Ybbstalbahn im Landtag

Erstellt am 17. Dezember 2013 | 23:59
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/ 12.000 Unterschriften zur Rettung der Ybbstalbahn wurden im NÖ Landtag übergeben. Unterdessen haben die Gleisdemontage-Arbeiten bei Göstling begonnen.
Von Andreas Kössl

YBBSTAL / Die aufgelöste Ybbstalbahn war Thema bei der Sitzung des NÖ Landtags am vergangenen Donnerstag. Die NÖ Grünen nutzten dabei die Aktuelle Stunde zum Thema NÖ Nebenbahnen, um 12.000 Unterschriften für den Erhalt der Ybbstalbahn an die ÖVP zu übergeben. 4.854 davon wurden im Rahmen einer Unterschriftenaktion im Herbst dieses Jahres von den Bahnfreunden der Ybbstal-Touristik & Mobilität Trägergesellschaft (YTM) via Online-Pedition gesammelt. Der Rest wurde von Bahnbefürwortern rund um Club-598-Obmann Siegfried Nykodem zusammengetragen.

12.000 Unterschriften für den Erhalt der Ybbstalbahn

„Eine beachtliche Leistung, die deutlich macht, wie die Menschen in der Region an ihrer Bahn hängen“, so Grünen-Verkehrssprecherin Amrita Enzinger, die sich gemeinsam mit Grünen-Clubobfrau Madeleine Petrovic für die Rettung der Ybbstalbahn ausspricht.

Dass es dazu kommen wird, scheint aus derzeitiger Sicht jedoch unwahrscheinlich. Wie die NÖN berichtete, wurde kürzlich eine Firma vom Verein „Gemeindeverband Ybbstalradweg“ mit der Entfernung des Gleiskörpers zwischen Gstadt und Göstling beauftragt.

Laut St. Georgen/Reiths Bürgermeister Helmut Schagerl haben die Arbeiten im Bereich Göstling bereits begonnen. Die Befestigungsschrauben der Gleise seien hier bereits gelöst worden, danach sollen die Gleise geschnitten und die Schwellen abmontiert werden, so Schagerl, der gleichzeitig Obmann-Stellvertreter des Radwegverbands und SPÖ-Landtagsabgeordneter ist, auf Nachfrage der NÖN. Da es mit der Witterung derzeit gut aussehe, werde diese Woche sicher einiges geschehen.

Das Radwegprojekt sei so rasch wie möglich umzusetzen

In seiner Rede über die NÖ Nebenbahnen im Landtag vergangenen Donnerstag meinte Schagerl zur Situation im Ybbstal: „Die Bahn als Verkehrsmittel im Personen- und Güterverkehr verlor hier in den letzten Jahrzehnten laufend an Bedeutung. Das führte schließlich auch zur Einstellung der Ybbstalbahn.“ Die Bevölkerung des Ybbstals sei mehrheitlich für die Errichtung des Ybbstalradwegs und eine touristische Weiterentwicklung der Region. Das Radwegprojekt sei so rasch wie möglich umzusetzen.

Die Bahnfreunde wollen sich mit der Demontage der Gleise der Ybbstalbahn freilich nicht abfinden. Sie bezweifeln, dass der Obmann eines Vereins, wie es der Gemeindeverband Ybbstalradweg ist, dazu berechtigt ist, den Auftrag zur Entfernung des Gleiskörpers zu erteilen, wenn zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe das Verfahren zur Errichtung des Radwegs auf der Bahntrasse noch nicht abgeschlossen ist. Überhaupt bezweifeln die Bahnfreunde, dass ein derartiger Auftrag mit dem Vereinsgesetz vereinbar ist, und plädieren dafür, eine „Nachdenkpause“ einzulegen.

ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser kann diese Bedenken der Bahnbefürworter nicht nachvollziehen. Der Verein sei Besitzer des Trassenbands und damit zur Beauftragung der Gleis-Demontage berechtigt, ist Kasser überzeugt. Sein SPÖ-Landtagskollege Schagerl habe im Übrigen die Situation im Ybbstal in seiner Rede „sehr gut dargestellt“.