Rettungsschwimmer Wagner: Wasser ist sein Element. Arnold Wagner hat bis dato mehr als 300 Rettungsschwimmer ausgebildet.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 23. Juni 2019 (07:00)
Doris Schleifer-Höderl
Arnold Wagner hält es für essenziell, schwimmen zu können. „Das Element Wasser wird oft unterschätzt. Ertrinken kann man auch im Seichten“, warnt der erfahrene Rettungsschwimmer.

„Zeitgleich mit meinem Antritt als Bademeister im Waidhofner Parkbad im Jahr 1980 absolvierte ich die Ausbildung zum Rettungsschwimmer und nur zwei Jahre später machte ich den Wasserrettungslehrschein und gründete die Abschnittsleitung der Wasserrettung Waidhofen“, berichtet Arnold Wagner.

Vor einem Jahr zog sich Wagner als Einsatzleiter zurück, ist allerdings nach wie vor im Einsatzteam und auch als Wasserrettungslehrer tätig. Zudem wurde er zum Ehrenobmann der Wasserrettung Waidhofen mit derzeit 70 Mitgliedern – 20 von ihnen gehören dem Einsatzteam an und werden über den Notruf 144 alarmiert – ernannt. Arnold Wagner übernahm vor zwei Jahren im Landesverband die Funktion des Pressesprechers und ist somit auch im Landesvorstand der Wasserrettung NÖ vertreten.

„Das Element Wasser wird unterschätzt. Schwimmen zu können ist essenziell, sich selbst richtig einzuschätzen ebenso.“Arnold Wagner, Ehrenobmann der Wasserrettung Waidhofen

Wie viele Einsätze er in den beinahe vier Jahrzehnten absolviert hat, kann Wagner nicht sagen. „Darüber habe ich nicht Buch geführt, es waren aber sicher einige.“ Vieles passiere oft aus Gedankenlosigkeit.

„Das Element Wasser wird unterschätzt. Schwimmen zu können ist essenziell, sich selbst richtig einzuschätzen ebenso. Kondition und Können gehen da Hand in Hand. Und es ist auch ein großer Unterschied, ob ich in einem Bad schwimmen gehe, da ist immer Fachpersonal da und kann im Notfall sofort reagieren. Wenn ich in einem Fluss oder See baden gehe, ist das nicht der Fall. Denn da können etwa durch Hochwasser oder andere Einflüsse Gefahrenquellen wie etwa Untiefen und geänderte Fließgeschwindigkeiten entstehen, dadurch kommt es immer wieder zu schweren Unfällen.“

Was dem Wasserretter auffällt, ist, dass in den Jahren 1980 bis 1990 die Schwimmausbildungen bei Jung und Alt geboomt haben. „Auch die Landbevölkerung besuchte die angebotenen Kurse. Im letzten Jahrzehnt stagnierten die Schwimmkurse und gingen sogar merklich zurück, vor allem bei den Kindern. Es gibt heute viele Zehn- und 15Jährige, die nicht schwimmen können.“ Arnold Wagner führt diese bedauerliche Entwicklung darauf zurück, dass Bäderbesuche nicht mehr so „in“ sind wie früher und viele daheim Pools haben.

„Diese Anlagen daheim sind meist nicht so tief und daher glauben manche, man muss ja nicht schwimmen können. Ein fataler Irrtum, denn ertrinken kann man im seichten Wasser genauso wie im tiefen. Die vermehrten Unfälle der letzten Jahre, vor allem von Kindern, zeigen, wie wichtig es ist, schwimmen zu lernen.“

Boom bei Ausbildung zu Rettungsschwimmern

Anders sieht es bei der Ausbildung der Rettungsschwimmer aus. Diese boomt enorm. „Vermutlich genau aus dem heraus, weil so viel in letzter Zeit passiert ist.“ Mittlerweile hat Arnold Wagner in beinahe vier Jahrzehnten mehr als 300 Rettungsschwimmer ausgebildet. „So viele Ausbildungen wie im vergangenen Herbst und Winter habe ich überhaupt noch nie gemacht. Ich habe für das heurige Jahr schon wieder unzählige Voranmeldungen. Das würde ich mir auch für die Schwimmkurse wünschen. Sie kosten nicht die Welt, bei uns im Parkbad werden 10-Stunden-Kurse zwischen 60 und 70 Euro angeboten. Unser Wasserrettungsmotto ,Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer – jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer‘ wäre das Optimum überhaupt.“