Arbeiten beim Bundesheer: Jobs für Zivilisten

Erstellt am 31. Oktober 2022 | 04:43
Lesezeit: 6 Min
500 Menschen arbeiten in der Garnison Allentsteig, darunter viele Zivilpersonen in Handwerksberufen . Die NÖN machte sich ein Bild .

Zu den größeren Arbeitgebern im Bezirk Zwettl zählt die Garnison Allentsteig mit rund 500 Beschäftigten, mehr als die Hälfte davon sind zivile Personen, tätig in ganz normalen Berufen.

Ein Teil der Garnison ist die Liechtensteinkaserne, in der Rekruten ausgebildet werden. Sie ist zur Mehrheit mit Berufssoldaten besetzt, dennoch arbeiten dort auch Zivilpersonen, etwa in der Küche.

Am TÜPl selbst – der sich als Dienstleister sieht und Infrastruktur zur Ausbildung von Truppen aus ganz Österreich und dem angrenzenden Ausland bietet – sind davon aktuell 256 Personen beschäftigt. 78 Prozent dieser Mitarbeiter sind zivile Personen in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen.

Eine Herausforderung für Dietmar Butschell, Personalverantwortlicher am TÜPl. „Ich finde es interessant, wie viele verschiedene Dienstverhältnisse wir hier haben. Es gibt Soldaten aller Dienstgrade, Beamte, Vertragsbedienstete sowie Arbeiter und Angestellte nach Kollektivvertrag. Letzteres ist eher ungewöhnlich im öffentlichen Dienst.“ So erweist sich der TÜPl als beliebter Arbeitgeber für die Menschen in der Region. „Die meisten Bediensteten am TÜPl kommen aus den Bezirken Zwettl, Waidhofen, Gmünd, Horn und Krems“, so Butschell, „wir haben aber auch ein paar Exoten, wie einen Mitarbeiter aus Feldkirchen (Kärnten).“

Eine bunte Arbeitswelt herrscht am TÜPl

Da der TÜPl seine Infrastruktur instand hält, gibt es dort auch Schuster, Schneider- und Kleidermacher, die Gebäude werden von den eigenen Mitarbeitern gepflegt und instand gesetzt, und das 157 Quadratkilometer große Grundstück wird von den eigenen land- und forstwirtschaftlichen Mitarbeitern betreut. Natürlich gibt es am TÜPl auch eine Krankenstation und medizinisches Personal.

Es gibt aber auch ungewöhnliche Einsatzbereiche für die Mitarbeiter. Da die Hälfte des TÜPl mit Blindgängern (auch noch aus der Zeit des 2. Weltkrieges) belastet ist, muss in den dortigen Gebieten mit Splitterschutzfahrzeugen gearbeitet werden. Die Blindgänger werden auch beseitigt, dafür gibt es eine eigene Kampfmittelbeseitigungs-Gruppe, die von Dietmar Kargl geleitet wird.

Lehrlinge sollen nach Lehrzeit auch bleiben

440_0008_8509273_zwe43tuepl_lehrling_zehmannjasmin_1_.jpg
Jasmin Zehmann wird Tischlerin.
Foto: NOEN

Am TÜPl werden auch Lehrlinge ausgebildet, im Herbst haben wieder vier Lehrlinge ihre Lehrausbildung in den Berufen Kfz-Technik, Berufsjäger, Forstfacharbeiter und eine junge Dame als Tischlerin begonnen. „Wir hätten auch einen Maler- und Beschichtungstechniker aufgenommen, es wurde aber keiner gefunden“, bedauert Butschell.

Der TÜPl weise gemäß Feststellungsbescheid der Wirtschaftskammer die Lehrlingsausbildungsberechtigung auf und habe kompetente Ausbildner und geeignete Werkstätten. Laut Butschell gäbe es ausreichend Bewerber, am Prozess der Personalauswahl selbst hat der TÜPl nur in der Endauswahl Mitspracherecht. Butschell: „Die Erstauswahl erfolgt durch das Heerespersonalamt, das die Bewerber zu einer theoretischen Eignungsprüfung in ein Prüfzentrum einlädt“, so Butschell.

Die Lehrlingsanwärter werden auf Deutsch, Mathematik, Allgemeinwissen geprüft und müssen sich einem psychologischen Eignungstest unterziehen, natürlich brauchen sie ein Leumundszeugnis. Der TÜPl erhält danach eine Übersicht über die Bewerber, die in die zweite Runde gekommen sind. „Wir laden sie dann auf den TÜPl ein, damit wir uns gegenseitig kennenlernen. Wir erklären den TÜPl, zeigen ihnen ihren zukünftigen Arbeitsplatz, und sie lernen ihren zukünftigen Ausbildner kennen“, so Butschell.

Der Lehrlingsausbildner lässt die Anwärter kleine Arbeiten verrichten, was einer weiteren Eignungsprüfung entspricht und um herauszufinden, ob der künftige Lehrling ins Team passt. Butschell: „Das ist ganz besonders wichtig, dass ich das nicht am Schreibtisch entscheide, sondern das Urteil des Ausbildners miteinbezogen wird. Es ist wichtig für den TÜPl und für die Lehrlinge. Wir wünschen uns, dass sie bleiben, deshalb nehmen wir nur so viele Lehrlinge auf, die auch nach Lehrabschluss bei uns einen Arbeitsplatz haben können.“ 90 Prozent der Lehrlinge würden bleiben.

Der Ball liegt bei der Dienstbehörde

So wie in jedem größeren Betrieb gibt es am TÜPl eine Personalplanung. „Ich habe einen Überblick über Abgänge, etwa Versetzungen innerhalb des öffentlichen Dienstes an einen anderen Standort oder bevorstehende Pensionierungen“, so Butschell. Dann folgt ein transparentes Prozedere. „Ich beantrage bei der Dienstbehörde in Salzburg diesen Arbeitsplatz zur Nachbesetzung und schicke auch gleich einen Vorschlag für den Bekanntmachungstext mit“, so Butschell. Dann liege der Ball bei der Dienstbehörde. Ein bestehender Arbeitsplatz wird dann zuerst ressortintern, also beim österreichischen Bundesheer, ausgeschrieben für den Fall, dass jemand in seine Heimatregion zurückkehren möchte. „Das ist der Klassiker, dass junge Bundesbedienstete wieder zurück ins Waldviertel wollen“, weiß Butschell.

Erst, wenn niemand intern gefunden wird, gelangt die offene Stelle in die Jobbörse der Republik Österreich. Interessant sei auch, dass man am TÜPl nicht einfach seinem Vorgesetzten nachfolge, etwa bei einer Pensionierung. Jede freigewordene Stelle werde ausgeschrieben und man müsse sich dafür bewerben. Standortwechsel wären üblich, diese dienten eben auch der Karriere.

„Wir hatten heuer 17 Abgänge, die meisten bedingt durch Pensionierungen der starken Jahrgänge. Ein Unteroffizier wurde auf seinen Wunsch hin versetzt, und natürlich gibt es auch Austritte von Personen, die in zivile Bereiche gehen“, so Butschell. Gleichzeitig wären 18 Personen neu dazu gekommen, fünf durch Versetzungen von anderen Dienststellen und 13 Neuaufnahmen.

Vielfalt an Jobs vorhanden

Es gäbe viel Interesse an einem Arbeitsplatz am TÜPl, so Butschell. Freie Arbeitsplätze würden sich regelmäßig ergeben, und er stehe persönlich jedem Interessenten für ein Gespräch über Berufsmöglichkeiten am TÜPl zur Verfügung. Das Gehaltsschema unterliege dem Gehaltsgesetz im öffentlichen Dienst und zugeordneten Verwendungsgruppen.

„Es lohnt sich immer, auch bei uns auf die Suche nach offenen Stellen zu gehen, weil wir hier am TÜPl einen sicheren, planbaren Job anbieten, bei dem die Vereinbarkeit von Job und Familie gegeben ist“, so Butschell, der 1995 als Einjährig-Freiwilliger eingerückt, und seit 1998 am TÜPl A in unterschiedlichen Funktionen tätig ist.