Widerstand gegen neuen Wohnbau. Umstrittenes Großprojekt auf der Zell: Anrainer besorgt über Einschnitte in Konglomeratfelsen und Verkehrsaufkommen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 19. Februar 2020 (05:12)
Die Engstelle vor der Abzweigung zur Messerergasse (Ansicht von der anderen Seite) soll etwas breiter werden, da das neue Gebäude nach hinten rückt. Die Anrainer fürchten jedoch geologische Probleme beim Bau der Tiefgarage.
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Auf wenig Gegenliebe bei den Anrainern stößt ein geplantes Bauvorhaben im Waidhofner Ortsteil Zell. Der Aschbacher Unternehmer Hans-Peter Panholzer möchte in der Burgfriedstraße 2 einen viergeschoßigen Wohnbau mit 23 Wohneinheiten in Y-Form errichten lassen. Das derzeit dort befindliche graue Wohnhaus soll dafür weichen. Den Anrainern wurde das Projekt Ende Jänner im Waidhofner Rathaus vorgestellt. In einer Aussendung äußern sie nun gemeinsam ihre Bedenken gegenüber dem Großprojekt.

Der erste Vorbehalt gilt der Größe des angedachten Baukomplexes. Ein solch großes Bauwerk sei ein großer Einschnitt in die „sonst von kleingliedrigen Wohn- und Einfamilienhäusern geprägte Umgebung“, heißt es. Dass nur wenige hundert Meter von dem geplanten Wohnprojekt am ehemaligen Bene-Areal entfernt nun ein weiteres Wohnprojekt entwickelt werden soll, sorgt für Verwunderung.

Vorbehalte gegenüber geplanter Tiefgarage

Sorgen machen sich die Anrainer aufgrund der Geologie auch um das eigene Heim. Denn da Parkflächen in diesem Bereich rar sind, soll eine Tiefgarage die nötigen Parkplätze bieten. 27 Stellflächen sind angedacht. Die dafür notwendigen Einschnitte in den Konglomeratfelsen bereiten den Anrainern aber Sorgen. Man verweist auf den massiven Felssturz in Böhlerwerk 2017 sowie den Gesteinsabbruch in der Ybbsitzerstraße im letzten Jahr.

Seitens des Bauherren wurde ein geologisches Gutachten vorgelegt, das die Unbedenklichkeit der angedachten Arbeiten ausweist. Die Anrainerschaft möchte sich damit allerdings nicht zufriedengeben. Man verweist darauf, dass die dem Gutachten zugrunde liegenden Probebohrungen nur auf dem Grundstück der Burgfriedstraße 2 durchgeführt worden seien. Die Stadt Waidhofen hat deshalb bei der geologischen Abteilung des Landes NÖ eine weitere Überprüfung veranlasst. Die Anrainer hoffen, dass dabei auch die Steilhänge und Kavernen des Felsens miteinbezogen werden.

Weiters macht den Anrainern auch das Verkehrsaufkommen, das der neue Wohnbau generiert, Sorgen. Schon jetzt sei die Verkehrssituation in diesem Abschnitt häufig angespannt, heißt es. Mit dem geplanten Wohnbau sowie den angedachten Wohneinheiten am Beta-Campus und dem dort geplanten Büro- und Schulstandort werde sich das Verkehrsaufkommen auf der Zell in wenigen Jahren vervielfachen, befürchtet man. Die Anrainer fordern deshalb die Planung und Umsetzung eines Verkehrskonzeptes für die Burgfriedstraße sowie die gesamte Zell, welches alle Verkehrsteilnehmer mitberücksichtigen solle. Die Menschen vor Ort sollten bei der Durchführung des geplanten Bauprojekts miteinbezogen werden. Den Bauherren und den Bürgermeister möchte man zu einer gemeinsamen Begehung einladen, um die geologischen Besonderheiten des Konglomerats zu erörtern.

In der Burgfriedstraße 2 auf der Zell soll statt des derzeit dort befindlichen grauen Wohnhauses ein viergeschoßiger moderner Wohnkomplex mit begrüntem Flachdach und 23 Wohneinheiten errichtet werden.
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Derzeit befindet sich das Bauprojekt in der Prüfungsphase. Sollte es spruchreif werden, möchten die Anrainer Einspruch erheben.

Bei dem Bauvorhaben handle es sich um ein privates Projekt, stellt Bürgermeister Werner Krammer (WVP) klar. Man habe als Stadt aber die Anrainer bewusst im Vorfeld eingeladen, um das Projekt vorzustellen. „Die bei der Veranstaltung geäußerten Bedenken haben wir mitgenommen. Wir nehmen sie ernst und werden Lösungen finden“, sagt der Stadtchef. Hinsichtlich des Projektvolumens verweist er auf die geltende Bauordnung, an die sich jeder Bauwerber zu halten habe.

Was die Geologie betrifft, so gebe es eine Prüfung, welche die Unbedenklichkeit nachgewiesen habe, hält Krammer fest. Nichtsdestotrotz werde zusätzlich die Meinung eines Landesgeologen eingeholt. An einer Verkehrslösung in dem Bereich arbeite man auch aufgrund des geplanten Beta- Campus bereits, sagt der Bürgermeister. Er spricht sich gegen eine Einbahnregelung auf der Zell aus. Stattdessen gelte es zu schauen, dass Tempo 30 eingehalten werde und der Verkehr auf die Zell über die Florianibrücke geführt werde.

Bauherr gegen Projekte auf grüner Wiese

„Ich bin strikt dagegen, Wohnbauprojekte auf der grünen Wiese zu realisieren, während die Innenstädte aussterben“, begründet Bauherr Hans-Peter Panholzer sein Vorhaben. „Außerdem möchte ich ein architektonisch anspruchsvolles Projekt in einer tollen Wohngegend realisieren.“ Bedenken, dass sein Wohnbau nicht in die Umgebung passe, kann er nicht nachvollziehen. „Es gibt schließlich einen Gestaltungsbeirat in Waidhofen, der das Projekt sehr akribisch beurteilt hat.“

Die Sorgen der Anrainer hinsichtlich der Geologie möchte Panholzer relativieren. „Für die Tiefgarage muss nur zwei bis zweieinhalb Meter in die Tiefe gebaggert werden, wobei die ersten ein bis eineinhalb Meter Sand und Humus sind“, sagt er. „In den Konglomeratfelsen wird nur einen bis eineinhalb Meter hineingebaggert.“ Die Unbedenklichkeit des Vorhabens sei von einem renommierten Geologen festgestellt worden.

Was das Verkehrsaufkommen betrifft, so verweist Panholzer auf die Stadt, die hier bemüht sei, im Zuge der Reaktivierung des Bene-Areals eine Lösung zu finden. Dass das Verkehrsaufkommen durch sein Bauvorhaben maßgeblich zunehmen wird, glaubt er nicht. „Manche der neuen Bewohner brauchen ihr Auto dann vielleicht gar nicht mehr so oft, weil die Innenstadt fußläufig erreichbar ist.“ Der Baustart soll im späten Frühling erfolgen, sagt der Unternehmer. „Das heißt, es wird wahrscheinlich Juni werden.“ Bis Ende 2021 solle das Projekt abgeschlossen sein.

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