Keine Stadtgelder mehr für Tierpark Buchenberg. Sicherheitsmängel, Lebendfütterung, Nebenbeschäftigung und mangelnde Wirtschaftlichkeit als Gründe für Rückzug.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:35)
Buchenberg
Die im Vorjahr entlaufenen Luchse brachten das Fass zum Überlaufen: Von der Stadt gibt es keine Gelder mehr für den Tierpark.

Der Tier- und Erlebnispark am Buchenberg bleibt in der jetzigen Form bestehen. So es die Witterung zulässt, möchte man im März in die neue Saison starten. Öffentliche Gelder seitens der Gemeinde wird es künftig allerdings keine mehr geben. Das ließ die Stadt am Dienstag der Vorwoche in einer Aussendung wissen.

Wie die NÖN berichtete, konnte man sich mit Tierparkleiter Andreas Plachy auf keine einvernehmliche Lösung, wie es weitergehen soll, einigen. Während die Stadt eine Verkleinerung des Tierparks ohne Wildtiere anstrebte, hielt Plachy am bisherigen Betrieb fest. Die Stadt drehte in Folge den Geldhahn endgültig zu.

„Plachys Entscheidung ist zu akzeptieren, auch wenn ich mir für die Zukunft des Tierparks etwas anderes gewünscht hätte.“Stadtchef Werner Krammer

In einer Aussendung meldete Tierparkleiter Plachy daraufhin Kritik am Vorgehen der Stadt an. Mit der Aufkündigung der vertraglich vereinbarten Bankhaftung und dem Streichen der Subvention kurz vor dem Winter habe die Gemeinde den Tierpark in eine sehr ernste Situation gebracht, heißt es da. Plötzlich habe man das notwendige Tierfutter nicht mehr kaufen können und der Park sei vor dem Aus gestanden. Plachy startete eine Crowdfunding-Kampagne, mit dem Ziel, 60.000 Euro aufzustellen, um die 300 Tiere über den Winter zu bringen. Bis Redaktionsschluss hatte man 43.800 Euro zusammen.

„Nur durch die Unterstützung hunderter Tierparkfreunde und deren Spenden konnte man es schaffen, Tierfutter, Heu, Getreide und Fleisch für die Tiere zu kaufen sowie die Tierpfleger und Tierärzte zu bezahlen“, sagt Plachy. „Derzeit liegen wir bei 219 geretteten Tieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir es schaffen, alle über den Winter zu bringen.“

Plachy möchte Tierpark ohne Stadt weiterführen

Tierparkbetreiber Plachy möchte den Tierpark am Buchenberg samt Kletterpark, Bogenparcours und Baumhotel auch ohne Unterstützung der Gemeinde weiterführen. Dass die Stadt den Betrieb in der jetzigen Form nicht mehr möchte, kann er nicht verstehen. Er verweist auf 40.000 bis 50.000 Besucher und eine Wertschöpfung von zwei Millionen Euro, die der Tierpark der Stadt jährlich bringe.

NÖN
Tierparkleiter Andreas Plachy hält davon nichts, er wird den Tierpark alleine weiterführen.

Die Stadt hat mit Anfang Fe-bruar das Dienstverhältnis mit dem Tierparkbetreiber, der 2014 als Stadtförster und Magistratsbereichsleiter karenziert und im Dezember wieder in den Dienst der Stadt zurückberufen worden war, nun einvernehmlich gelöst. Plachy erhält eine Abfertigung.

Dass Plachy der Redimensionierung nicht zugestimmt hat, bedauert Bürgermeister Werner Krammer. „Wir haben die Anlagen im Tierpark bewerten lassen und Andreas Plachy ein Ablöseangebot vorgelegt. Dass er dieses nicht angenommen hat, ist zu akzeptieren, auch wenn ich mir für die Zukunft des Tierparks etwas anderes gewünscht hätte.“ Die Stadt ist mit dem Tierpark damit künftig nur noch über den Pachtvertrag verbunden. Ein Teil des Areals gehört der Gemeinde, der andere der Pfarre.

Die Aufregung darüber, dass die Stadt Waidhofen Plachys Tourismusbetrieb nicht mehr haben möchte, lässt die Wogen vor allem in den sozialen Medien hochgehen. Zahlreiche Tierfreunde können das nicht nachvollziehen. Die Stadt selbst hatte sich über die Gründe für die Auflösung des Haftungs- und Subventionsvertrages bislang äußerst bedeckt gehalten. Der Tierpark sei nicht im Sinne der Stadt geführt worden, das Vertrauen in die Tierparkleitung nicht mehr gegeben, hieß es lediglich. Die beiden entlaufenen Luchse hätten dann das Fass zum Überlaufen gebracht.

In ihrer letzten Aussendung wurde die Stadt nun konkreter: Eine Reihe von vertraglich vereinbarten Pflichten seien seitens des Tierparks auch nach wiederholter Aufforderung nicht eingehalten worden, heißt es da.

NÖN
Bürgermeister Werner Krammer hätte sich eine Redimensionierung des Betriebs gewünscht.

Genannt werden notwendige Beiratsbeschlüsse, die seitens der Tierparkleitung bei Entscheidungen nicht eingeholt worden seien. Im Zuge der Restrukturierung des Tierparks 2014 wurde nämlich festgelegt, dass dem Gemeinderat durch einen Beirat die Kontrolle und die Mitsprache bei allen relevanten wirtschaftlichen und strategischen Schritten obliege. Dieser Vorwurf sei an den Haaren herbeigezogen, sagt Plachy. Den Beirat habe es zuletzt nur mehr am Papier gegeben, er sei kaum mehr einberufen worden.

Als weiterer Grund für den Vertrauensverlust werden sicherheitstechnische Mängel im Tierpark genannt. So dürfte die Überprüfung durch die Landesbehörde im Herbst Mängel bei den elektrischen Zäunen zu Tage gefördert haben, was vor allem hinsichtlich der Wölfe für Unbehagen bei den Stadtverantwortlichen gesorgt haben dürfte. Auch die Verfütterung von lebendigen Kaninchen an die Wölfe, die letztes Jahr zu einem Gerichtsprozess geführt hatte, wird als Mitgrund für das Zudrehen des Geldhahns genannt. Sauer aufgestoßen dürften der Stadt auch die sichtbaren Schäden an der Anlage sowie vertraglich festgelegte Instandhaltungs- und Erneuerungsarbeiten, die nicht fristgerecht durchgeführt wurden, sein.

Bei der Überprüfung durch das Land seien nur kleinere Schäden am Areal festgestellt worden, sagt hingegen Plachy. Man habe grundsätzlich alle Auflagen eingehalten. Was die entlaufenen Tiere betrifft, so verweist der Tierparkchef auf die Sabotageakte, mit denen man in den letzten Jahren im Tierpark immer wieder zu kämpfen hatte (siehe Infobox).

Seitens der Stadt gibt es aber noch einen weiteren Kritikpunkt: Obwohl Plachy vom Magistrat karenziert war, sei er nicht gemeldeten Nebenbeschäftigungen nachgegangen. Neben seiner Geschäftsführertätigkeit bei der Naturpark Buchenberg GmbH ist der einstige Stadtförster nämlich auch Geschäftsführer der SchuleWald GmbH. Über diese wurden einst EU-Fördergelder in Millionenhöhe an Waldpädagogen in ganz Österreich ausbezahlt, mittlerweile betreibt Plachy darüber unter dem Namen „drugstores“ mehrere Hanfgeschäfte.

Zu guter Letzt hat sich die Stadt an der wirtschaftlichen Situation der Natur- und Wildpark Buchenberg GmbH gestoßen. Auch das kann Tierparkleiter Plachy nicht nachvollziehen: „Wir haben in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Betrieb wirtschaftlich führen können“, sagt er.

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