Berührende Winterreise von Helm und Zeman. Matthias Helm gelang mit Julius Zeman ein grandioser Liederabend in Ybbsitz.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 28. Oktober 2020 (05:22)
Kongeniale Partner bei Schuberts „Winterreise“: Julius Zeman und Matthias Helm.
Lugmayr

Der Liederabend, den Matthias Helm am Samstag in der Aula der Mittelschule mit dem Zyklus „Die Winterreise“ von Franz Schubert gestaltete, erwies sich als große Geste in einer düsteren Epoche. Passt gut zu dieser Zeit, hätte man vor den aufziehenden dunklen Wolken der Pandemie meinen können. Doch was Matthias Helm gelang, war etwas Wunderbares, und gerade in dieser Zeit Außergewöhnliches und unschätzbar Großes: Er kleidete die Verse, die einst Wilhelm Müller der Vergänglichkeit, dem Abschiednehmen und der Versäumnis hellerer Stunden zugeschrieben hatte, mit seiner gepflegten Baritonstimme in eine Interpretation auf höchstem Niveau, die die Hoffnung stets mit einschloss.

Helm fädelte Lied für Lied wie Perlen auf eine verbindende Schnur und beeindruckte mit impulsiver Kraft – fulminant etwa im Lied „Täuschung“ („Ein Licht tanzt freundlich vor mir her“) – genauso wie mit innigster Emotion – etwa im darauffolgenden Lied „Der Wegweiser“ („Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück...“).

Für Freunde der Liedkunst ein beglückender Abend: Eine dynamische Stimme, die alle Facetten der Liedliteratur auszuloten und all ihre Nuancen in den 24 Liedern zu zeichnen wusste.

Kongenial erwies sich die Partnerschaft mit dem Pianisten Julius Zeman. Diesem gelang es, Helms Vortrag auf ein instrumentales Podium zu heben, das zugleich die Brüchigkeit des da rin dargestellten Lebens als auch die Tragfähigkeit eben dieser Hoffnung stets mitdachte. Bürgermeister Gerhard Lueger hatte in seiner Begrüßung bereits auf den Punkt gebracht, was wohl alle Besucher dieses in so vieler Hinsicht außergewöhnlichen Liederabends empfanden: „Wir sehnen uns nach Kultur. Wir sehnen uns nach Musik.“ Diese Sehnsucht in den Herzen der Konzertgäste zu stillen, das gelang Matthias Helm und Julius Zeman auf beeindruckende Weise.

Als Geniestreich erwies sich die Auswahl der Zugabe, die nach einem geschlossenen Zyklus wie der „Winterreise“ ja alles andere als leicht zu wählen ist. Mit dem Lied „An die Musik“ legte Matthias Helm ein Bekenntnis ab, das berührte, und das in keiner Zeit besser gesetzt sein hätte können als in dieser gegenwärtigen, die es der Musik und der Kunst, den Musikern und Künstlern, so schwer macht. Grandios!