Ein Kaffee beim Krampus

Erstellt am 29. September 2021 | 04:56
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Krampusverein „Meloner Moor Teufeln“ lud zur Besichtigung: Von den Ursprüngen des Brauches.

Wenn Martin Huber von seinem Hobby erzählt, strahlen seine Augen. Dann geht es um Teufel, Perchten und Hexen. Der 28-jährige aus Altmelon ist Obmann des Krampusvereins „Meloner Moor Teufeln“.

Wir sitzen im Gasthaus Klinger in Arbesbach. Der Verein feiert mittlerweile sein fünfjähriges Jubiläum. An diesem Wochenende hat er zu einer Art „Tag der offenen Tür“ geladen. Überall sind Krampusmasken und Kostüme verteilt, in einem weiteren Zimmer flimmern Bilder von den Auftritten der „Meloner Moor Teufeln“. Huber serviert Kaffee. Wie der 28-Jährige zum Thema Krampus gefunden hat? „Bei uns gab es schon immer Krampusumzüge. Ich habe dann mit Freunden und Bekannten selber mitgemacht und erstmals auch Zuckerl und Schnäpse verteilt.“ Noch in der selben Nacht reifte die Idee, einen Verein zu gründen.

Die „wilde Jagd“: der Ursprung der Perchten

Das Faszinierende sei der Brauch und was dahinter steckt, erzählt Huber: „Die Perchten stammen von den Kelten und Germanen ab. Damals gab es die ‚wilde Jagd‘, Phänomene, die sich die Menschen nicht erklären konnten.“ Sie erfanden übernatürliche Figuren, die durch das Land jagen – darunter etwa „Perchta“, die Mutter der Hexen.

Später übernahm das Christentum den Brauch und verlegte ihn rund um den heiligen Nikolaus. Sein Begleiter, der Krampus, war geboren: „Seine Birkenrute ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Damit wurde auf Felder eingeschlagen, um das Böse auszutreiben und das Feld fruchtbar zu machen“, erklärt Huber.

Unterschiede im Aussehen

Perchten und Krampusse sind aber nicht zu verwechseln. Vor allem im Aussehen gibt es klare Unterschiede, zeigt der Obmann auf: „Der Percht hat tierische Züge und besitzt meist einen Kuh- oder Rossschweif als Schlagwerk.“ Auf seinen Hörnern soll er die bösen Seelen aufstecken. Ihm fehlen die Ohren, damit er sie nicht schreien hört. Als Schlusslicht bei Umzügen geht „Perchta“ und kehrt das übrig gebliebene Böse zusammen. „Deshalb haben Hexen Besen“, erklärt Huber. Der Krampus hat hingegen menschliche Züge, meist nur ein Paar Hörner, eine Birkenrute und eine Kuhglocke. „Mich haben die Masken schon als kleiner Bub fasziniert. Als mich dann ein Freund in das Brauchtum eingeführt hat, war das Interesse komplett da“, sagt Huber.

Sein Hobby ist durchaus kostspielig: Ab 150 Euro bekommt man eine gebrauchte Maske. Je nach Schnitzer gehen die Kosten in die Höhe. „Ich hatte einmal eine Maske in der Hand, die hat 4.500 Euro gekostet. Da waren die Haare und Wimpern einzeln mit der Hand eingestickt“, erklärt Huber. Dazu kommen knapp 800 Euro für Pyrotechnik während der Shows.

Jüngster Krampus ist acht Jahre alt 

34 Mitglieder zählen die „Meloner Moor Teufeln“. Das jüngste ist acht Jahre alt: Chiara Hagn, die Tochter von Kassierin Sarah, ist mit sechs Jahren zum ersten Mal bei einem Umzug mitgelaufen. Auch eine Familie aus Groß Siegharts ist dabei. „Bei uns ist der Zusammenhalt sehr groß, es sind viele Freundschaften entstanden“, erklärt Huber.

Vorurteile sind falsch

Die Vorurteile, dass Krampusläufer aggressiv seien und blindlings auf die Besucher einschlagen, stimme nicht: „Bei uns gibt es ganz klare Regeln, die vorher ausgemacht werden. Wir sind kinderfreundlich. Man soll die Schläge spüren, wir wollen aber niemanden verletzen“, sagt der Obmann.

Oft sei es für die Läufer gefährlicher, als für die Zuseher, schildert Huber: „Eine Maske kann bis zu 20 Kilo schwer sein, man ist in der Bewegung eingeschränkt.“ Wenn Zuseher an die Hörner packen, kann es für die Wirbel des Maskenträgers gefährlich werden. Huber selbst wurde von einem Besucher schon einmal über die Absperrung gezerrt. „Leider hört man bei den Schlagzeilen über Verletzte bei Krampusläufen oft nicht, wer verletzt wurde.“

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