Podiumsdiskussion: "Elefanten" im Raika-Saal

Erstellt am 26. Jänner 2022 | 05:45
Lesezeit: 4 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Spitzenkandidaten stellten sich Fragen zur Waidhofner Gemeinderatswahl.

In den Raiffeisensaal lud die Studentenverbindung Norika am Mittwoch der Vorwoche die sieben Spitzenkandidaten für die Waidhofner Gemeinderatswahl zur Podiumsdiskussion. Rund 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich gemeinsam mit Bürgermeister Werner Krammer (WVP), Vizebürgermeister Armin Bahr (SPÖ), Matthias Plankenbichler (Grüne), Karl-Heinz Knoll (UWG), Josef Gschwandegger (FPÖ) und Wolfgang Durst (MFG) ein. Lediglich FUFU-Chef Martin Dowalil (FUFU) musste aufgrund seiner Quarantäne via Videokonferenz zugeschaltet werden.

Als Moderator führte Moritz Steiner souverän durch den Abend. So fragte er die Elefantenrunde um ihre Rezepte gegen die Abwanderung. Hochwertige Arbeitsplätze und ein Bekenntnis zu den Siedlungen in den Ortsteilen sind für Krammer dabei ebenso essenziell wie die Förderung von sanftem Tourismus und Verkaufsplattformen für landwirtschaftliche Direktvermarkter. Dowalil geht bei den Arbeitsplätzen mit dem Stadtchef d’accord, wie Plankenbichler und Bahr fordert er aber auch eine Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots. Knoll und Gschwandegger würden eine Fachhochschule begrüßen und Durst sieht in der Kombination aus Stadt und Natur Chancen.

Warum er nicht für die Grünen kandidiere, wenn er seine Liste FUFU doch als eigentliche Waidhofner Grün-Partei sehe, wollte Steiner von Dowalil wissen. Die Liste FUFU sei ein lokales Phänomen und wolle sich nicht mit bundespolitischen Themen herumschlagen müssen, meinte Dowalil. Dazu meinte Plankenbichler: „Ich freue mich, wenn auch die anderen begreifen, dass Umweltschutz das Gebot der Stunde ist.“

Knoll wurde zur Innenstadtbelebung befragt. Die neue UWG-Nummer-eins, die vorher für die FPÖ im Gemeinderat saß, möchte nicht nur die leer stehenden Geschäfte, sondern auch die Wohnungen wieder füllen. „Bausünden“ wie den „Plattenspielerbrunnen“ am Unteren Stadtplatz möchte er ersetzen. Die Bushaltestelle ebendort hält er für ebenso misslungen wie den „monströsen“ Radständer vor dem Rathaus. Was er besser machen werde als sein blauer Vorgänger, wurde Gschwandegger gefragt. Er werde ein Sprachrohr des kleinen Mannes sein, antwortete dieser.

Neo-Politiker Durst möchte sich in der Gemeindepolitik im sportlichen Bereich einbringen. Sein Team sei breit aufgestellt.

Strategien gegen Spaltung der Gesellschaft

Das Publikum hatte im Zuge der Veranstaltung die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei kam auch die Spaltung der Gesellschaft im Zuge der Impfpflicht zur Sprache. Um dieser entgegenzuwirken, setzt das Gros der Spitzenkandidaten auf Toleranz. Dowalil hob hervor, dass man es zur Kenntnis nehmen müsse, wenn sich jemand nicht impfen lassen wolle. Durst plädiert für Akzeptanz, Gschwandegger für Freiheit und Knoll für Aufklärung. Er regte an, den Arzt seines Vertrauens zu konsultieren. Bahr hob auch die Solidarität als zentrales Gut einer Gesellschaft hervor und Krammer hielt fest, dass die Freiheit des Einzelnen dort ende, wo sie jene des anderen einschränke. Der Stadtchef verwies auf ein niederschwelliges Impf- und Testangebot in Waidhofen, merkte aber auch an, dass es sich beim Impfen um kein eigentliches Gemeindethema handle. Als „Impf-Taliban“ bezeichnete sich wiederum Plankenbichler.

Eine weitere Anfrage drehte sich um das Postverteilerzentrum, das derzeit in Gstadt entsteht, und darum, wie viel Verkehr es generiere. Es werde lediglich von einem Lkw in der Früh angefahren, antwortete der Stadtchef.

Auf die „Mein Kampf“-Lektüre von FPÖ-Mann Gschwandegger wurde trotz Publikumsanfrage nicht näher eingegangen.