Ferienbilanz: Eine Chance auf neues Publikum. Zwar fielen Schüler- und Gruppenreisen aus, die Region Ybbstal konnte aber neue Urlauber, vor allem Wanderer und Radler, gewinnen.

Von Anna Faltner und Andreas Kössl. Erstellt am 16. September 2020 (05:12)
Die Hoteliers Hannes und Christiane Scheiblauer sind mit der Sommersaison zufrieden. Nun werden im Schloss an der Eisenstraße Hochzeiten nachgeholt. Auch am Freitag wurde in Waidhofen geheiratet.
Kössl

Ein Sommer, in dem vor allem der Urlaub im Inland beworben wurde, liegt hinter den regionalen Tourismusbetrieben. Die NÖN wollte wissen, wie das Urlaubsangebot in der Region nun tatsächlich angenommen wurde.

„Weit besser als wir noch im Frühjahr gedacht hatten“, sagt Andreas Purt, Geschäftsführer von Mostviertel Tourismus. 270.000 Nächtigungen haben die heimischen Betriebe von Jänner bis Juli verloren – rund 50 Prozent. Die Monate Juli und August waren dafür sowohl bei den Hotels als auch bei den Ausflugszielen meist sogar besser besucht und gebucht als in den Jahren zuvor. Mostviertel Tourismus verbucht aktuell ein Minus von 38 Prozent, der NÖ-Schnitt liegt bei 45 Prozent. „Viele Leute, die uns ohne Corona vermutlich nicht am Radar gehabt hätten, sind zum ersten Mal in die Region gekommen. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Wir denken, dass uns das nachhaltig für die nächsten Jahre helfen wird“, berichtet Purt. Besonderen Aufschwung hat der Ybbstalradweg erlebt, genauso wie die Ötscher-Tormäuer und der Erlaufsee. Wandern und Radfahren – genau danach suchten die Urlauber. „Ich denke, dass der Ybbstalradweg mitunter ein Grund für unsere positiveren Zahlen ist“, sagt Eisenstraße-Obmann Andreas Hanger. „In unserer Region wartet ein Naturerlebnis auf die Besucher. Ich bin mir sicher, dass wir damit auch in Zukunft punkten können.“

Während die Ferienhotellerie samt Ausflugszielen gut gebucht war – übrigens hat sich dabei auch die Aufenthaltsdauer verlängert – musste man mancherorts auch starke Verluste einstecken. So verlor etwa Hollenstein im Vergleich zu 2019 rund 4.700 Nächtigungen. „Dafür sind die Schulgruppen und Ferienlager verantwortlich, die heuer komplett ausgefallen sind“, erklärt Purt.

Zu den bekanntesten Wallfahrts- und Pilgerzielen in der Region zählt der Sonntagberg. Dass dieses Jahr vermutlich weniger Pilgergruppen aus der Ferne kommen werden, war klar. Dennoch ist Pater Franz Hörmann sehr zufrieden mit den Besucherzahlen. Busgruppen und Führungen sind zwar komplett ausgefallen, dafür kamen mehr Gäste zu Fuß und mit dem Rad. „Wir müssen wirklich dankbar sein. Zu den Gottesdiensten sind viele Besucher gekommen. Und auch Pilger waren unterwegs. Man hat gemerkt, dass das individuelle Pilgern und Radfahren stark mehr geworden ist“, erzählt er. Mit den Sommermonaten ist der Pater zufrieden. In beiden Monaten wurden auch wöchentlich die Orgelmittage veranstaltet.

Für September rechnet Pater Franz schon fast mit einem Normalbetrieb. „Die traditionellen Wallfahrten der Pfarren aus der Region finden normal statt. Hier haben sich einige angemeldet“, freut er sich. Auf dem Programm stehen viele Taufen, einige werden jetzt vom Frühjahr nachgeholt. Geplant sind auch noch ein paar Hochzeiten bis zum Oktober. „Vor allem die kleineren Feiern werden jetzt nachgeholt“, weiß der Pater.

„Buchungsverhalten ist sehr kurzfristig“

Positiv überrascht war Hotelier Hannes Scheiblauer von der Sommersaison. Der erste Monat nach der Wiedereröffnung sei sowohl im RelaxResort Kothmühle in Neuhofen als auch im Schlosshotel an der Eisenstraße in Waidhofen schwierig gewesen, berichtet Scheiblauer. Danach habe man aber in beiden Häusern Zuwächse bei den Privatgästen aus Österreich verzeichnen können. „Wir hatten noch nie so viele Familien. In Waidhofen waren vor allem das Parkbad, der Buchenberg und der Ybbstalradweg Besuchermagnete.“ Hochzeiten haben sich durch Corona heuer auf Herbst verschoben. „Die Buchungslage ist hier außergewöhnlich gut“, sagt Scheiblauer. Wie es im Herbst hingegen mit Urlaubsgästen aussieht, ist schwer einzuschätzen. „Das Buchungsverhalten der Leute ist sehr kurzfristig. Das war im Sommer auch schon so“, sagt er.

Das weiß auch Andreas Purt: „Die Leute sind vorsichtig, warten die aktuelle Lage ab. Aber normal ist der September bei Wandergästen auch noch gut gebucht.

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