Hilfe für „Sternenkinder“ in Rapottenstein

Ein neuer Verein unterstützt Eltern nach dem Tod ihres Kindes und bei pränatalen Diagnosen. Modernes Gerät soll Zeit schenken, um Erinnerungen zu sammeln.

Markus Füxl
Markus Füxl Erstellt am 29. April 2021 | 04:51
Abschied nehmen - Hilfe für „Sternenkinder“ in Rapottenstein
Barbara Stifter und Wolfgang Riedl helfen Eltern nach dem Tod ihres Kindes, etwa mit „Sternchenkleidung“. Aktuell sammeln sie Spenden für eine „Cuddle Cot“ (kleines Bild), die Eltern 36 Stunden zum Abschiednehmen schenkt.
Foto: Markus Füxl, Transatlantic

Wenn das eigene Neugeborene stirbt oder eine schlimme Diagnose gestellt bekommt, ist das wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Ein neuer Verein mit Sitz in Rappottenstein soll diesen Menschen jetzt unter die Arme greifen: Barbara Stifter und ihr Mann Wolfgang Riedl geben unter dem Namen „stilles Wölkchen“ Halt.

„Der Tod ist noch immer ein Tabuthema – gerade bei Kindern oder Neugeborenen“, erklären die beiden. Mit dem Thema in Kontakt gekommen ist die dreifache Mutter Stifter in ihrer Familie und über Freunde bereits vor Jahren. Der Verein begleitet Eltern beim Tod ihres Kindes und bei pränatal medizinischer Diagnose. Das Angebot umfasst „Sternchenkleidung“ in verschiedenen Größen und Trostboxen. Sollten Eltern Fotos als Erinnerung von ihrem Kind wünschen, bietet Wolfgang Riedl ehrenamtlich seine Dienste als Fotograf an.

Hilfe bei schwierigen Behördenwegen. Dass diese Hilfe bisher im Waldviertel gefehlt hat, merkten die beiden kurz nach dem Einrichten ihrer Facebook-Seite: „Es war sehr rasch die erste Mutter da“, erzählt Stifter. Sie schildert ihre erste Begleitung nach einer Curettage, also einer Ausschabung eines Babys in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft: Stifter half der Mutter, ihr Kind nach dem Eingriff am Standesamt zu beurkunden. Damit ist die Existenz nachgewiesen, was beim Abschiednehmen helfen kann.

Spenden für mobiles Kühlungssystem. Aktuell sammelt der junge Verein Spenden für eine sogenannte „Cuddle Cot“: Das ist ein mobiles Kühlungssystem, das Eltern 36 Stunden nach dem Tod ihres Neugeborenen schenkt, um lebenslange Erinnerungen zu sammeln und die Trauer besser verarbeiten zu können. Das Gerät gibt es nur in Deutschland, es kostet 2.500 Euro. „1.000 Euro haben wir schon gesammelt“, erklärt Stifter, die auf weitere Unterstützung (siehe Infobox) hofft.

Die 34-Jährige ist außerdemInhaberin von „Tröstdichdein“, wo sie Kontakte mit Bestattern vermittelt und administrative Tätigkeiten rund um Trauerfeiern abwickelt. Außerdem kümmert sie sich als sogenannte „Wochenbettdoula“ in den ersten Wochen nach einer Geburt um Mütter, indem sie zum Beispiel kocht oder vaginale Dampfbäder für die Wundheilung vorbereitet.

Wie soll man sich als Bekannter nach dem Tod eines Kindes verhalten? „Oft kommen Sätze wie ‚Ihr seid ja noch jung und könnt noch Kinder kriegen‘ – das ist falsch, am besten ist zuhören, da sein und gemeinsam aushalten“, erklärt Stifter.

Für Mai und Juni sind erste Austauschtreffen geplant.