Propstei-Friedhof: Funde werden ausgestellt. 275 Gräber wurden vor einigen Jahren am Propstei-Friedhof freigelegt. Die Funde und der Ablauf der Ausgrabungen können nun im Karner bestaunt werden.

Von Maria Moll. Erstellt am 05. November 2020 (05:36)
Ein sogenanntes Topfgrab, das 2011 am Propsteifriedhof geöffnet wurde. Die Bedeutung der Töpfe bleibt laut Experten bis heute rätselhaft.
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Im Zuge der Grabungen zur Vergrößerung des Friedhofs auf der Propstei kamen einige interessante Funde zutage. Nun gibt es im Karner eine Ausstellung, die Repliken der Funde zeigt und die Arbeit der Archäologen dokumentiert. Diese Schau wurde nun der Öffentlichkeit übergeben.

Erde Schicht für Schicht mit Bagger abgehoben

Die kulturbeflissenen Mitglieder des Stiftungsvorstandes der Sparkasse Zwettl Privatstiftung setzten sich dafür ein, dass nicht ein neuer Anbau vor dem Friedhof errichtet wird, sondern nahe der Kirche, dort wo sich einst vermutlich die Burg und der Friedhof befanden, die Friedhofserweiterung angelegt wurde. Vor diesem Schritt sollte der historisch sensible Bereich archäologisch untersucht werden, ein Vorhaben, das sich die Stiftung auch einiges kosten ließ.

Bei denkbar schlechtem Frühlingswetter nahm das studierte Archäologenpaar Karin und Thomas Kühtreiber, der seine familiären Wurzeln in Gutenbrunn hat, an vier Tagen der Karwoche im Jahr 2010 Sondierungsschnitte im Boden südlich und westlich der Kirche vor. Ein Bagger hob vorsichtig Schicht für Schicht das Erdreich ab. Dabei traten eine spätmittelalterliche Friedhofsmauer und jüngeres Mauerwerk zutage. Mauerreste der früheren Burg wurden zwar keine gefunden, aber zahlreiche menschliche Skelette wiesen auf die jahrhundertelange Nutzung des Areals als Friedhof hin.

Grabungsleiterin Brigitte Fettinger (Bildmitte) und ihre Mitarbeiter Gerda Jilch und Andreas Wolfsberger vervollständigten im Sommer 2011 die archäologischen Untersuchungen. Insgesamt konnten 275 Einzelgräber freigelegt werden.
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Im Sommer 2011 vervollständigten Grabungsleiterin Brigitte Fettinger und ihr Team die archäologischen Untersuchungen. Bei den Grabungen beider Jahre wurden insgesamt 275 Einzelgräber freigelegt. Einige davon enthielten religiöse Beigaben wie Rosenkränze, ein Gebetbuch oder Fingerringe. Die Ausstattung mit Totenkronen betraf vor allem Kindergräber. „Außergewöhnlich sind vier Bestattungen mit umgestülpten Keramiktöpfen, worunter sich in zwei Gräbern mit Wachs überzogene Holzkelche und in einem Fall zusätzlich eine Patene befand“, wie Karin Kühtreiber in ihrem Bericht über die Arbeiten auf der Propstei festhielt.

Bedeutung von Töpfen bleibt rätselhaft

Einzelne solcher Topfgräber, sie stammen alle aus dem 15. bis 16. Jahrhundert, entdeckten Wissenschaftler nur noch im Mühlviertel, in Südmähren, in Wien und im Burgenland. „Bei ähnlichen Bestattungen, so vermuten die Forscher, stand der Keramiktopf häufig an jener Stelle, wo eine Krankheit saß“, hielt Brigitte Fettinger dazu fest. Die Bedeutung der Töpfe bleibt also rätselhaft. Wegen der Kelche und einzelner textiler Funde liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Bestatteten um Priester handelte, wahrscheinlich um Mitglieder der Priestergemeinschaft der Propstei.

Leopold Rechberger, Stadtarchivarin Elisabeth Moll und Franz Pruckner, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Sparkasse Zwettl Privatstiftung, (von links) besichtigten die kleine, gelungene Präsentation zu den Grabungen, die vor der Erweiterung des Propsteifriedhofs durchgeführt wurden.
Maria Moll

Zum Abschluss des Grabungsprojektes wurden die Gräber zugeschüttet und gepflegtes Friedhofsareal mit drei Reihen von Gräbern, einem Urnenhain und einzelnen Urnenstelen angelegt. Die geborgenen Skelette befinden sich im Karner, weitere Funde lagern in archäologischen Depots.