Weiter Rätselraten nach Schädelfund an Kirchentür. Rätselraten um und Suche nach der Person in Altmelon, die Totenkopf an die Tür der Sakristei hing.

Von René Denk. Erstellt am 22. Mai 2019 (08:56)
René Denk
Mesner Gottfried Leister fand den Totenschädel. Er wurde in einem Plastiksackerl an die Tür der Sakristei der Kirche in Altmelon gehängt.

„So etwas ist mir in neun Jahren als Mesner noch nie passiert“, sagt Gottfried Leister zu seinem skurrilen Totenschädelfund: Am Türgriff zur Sakristei hing ein Plastiksackerl, worin sich der menschliche Schädel befand. Wir berichteten: 

„Ich war schon sehr überrascht, als ich das Sackerl aufmachte, ich dachte zuerst an eine nette Aufmerksamkeit, die uns jemand an die Tür gehängt hat“, schildert der Mesner im NÖN-Gespräch. Der Schädel sah schon älter aus, er hatte eine bräunliche Verfärbung und der Unterkiefer fehlte. Im Oberkiefer steckten nur mehr zwei, drei Zähne.

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Zuerst startete man einen Aufruf in der Heiligen Messe, damit sich der Abgeber melde. Da dies aber ohne Erfolg blieb, wurde der Totenschädel der Polizei übergeben. „Ich hab ihn in der Sakristei aufgebahrt, eine Kerze angezündet und nach der Sonntagsmesse hat der Pfarrer ihn gesegnet“, erzählt Leister, der das Sackerl an der Kirchentür am 28. April gefunden hatte.

Die Staatsanwaltschaft Krems wurde eingeschaltet. „Es handelt sich um einen uralten Schädel, der schon verrottet und verwittert ist“, sagt Staatsanwalt Franz Hütter. Der Schädel weise keine Deformationen und kein Anzeichen auf ein Gewaltverbrechen auf. „Außer der Art der Abgabe ist hier nichts spektakulär“, erklärt Hütter, dass immer wieder bei Grabungsarbeiten Gebeine auftauchen. Normalerweise würden die Gebeine aber direkt bei der Polizei abgegeben werden. Ein Strafverfahren leitete die Staatsanwaltschaft dazu nicht ein. Der Schädel wird der Pfarre zur Bestattung übergeben.

So etwas ist noch nirgendwo passiert

Leister vermutet, dass derjenige, der den Schädel an die Sakristei-Tür hängte, ihn im guten Glauben dort platzierte: „Der wird sich gedacht haben, dass der Pfarrer dann den Schädel einfach bestattet.“ Das geht aber nicht so einfach, selbst wenn es sich um ein Kriegsrelikt oder dergleichen handelt und ein Verbrechen ausgeschlossen werden kann.

René Denk

„Ich habe bei einigen meiner Mesner-Kollegen nachgefragt — auch denen ist so etwas noch nicht passiert“, hofft der Mesner noch immer, dass sich der Finder meldet, um vielleicht etwas mehr über die Herkunft des Schädels in Erfahrung zu bringen.

„Ich habe keine Ahnung, wem so etwas einfällt, aber diese Form der Abgabe ist pietätlos. Das ist nicht in Ordnung“, verurteilt Altmelons Bürgermeister Manfred Stauderer die Aktion. Er weist darauf hin, dass die Abgabe nicht von einem Altmeloner stammen muss.