In Waidhofen brandete zuletzt eine Diskussion um den Mohrenkopf im Stadtwappen und den Schriftzug am Stadtturm auf. Wie sehen Sie das?

Plankenbichler: Black lives matter! Aber man sollte schon wissen, warum der Mohrenkopf am Wappen ist. Dieser Kopf ist gekrönt, deshalb muss es sich um einen König handeln. Das sehe ich nicht so tragisch. Zudem ist der Mohrenkopf fast nicht mehr existent, weil eh überall das neue Waidhofen-Logo draufkommt und nicht das Wappen. Das passt auch, hat ja eine Menge Geld gekostet. Geben wir das neue Logo drauf, dann haben wir auch die Diskussion weg. Die Inschrift am Turm sollte man ändern. Als Waidhofner ist man das ja gewöhnt, aber für Touristen ist das schon ein wenig heftig.

Sie haben im Gemeinderat als Einziger gegen das Budget für 2021 gestimmt. Wo sollte die Stadt Ihrer Meinung nach investieren und wo nicht?

Plankenbichler: Das Geld sollte ins Radwegnetz und nicht in die Innenstadtpflasterung fließen. Außerdem braucht es keine Nonsense-Aktionen, damit etwa Geschäftsleute eine schönere Fassade haben. Das sollte nicht Sache der öffentlichen Hand sein. Wir sollten auch nicht irgendwelche Kirchen fördern. Dafür gehören Kindergärten und Schulen gefördert.

In Waidhofen befinden sich gerade einige Wohnprojekte im Entstehen bzw. in der Entwicklung. Braucht es so viel Wohnraum?

Plankenbichler: Wohnen soll leistbar sein. Wenn das „Junge Wohnen“, das beim Lokalbahnhof entstehen soll, leistbar ist und die Wohnungen vernünftige Größen haben, dann bin ich dabei. Weil es in Waidhofen eine ältere Bevölkerungsstruktur gibt, werden wir hier in Zukunft das Problem haben, dass es viele leer stehende Häuser gibt. Ich habe schon jetzt Bedenken, dass es uns wie in Eisenerz ergeht.

Wie ließe sich das stoppen?

Plankenbichler: Indem man in die Kinderbetreuung investiert. Die Zwergenschaukel muss günstiger werden und es braucht eine Nachmittagsbetreuung. Kind und Beruf zu stemmen ist schon heavy und kostet eine Lawine Geld. Jeder Cent, den man in sein Kind reinsteckt, ist es natürlich wert, aber man könnte es auch günstiger haben. Wenn man da als Stadt ausgleicht und mehr unterstützt, würden auch mehr junge Familien herziehen.

Wie haben Sie die Coronakrise in Waidhofen erlebt? Hat die Stadt hier gut reagiert?

Plankenbichler: Da muss ich ganz ehrlich mein Lob aussprechen. Wir sind im Notbetrieb gefahren und der hat funktioniert. Positiv war auch, dass die Spielplätze bei uns zum Glück weiter offen waren. Was ich allerdings nicht verstanden habe: Da haben wir die größte Krise aller Zeiten und was macht der Herr Bürgermeister? Er lädt die Gemeinderäte nach der Sitzung im Sommer zum Essen ein. Während andere Familien in Folge der Coronakrise kaum über die Runden kommen, wird da geschlemmt. Das ist für mich ein Hohn.

2022 stehen Gemeinderatswahlen in Waidhofen an. Werden Sie wieder für die Grünen kandidieren?

Plankenbichler: Wenn sich nichts Gravierendes ändert, ja.

Arbeiten Sie schon daran, ein Team für die Wahl zusammenzustellen? Suchen Sie Leute, die für die Grünen in Waidhofen antreten wollen?

Plankenbichler: Es gibt mich und wer mitmachen will, kann gerne dazukommen. Ein Team existiert derzeit nicht.