Settele & Zawarsky: Liebe zum Abschluss . Mit Herbst, Wein, Liebe verabschiedeten sich Settele und Zawarsky.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 15. November 2019 (03:23)
Torten in Buchform gab es für Friedrich Zawarsky (l.) und Matthias Settele (r.) von Bürgermeister Werner Krammer (Mitte).
Lugmayr

Mit ihrer 15. und letzten literarischen Matinee setzten die beiden Germanisten Matthias Settele und Friedrich Zawarsky am Sonntag im Kristallsaal einen effektvollen Schlusspunkt unter ihre Veranstaltungsreihe.

Was sie 2005 in einem Schiller-Jahr anlässlich dessen 200. Todestages mit einer Schiller- Matinee im Sitzungssaal des Waidhofner Rathauses begonnen hatten, beendeten sie just am 260. Geburtstag des Dichters am Sonntag im Kristallsaal.

Mit „Herbst, Wein und Liebe“ hatten sie einen großen Bogen gespannt, an dem sich klassische und moderne Lyrik trefflich aufspannen ließen.

Mit Eduard Mörikes „Septembermorgen“ eröffnete Matthias Settele den Morgen. Es folgten Friedrich Hölderlins „Der Herbst“, eine Reflexion über den Ablauf der Zeit und Herbstgedichte von Joseph von Eichendorff, Theodor Fontane, Hermann Hesse und Georg Trakl.

Als Settele sich zur Rezitation von Rainer Maria Rilkes „Herbsttag“ erhob, spürte das Publikum, dass hier mehr zur Debatte stand als Lyrik allein. Es bedurfte nicht erst des nachfolgenden Textes „Grodek“ von Georg Trakl, um der Vergänglichkeit und der Nachdenklichkeit einen literarischen Akzent zu setzen.

Von Goethe über Lessing zu Keller und Britting

Mit dem zweiten Thema der Matinee widmeten sich die Germanisten dem Wein und der Geselligkeit. Mit dem Johann- Strauß-Walzer „Wein, Weib und Gesang“ eröffnete das Musikensemble um Musikschuldirektor Christian Blahous den Mittelteil der Matinee.

Ob im beschwingten „Ego bibamus“ aus der Feder des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe, das als Couleurstudentenlied bis heute gesungen wird, oder in den Carmina Burana, der Wein kam dabei in vielerlei Gestalt in aller Ohren: Friedrich Rückert, Gotthold Ephraim Lessing, Gottfried Keller, Georg Britting.

Mit Fritz Kreislers „Liebesfreud“ führten die Musiker über zum Thema Liebe. Christine Busta eröffnete mit dem Gedicht „Was Liebe“. Rainer Maria Rilkes „Liebesleben“, Hugo von Hofmannsthals wunderbare Studie „Die Beiden“ oder Erich Frieds „Was es ist“ folgten. Mit Bob Marley fand man zu einem Zitat aus der Musikwelt, um mit dem ältesten Liebesgedicht deutscher Sprache zu enden:

„Dû bist mîn, ich bin dîn“ aus der Tegernseer Briefsammlung 1180. Was Settele und Zawarsky in 14 Jahren bewiesen haben, ist, dass man bei entsprechender Qualität auch heute Säle mit Rezitation von Lyrik füllen kann. Für Literaturliebhaber gibt es indes trotz dieses Schlusspunktes auch Trost: Matthias Settele jun. will das Werk des Vaters nächstens weiterführen. Das verriet Bürgermeister Werner Krammer in seiner Dankesadresse.