Nach dem Flurbrand: TÜPl-Wehr wird aufgestockt

Erstellt am 24. Juni 2022 | 05:49
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Mehr Löschfahrzeuge und mehr speziell Ausgebildete gegen Brandausbreitung am TÜPl Allentsteig.

Nicht erst seit dem Flurbrand im heurigen Frühjahr beschäftigt sich das TÜPl-Kommando mit der Vermeidung von sich ausbreitenden Bränden. Denn Manöver müssen abgehalten werden, das Scharfschießen sei für die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres unersetzbar, so TÜPl-Kommandant Herbert Gaugusch. 2019 seien erste Maßnahmen eingeleitet und spezielle Fahrzeuge bestellt worden. Die ersten dieser Spezialanfertigungen treffen heuer ein.

„Wir haben diesen Flurbrand sehr genau evaluiert und daraus unsere Maßnahmen für die Zukunft abgeleitet, ein weiteres Maßnahmenpaket geschnürt“, so Gaugusch weiter.

Präventivmaßnahmen werden gestartet

Eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen gegen die unkontrollierte Ausbreitung von Bränden am TÜPl ist die Herstellung von Brandschutzstreifen mit einer Breite von rund 20 Metern blanker Erde. Doch wie hält man diese Streifen frei von Bewuchs? „Dafür haben wir Spezialgeräte bekommen – das sind splittergeschützte Traktoren, die über ausreichend Schutz für die Personen bieten, die damit pflügen und eggen“, so Gaugusch. „Diese Spezialmaschinen mit Panzerschutz wurden von einer österreichischen Firma extra entwickelt.“

Die Gebiete, in denen die Brandschutzstreifen errichtet werden, sind Gebiete, in denen geschossen wird, da können Blindgänger liegen. Rund die Hälfte des Truppenübungsplatzes, etwa 8.000 Hektar, seien belastet.

Kriegsrelikte und Munition aus der Besatzungszeit

„Die Belastung in diesem Gebiet ist sehr hoch, das rührt von der sehr langen Benützung des TÜPls. Es gibt hier Kriegsrelikte, Blindgänger aus der russischen Besatzung und aus der Bundesheerzeit“, so Gaugusch.

„Wir finden jedes Jahr so 200 bis 300 Blindgänger, die so herumliegen“, erzählt Gaugusch. Diese würden gezielt gesucht und vernichtet werden. „Das machen wir jährlich, denn durch den Frosthub des Bodens können wieder Minen nach oben kommen.“

In Gebieten mit besonders hohem Gefahrenpotenzial werden Minenräumer eingesetzt. „Das sind gepanzerte Fahrzeuge, die teilweise sogar ferngesteuert sind. Drei Stück davon haben wir am TÜPl, die Bedienmannschaften kommen aus ganz Österreich von den Pionier-Bataillonen.

Eine komplette Räumung der Blindgänger auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes hält Kommandant Gaugusch für unrealistisch. „Aufgrund der Größe ist die Räumung mit einem gewaltigen finanziellen Aufwand verbunden, dazu müsste die Erde abgetragen und gesiebt werden, um die Minen zu finden, das ist nicht durchführbar.“

Aktuell werde jedoch in einem eingeschränkten Bereich geschossen, um den Raum, der durch Munition des Bundesheeres belastet wird, geringer zu halten.

Ausbildung auch für Grundwehrdiener

Mit der Lieferung der ersten Fahrzeuge rechnet Gaugusch diesen Herbst. Drei splittergeschützte Traktoren mit Löschcontainern am Anhänger sollen dann zum Einsatz kommen. Die Menschen, die diese zum Einsatz bringen, erhalten eine spezielle Ausbildung. Fix Angestellte am TÜPl, aber auch Grundwehrdiener sollen eine Waldbrandausbildung erhalten. „Das ist sicher interessant für die Jungen, weil das eine Ausbildung ist, die sie im Anschluss verwenden können, etwa bei einer Berufsfeuerwehr“, ist Gaugusch überzeugt.

Die Absicht des TÜPl sei, Entstehungsbrände zu verhindern, die Waldbrandgefahr auslösen können. „Das machen wir vor allem durch Einschränkung bei den Munitionsarten bei den Manövern. Etwa wird brandauslösende Munition bei Trockenheit nicht verwendet. Und wenn ein Brand entsteht, dann wollen wir diesen rasch löschen“, so Gaugusch. Und dafür benötige der TÜPl splittergeschützte Fahrzeuge und zentral bereitstehende Feuerwehrkräfte, die rasch am Ort sind. Doch: „Sollte ein Entstehungsbrand nicht gelöscht werden können, dann werden wir wieder die zivilen Feuerwehren brauchen, die Auffanglinien bewässern. Wir können nicht 200 Feuerwehrleute bereithalten.“

Schließlich könne auch durch Blitzschlag im TÜPl-Gebiet oder durch weggeworfene Zigaretten auf den Wanderwegen und Straßen durch den TÜPl Brände entstehen. „Zu unseren Maßnahmen gehört letztendlich auch, dass wir die gerodeten Waldflächen wieder bewalden mit klimaresistenten Mischwäldern. Wir planen weitere große Auspflanzungen im Herbst.“

Umfangreich informieren wird der TÜPl darüber bei der Leistungsschau am Bezirksfest am kommenden Wochenende.