Sorge um die Hausärzte-Nachfolge. Derzeit sind im Ybbstal alle Kassenstellen besetzt, doch Zeitaufwand und Bürokratie schrecken ab.

Von Peter Führer, Hermann Knapp und Leo Lugmayr. Erstellt am 13. Februar 2019 (05:00)
Lugmayr
Schreibtischarbeit am Computer: Zunehmend mehr Administration und Bürokratie machen den Beruf der Hausärztin nicht attraktiver, ist die Waidhofner Ärztin Petra Schrey überzeugt

Die Versorgung durch Hausärzte ist im Bezirk im Raum Amstetten teilweise problematisch. Derzeit sind die Einzelpraxen in Mauer (seit 1. Juli), St. Valentin (seit 1. Oktober) und Ennsdorf (ab 1. April 2019) unbesetzt.

Sie werden es wohl auch noch in naher Zukunft bleiben, denn Bewerber für diese Stellen gibt es bislang noch keine. Wie prekär die Situation rund um die Bezirkshauptstadt ist, zeigt Mediziner Josef Weinhart auf. „Am Mittwoch der Vorwoche war ich in Amstetten der einzige praktische Arzt, der zur Verfügung stand. Alle anderen waren entweder auf Urlaub, hatten geschlossen oder waren krank“, berichtet er. 250 Patienten musste der Mediziner an diesem Tag betreuen.

„Die Sorge, einmal keinen Nachfolger zu finden, ist natürlich groß. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht“Allgemeinmedizinerin Doris Hofbauer-Freudenthaler

Im Ybbstal ist die Problematik weniger gravierend. Hier sind derzeit alle Planstellen für Allgemeinmediziner besetzt. Wie viele Kassenstellen es pro Gemeinde gibt, wird zwischen Krankenkassa und Ärztekammer ausverhandelt. Zwei sind es in den Gemeinden Allhartsberg und Kematen, zwei in Sonntagberg, zwei in Ybbsitz, eine in Opponitz, eine für Hollenstein und St. Georgen/Reith und fünf in der Stadt Waidhofen.
Doch auch wenn derzeit alle Stellen besetzt sind, bangen die Ärzte im Ybbstal bereits um Nachfolger.

So auch die Opponitzer Allgemeinmedizinerin Doris Hofbauer-Freudenthaler. „Die Sorge, einmal keinen Nachfolger zu finden, ist natürlich groß. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht“, sagt die Ärztin. Eine große Herausforderung für Landärzte sei die Bürokratie, die in den letzten Jahren stark zugenommen habe.

„Die Berufsbeschreibung umfasst nicht nur das Arztsein, sondern auch Verwaltung und für viele Mediziner die Hausapotheke. Landarzt ist man wirklich rund um die Uhr“, sagt Hofbauer-Freudenthaler. Sie ortet im Beruf des Landarztes aber auch viele Vorteile. „Man kennt alle Leute persönlich und es kommen Jung und Alt in die Ordination. Es ist mit Sicherheit ein abwechslungsreicher Beruf – aber natürlich hat man eine große Verantwortung.“

„Als praktischer Arzt ist man nicht nur medizinischer Ratgeber, sondern auch immer mehr persönlicher und sozialer Berater.“Petra Schrey, Ärztin

Dass Waidhofen über keinen Ärztemangel klagen muss, führt die praktische Ärztin Petra Schrey auf die Größe der Stadt zurück. „Wir haben genug Arztpraxen, damit jeder nur alle fünf Wochen einen Wochenenddienst übernehmen muss“, sagt sie. In kleineren Gemeinden hätten Ärzte oft jedes zweite Wochenende Dienst.

Dass sich viele Jungärzte gegen die Übernahme einer Landpraxis sträuben, liegt auch am hohen Zeitaufwand. „Junge Menschen wollen Dienst und Privates getrennt wissen“, sagt Schrey. Immer wichtiger werde für die Praktiker daher die Zusammenarbeit mit der Krankenpflege. „Als praktischer Arzt ist man nicht nur medizinischer Ratgeber, sondern auch immer mehr persönlicher und sozialer Berater.“ Zunehmende Bürokratie sei immer öfter eine Last, meint Schrey, dennoch sei der Hausarztberuf erfüllend.

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