Prachtvolles Magnificat begeisterte bei Herbstkonzert. Kammerorchester, Cantores Dei und Ildikó Raimondi begeisterten im Schlosscenter.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. Oktober 2019 (03:56)

Das Kammerorchester Waidhofen und der Allhartsberger Chor Cantores Dei bilden im gemeinsamen Herbstkonzert seit vielen Jahren bereits eine bestens gelebte Tradition.

Am Wochenende lud man unter der Gesamtleitung von Wolfgang Sobotka zweimal zum Konzert. Am Samstagabend konzertierte man in der feierlichen aber akustisch schwierigen, frühgotischen, barockisierten Stiftskirche Seitenstetten. Am Sonntag riss man das Publikum im längst ausverkauften Schlosscenter zu Standing Ovations von den Stühlen. Mit Antonio Vivaldis „Der Herbst“ aus dessen „Die vier Jahreszeiten“ eroberte man bereits in einem starken Auftakt die Herzen des Publikums im Flug.

Für die beiden Vivaldi-Arien „Sposa son disprezzata da Bajazet“ und „Alla caccia d’un bello adorato“ aus der Oper Tito Manlio hatte Sobotka Staatsopern-Sopran Ildikó Raimondi gewinnen können. Die Kammersängerin, die dem Wiener Staatsopernpublikum in mehr als 50 Opernpartien längst ans Herz gewachsen ist, eroberte auch im Mostviertel sofort die Herzen der Gäste. Dabei wurde die Begeisterung des Publikums mehrfach evoziert. Einerseits verschmolzen die beiden großen Klangkörper – Kammerorchester und Chor Cantores Dei – unter dem Dirigat von Maestro Sobotka zu einem grandiosen Ganzen. Die Solistinnen Marianne Vlceck (Violine), Karoline Kovac-Hinterleitner (Violoncello) und Caroline Atschreiter (Cembalo) brachten alle Finessen und Feinheiten der Musik wunderbar zum Tragen.

Leo Lugmayr
   

In dem für manchen Konzertbesucher erstmals vernommenen Magnificat aus der Feder des zeitgenössischen englischen Komponisten und Chorleiters John Rutter gipfelte der Abend. Rutter gilt gegenwärtig als einer der bedeutendsten und populärsten Komponisten in der Welt der Chor- und Kirchenmusik.

Mit Wucht und Pracht und Imposanz und im nächsten Satz wieder in graziler Zartheit entwickelten Sänger, Ildikó Raimondi und Orchester das siebensätzige Werk in einer suggestiven Kraft, die fesselte und mit sich fortriss. Dem wurde Dirigent Sobotka in großer Geste gerecht. Ob im prachtvoll schwebenden „Sanctus, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth“ oder versöhnlich in „Et misericordia“: Sobotka verstand es, Solistin, Chor und Orchester zu strahlendem Glanz zu schmieden. Der aufbrandende Applaus erfüllte Stiftskirche und Schlosscenter gleichermaßen und gab der Begeisterung des Publikums freien Lauf.

Wenn nach Konzertende eine Waidhofner Bürgerin meinte: „Ich wollte, dass das nie, nie mehr aufhört“, dann sprach sie damit wohl vielen Jubelnden im Publikum aus der Seele.