Anton Noori: „Dieser Erfolg hat mir sehr geholfen“. Der gebürtige Waidhofner Schauspieler Anton Noori über seine Karriere, den Österreichischen Filmpreis, „Cops“ und seine Beziehung zum Ybbstal.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 16. Februar 2019 (05:00)
Michael Mazohl
Für seine Rolle eines WEGA-Polizisten in dem Film „Cops“ erhielt Anton Noori den Österreichischen Filmpreis.

Für seine Darstellung in dem Film „Cops“ konnte der gebürtige Waidhofner Anton Noori Ende Jänner bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises die Auszeichnung für den besten Nebendarsteller mit nach Hause nehmen. „Cops“ von Regisseur Stefan Lukacs kreist um einen jungen Rekruten bei der Polizeispezialeinheit WEGA, der während der Ausbildung einen aggressiven Mann erschießt. Dafür wird er von seinen Kollegen als Held gefeiert, ihm selbst gelingt es aber nicht, dieses Ereignis zu verarbeiten. Noori spielt den WEGA-Polizisten Konstantin Blago, der die zwischen Testosteron, Kampf und Gruppendruck changierende Truppe anführt.

1975 in Waidhofen geboren, wuchs Anton Noori in Wien auf. Seine Sommerferien verbrachte er aber regelmäßig bei den Großeltern und seiner Tante in Böhlerwerk. Der Wunsch, Schauspieler zu werden, keimte schon bald in ihm auf, der Weg dorthin war allerdings kein leichter. „Nach vielen Absagen wurde ich schließlich am Schubert Konservatorium in Wien genommen“, erzählt Noori. In Folge stand er für Arbeiten an der Filmakademie vor der Kamera und schlüpfte am Theater in die verschiedensten Rollen.

Von Kafka bis Schiller am Theater

So war er in Bukarest in „Amerika“ von Franz Kafka ebenso zu sehen, wie in Schillers „Maria Stuart“ auf der Studiobühne des Max Reinhardt Seminars. Mehrere Inszenierungen realisierte er mit Regisseur Ulf Dückelmann (u.a. „The Zoostory“, „Das Fest“, „Kasimir und Karoline“).

Mitte der Nullerjahre zog es Noori nach Deutschland, wo er zwischen 2005 und 2007 für „Julia – Wege zum Glück“ vor der Kamera stand. „Als ich dann wieder nach Wien zurückkehrte, musste ich wieder ganz von vorne anfangen“, erzählt der 43-Jährige. „Die Rolle in einer derartigen Schmonzette hing wie ein Damoklesschwert über mir.“

Preisregen für „Cops“ brachte Durchbruch

2012 arbeitete Noori bei dem Kurzfilm „Void“ erstmals mit Regisseur Stefan Lukacs zusammen. Mehrere kleinere Rollen für diverse Kino- und TV-Produktionen folgten, ehe ihm dann letztes Jahr seine Darstellung in „Cops“ den tatsächlichen Durchbruch bescherte.

Schon bei seiner Premiere vor einem Jahr beim Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken sorgte das Polizeidrama für Begeisterung. Der Publikumspreis und der „Preis für den gesellschaftlich relevanten Film“ waren die Folge. Bei der Diagonale in Graz gab es dann den Ensemblepreis sowie abermals den Publikumspreis und Ende Jänner folgten nun gleich drei Österreichische Filmpreise – neben dem besten Nebendarsteller auch jener für den besten Hauptdarsteller für Laurenz Rupp. „Dieser Preis freut mich wahnsinnig“, sagt Noori. „Auch deshalb, weil die Nominierung von den Kollegen kam. Dass ich den Preis dann tatsächlich bekomme, damit habe ich nicht gerechnet.“

Um sich auf die Rolle des WEGA-Einsatzleiters Blago vorzubereiten, hat Anton Noori Gespräche mit Polizisten geführt und war auf Demos unterwegs. „Diese WEGA-Polizisten, aber auch normale Streifenpolizisten, haben immer wieder mit Extremsituationen zu tun, die man als Normalbürger gar nicht mitbekommt“, sagt Noori. „Eine Möglichkeit, diese Situationen zu verarbeiten, gibt es aber nicht wirklich. Auch wenn psychologische Unterstützung angeboten wird, fehlt oft schlicht und einfach die Zeit dafür.“ Dazu komme, dass diese Spezialeinheit eine sehr testosteronschwangere Männerdomäne sei. „Die Beiziehung eines Psychologen wird da oft als Schwäche angesehen.“

„Die Rolle in ‚Julia – Wege zum Glück‘ hing wie ein Damoklesschwert über mir.“Anton Noori, Schauspieler

An die 140.000 Zuschauer sahen sich „Cops“ in den österreichischen Kinos an. Anfang nächsten Jahres soll der Film im ORF ausgestrahlt werden.

Der Erfolg des Films habe ihm sehr geholfen, beruflich weiterzukommen, sagt Noori. „Ich bin sehr froh, dass ich nun sehr unterschiedliche Rollenangebote bekomme.“

Zwei Kinofilme und einen Tatort hat der 43-Jährige gerade fertig gedreht. Während er im Tatort einen Ex-Cop gibt, verkörpert er im TV-Film „Herzjagen“ von Elisabeth Scharang einen Herzchirurgen. In „Nevr-
land“ von Gregor Schmidinger wiederum spielt er einen Schlachter. Dazu musste der Schauspieler auch schon mal ein Schwein zerlegen. „Ich habe während der Dreharbeiten mit dem Gedanken gespielt, Vegetarier zu werden“, sagt er. „Nevr-
land“ erlebte seine Premiere bereits im Jänner beim Max-Ophüls-Filmfestival und wird im März auf der Diagonale in Graz zum ersten Mal in Österreich zu sehen sein.

Zum Ybbstal hat Anton Noori nach wie vor eine besondere Beziehung. Mit seiner Familie kommt der Vater zweier Kinder regelmäßig aus Wien aufs Land, um die Verwandtschaft in Böhlerwerk zu besuchen. Im Sommer erholt man sich auch gerne an der Ybbs. Einen Fixpunkt gibt es für die Familie aber noch, wenn sie da ist: „Wir fahren dann nach Waidhofen und holen uns beim Piaty Schaumrollen“, sagt Noori.