Pater Jacobus Tisch: „Ich bin gerne bei den Leuten“

Erstellt am 10. August 2022 | 05:57
Lesezeit: 5 Min
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Pater Jacobus im Juli bei einem Gottesdienst auf einer Pilgerreise nach Lourdes. Im September folgt er als Pfarrer Pater Severin Ritt in Ybbsitz nach.
Foto: privat
Nach 25 Jahren in Wolfsbach folgt Pater Jacobus Tisch mit September Pater Severin Ritt als Pfarrer in Ybbsitz nach.

Mit September folgt Pater Jacobus Tisch als Pfarrer Pater Severin Ritt in Ybbsitz nach. Dieser kehrt altersbedingt ins Stift Seitenstetten zurück. Pater Jacobus Tisch hat bisher die Pfarre Wolfsbach geleitet, die künftig von Pater Benedikt Resch und Abt Petrus Pilsinger betreut wird. Die NÖN bat den künftigen Ybbsitzer Pfarrer zum Interview.

NÖN: Mit Beginn eines neuen Schuljahrs kommt es immer wieder zu Umbesetzungen in Pfarreien. Sie müssen nun Wolfsbach in Richtung Ybbsitz verlassen. Was verbindet Sie mit dieser Pfarre schon jetzt?

P. Jacobus: In Ybbsitz war ich ab 1997 sieben Jahre Kaplan, bin damals gerne dort gewesen und habe mich dort sehr wohl gefühlt. Es war eine sehr prägende Zeit, sowohl im Hineinwachsen in die Seelsorge unter Pater Vinzenz, als auch, was meine historischen Forschungen betrifft, die damals ihren Anfang genommen haben.

Darf man es auch als Ehre und großes Vertrauen werten, mit der Seelsorge in der größten Stiftspfarre betraut zu werden?

P. Jacobus: Von der Fläche her ist Ybbsitz sicher die größte Stiftspfarre, von der Katholikenzahl vermutlich nicht mehr. Aber ich sehe es als eine große Ehre an, die Leitung dieser bedeutenden Pfarre übernehmen zu dürfen.

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Pater Jacobus feierte erst kürzlich sein silbernes Priesterjubiläum. Der Pfarrgemeinderat und ganz Wolfsbach gratulierten dazu herzlich.
Foto: Penz

Als Benediktiner sind Sie zu Gehorsam verpflichtet. Inwieweit wird man als Mönch in derartige Entscheidungen eingebunden? Haben Sie mit einer möglichen Versetzung gerechnet?

P. Jacobus: Hier hat sich im Gegensatz zu früher manches geändert. Solchen Entscheidungen gehen heute viele Gespräche und Beratungen – etwa im Seniorenrat – voraus und letztendlich werden sie gemeinschaftlich getroffen. Die Versetzung hat mich nicht sehr überrascht, denn mit möglichen Veränderungen ist bei uns immer zu rechnen, weil man als Mitglied einer Klostergemeinschaft das Ganze an Aufgaben im Auge haben muss und bereit sein sollte, dort anzupacken, wo man gebraucht wird.

Sie haben in Wolfsbach und auch St. Johann große und sehr gut gelungene Renovierungen durchgeführt; wartet eine derartige Aufgabe auch in Ybbsitz auf Sie?

P. Jacobus: Das werde ich in letzter Zeit öfter gefragt. Nein, Pater Severin kann mir die Baulichkeiten in gutem Zustand übergeben, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Allerdings hat er nicht mehr die Kraft, eine solch große Pfarre zu leiten. Nur aus diesem Grund werde ich ihn ablösen.

Es gilt in Ybbsitz auch Maria Seesal mitzubetreuen. Werden Sie seitens des Stiftes an Sonntagen Unterstützung bekommen können oder vermehrt auf den Einsatz von Laien setzen?

P. Jacobus: Nein, das Stift wird für Ybbsitz, das früher einen Pfarrer und zwei Kapläne hatte, keinen Aushelfer mehr stellen können. Die Zeiten der Eucharistiefeiern sind dort bereits so anberaumt, dass sie von einem Priester gehalten werden können. In Ausnahmefällen, etwa krankheits- oder urlaubsbedingt, wird ein Wortgottesdienst gehalten werden.

Wie sehen Sie Seelsorge heute im Allgemeinen? Was hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten geändert?

P. Jacobus: Wir leiden heute nicht nur unter einem Priestermangel, sondern auch an einem Schwund an Gläubigen. Nicht nur, dass weniger Priester immer mehr Pfarren übernehmen müssen, die Gottesdienstgemeinden werden ebenfalls kleiner. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Kirche derzeit keinen guten Ruf hat und – wie ganz aktuelle Umfragen zeigen – unter der Bevölkerung immer weniger Vertrauen findet. In ländlichen Pfarren ist das noch weniger zu spüren, aber der Trend geht auch hier dorthin. Wie es dazu gekommen ist und ob das zu Recht so gesehen wird, darüber könnte man lange diskutieren. So ist auf jeden Fall die Situation heute, mit der wir leben müssen.

Sie gelten als sehr leutseliger und geselliger Mensch, der auch rasch einen guten, unkomplizierten Zugang zu den Mitgliedern seiner Pfarrgemeinde findet. Wie pflegen Sie Ihre Begegnungen anzulegen?

P. Jacobus: Ein Seelsorger sollte sich bemühen, bei den Leuten zu sein. Und ich bin gerne bei den Leuten – beim Frühschoppen, bei diversen Festen oder einfach, wenn es darum geht, gemeinsam etwas zu bewegen. Und ich halte es auch für ganz wichtig, dass man bereit ist, mit allen zu sprechen. Wenn man sich kennt und immer wieder trifft, dann hilft man sich auch gegenseitig. Und wenn es in der Pfarre oder Kirche etwas zu tun gibt, dann bin ich natürlich selbst auch mit dabei.

Was wollen Sie den Wolfsbachern noch sagen, was versprechen Sie den Ybbsitzern?

P. Jacobus: Wolfsbach wird mir unvergessen bleiben. Ich bin allen sehr dankbar für das, was wir hier gemeinsam geschafft haben, und werde meine Wolfsbacher im Herzen behalten. Wenn der Abschied für mich auch nicht leicht ist, so freue ich mich doch auch auf die neue Aufgabe und verspreche den Ybbsitzern, ich werde auch bei ihnen gerne sein!