Frauen in der Politik: „Müssen Platz härter erarbeiten“. Lokalpolitikerinnen berichten über ihre Gründe politisch aktiv zu werden und ihre Erfahrungen in der Politik.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 06. März 2019 (04:00)
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„Als ich vor 30 Jahren gefragt wurde, ob ich im Gemeinderat mitarbeiten wolle, überlegte ich nicht lange. Meine Motivation war, Kematen zu einem lebenswerten Heimatort zu machen“, sagt Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP)

 Der Bezirk Amstetten hat derzeit mit 22,9 Prozent den zweithöchsten Anteil von Frauen an der Ortsspitze. Von insgesamt 35 Bürgermeistern sind acht Frauen. Bei den Vizebürgermeistern beträgt der Frauenanteil mit sechs von 39 15,4 Prozent.

„Ich bin in die Politik gegangen, um für die Gemeinde tätig zu sein und neue Ansätze zum Wohl der Bürger einzubringen“Bürgermeisterin Birgit Krifter (SPÖ)

Die NÖN hat Lokalpolitikerinnen nach ihren Erfahrungen in der Politik gefragt. „Ich bin in die Politik gegangen, um für die Gemeinde tätig zu sein und neue Ansätze zum Wohl der Bürger einzubringen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Krifter (SPÖ). Seit dem Vorjahr steht sie St. Georgen/Reith, der einwohnermäßig kleinsten Gemeinde im Bezirk, vor. Als Politikerin werde ihr mit großer Wertschätzung begegnet. Die Zusammenarbeit mit ihren männlichen Kollegen sei sehr kollegial, sie erhalte große Unterstützung. „Ich glaube, dass Frauen in der Politik in den meisten Fällen diplomatischer als Männer sind“, sagt Krifter. Frauen seien in der Politik mittlerweile gleichberechtigte Persönlichkeiten.

Bereits seit 2005 ist Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) im Amt. „Als ich vor 30 Jahren gefragt wurde, ob ich im Gemeinderat mitarbeiten wolle, überlegte ich nicht lange. Meine Motivation war, Kematen zu einem lebenswerten Heimatort zu machen“, sagt Günther.

„Als ich 1995 Vizebürgermeisterin wurde, waren natürlich auch einige kritische Stimmen in meiner Fraktion zu hören. Und auch als ich Bürgermeisterin wurde, haben mir nur wenige zugetraut, dass ich die ganze Legislaturperiode durchhalten werde. Doch ob Mann oder Frau, in der Gemeindepolitik geht es letztendlich darum, Ideen und Projekte anzupacken und umzusetzen.“

Land NÖ, Abteilung Gemeinden; Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Auch Sonntagbergs Vizebürgermeisterin Heide Maria Polsterer (ÖVP) wollte etwas bewirken. „Die Arbeit als Frau in der Politik fand ich nur am Anfang etwas schwierig, da man sich nicht immer ernst genommen fühlt“, sagt Polsterer. Mittlerweile klappe die Zusammenarbeit aber super.

„Frauen sind gewissenhaft, fleißig, belastbar und im Ton weniger rau als Männer in der Politik, das ist für die Zusammenarbeit sehr bereichernd“, meint die Waidhofner Stadträtin Beatrix Cmolik (WVP). Frauen würden aber sicher kritischer beurteilt als Männer und müssten sich in der Gesellschaft wie in der Politik ihren Platz härter erarbeiten. „Als Frau erlebe ich mich in der Gemeindepolitik als gleichberechtigte Kollegin“, sagt Waidhofens neue Stadträtin Nadja Koger (WVP).

„Die Zusammenarbeit mit meinen männlichen Kollegen empfinde ich als konstruktiv, loyal und wertschätzend.“ Grundsätzlich seien Männer und Frauen den gleichen Regeln unterstellt, hält Koger fest. „Aber vielleicht pflegen Frauen eine sanftere Gesprächskultur und benutzen andere Strategien zur Konfliktbewältigung.“

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