Wem gehört das Schauerkreuz?

Erstellt am 01. Februar 2011 | 00:00
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Foto: NOEN
GERICHT /  Konflikt um Kreuzigungsgruppe in der Schobersbergkapelle in Windhag landete vor dem Richter. Einig wurden sich die Parteien nicht. Weitere Zeugen geladen.

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Keine Annäherung gibt es im Streit um das ehemals in der Schobersbergkapelle aufgestellte Schauerkreuz. Die fast lebensgroßen Figuren haben großen Wert, bescheinigen Experten.ZVG
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VON CLAUDIA STÖCKLÖCKER

WAIDHOFEN / Vor dem Richter landete nun die Causa Schauerkreuz. In einem Zivilprozess am Landesgericht St. Pölten kämpft Margarete Rumpl vom Sandhof in Windhag um die Skulpturengruppe.

Ins 16. Jahrhundert zurück reicht die Geschichte des Schauerkreuzes. Ursprünglich stammt es von der Hinrichtungsstätte auf dem Galgenberg in Waidhofen. 1885 kam die Figurengruppe auf den Schobersberg. Ignaz Maderthaner, damals Besitzer des Hauses Sandhof, soll sie von Stadtpfarrer Kanonikus Schmiedinger geschenkt bekommen haben. 1896 wechselte der Standort, den Maderthaner für das spätgotische Werk gewählt hatte, den Eigentümer.

„Auf Indizienbeweise  angewiesen“, so der Richter

Die Kapelle mit den fast lebensgroßen Statuen stand nun auf dem Grund des Nachbarn, der Familie Hofmarcher. 2009 wurde das Schauerkreuz vom Dorferneuerungsverein nach Wien gebracht, sollte um 70.000 Euro restauriert werden. Derzeit wird das Kulturgut im Wiener Arsenal verwahrt, bis die Eigentümerfrage geklärt ist. Und das scheint schwierig im Prozess am Landesgericht St. Pölten. „Das Ganze ist ein Kapitel, das sich lange vor unserer Zeit abgespielt hat. Wir sind auf Indizienbeweise angewiesen. Es wäre leichter, wir hätten hier 150 oder 200 Jahre alte Zeugen“, sagt Richter Dr. Ludwig Proidl, und: „Die Klägerin muss beweisen, dass sie Eigentümerin ist. Wenn sie das kann, gewinnt sie. Wenn sie verliert, heißt das nicht, dass wir wissen, wer der Eigentümer ist“, und: „Da wackeln mehrere Ebenen. Es stellt sich auch die Frage, ob der Stadtpfarrer berechtigt war, die Figurengruppe zu verschenken.“

Einig geworden sind sich die Parteien jedenfalls nicht. Für Anwältin Dr. Christine Riess steht fest: „Die Ehegatten Hofmarcher haben die Gruppe ersessen.“ Margarete Rumpl lässt das nicht gelten, das Bundesdenkmalamt habe sie als Eigentümerin angegeben. Einen Verkauf, eventuell an das Land NÖ, schlägt ihr Anwalt Dr. Thaddäus Kleisinger vor. Das lehnt die Familie Hofmarcher ab, aus religiösen Gründen: „Das wäre Judasgeld! Den Herrgott verkaufen, da schäm’ ich mich.“ Das Ehepaar Hofmarcher will die Skulpturengruppe der Stadt Waidhofen schenken.

Für Mai ist der nächste Verhandlungstermin anberaumt. Acht Zeugen sollen Licht ins Dunkel bringen.