Zwettl

Erstellt am 16. Januar 2019, 03:40

von Markus Füxl

130 Jahre SPÖ: „Roter Faden statt sich zerfleischen“. Kürzlich feierte die Sozialdemokratie ihr Jubiläum. Die Partei hat schon bessere Zeiten erlebt. Wie sieht die Basis die Zukunft?

Adelheid Ebner, SPÖ-Bürgermeisterin in Gutenbrunn, betont, dass Einigkeit gefragt ist. Arnold Bauernfried, SPÖ-Bürgermeister in Bärnkopf, möchte junge Wähler für seine Partei gewinnen.  |  Archiv

„In den letzten 130 Jahren hat sich nichts an unserer Position verändert. Wir stehen nach wie vor für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit“, sagt Herbert Kraus, SPÖ-Bezirksparteivorsitzender.

Setzte sich die Sozialdemokratische Partei früher vor allem für das Proletariat ein, sind es heute alle, die arbeiten und benachteiligt gegenüber Großkonzernen sind, so Kraus. Für den Bezirk Zwettl sieht er großen Nachholbedarf in der Bildung: „Wir brauchen in Zukunft noch mehr Nachmittagsbetreuung und Ganztagsschulen, weil Eltern immer länger arbeiten müssen.“ Auch ein höherer Pflegebedarf und Ärztezentren würden die Region in den nächsten Jahren beschäftigen.

„Die Menschen wissen nicht mehr, was von der SPÖ erreicht wurde.“Zwettler SPÖ-Stadtparteivorsitzende Franz Groschan

Der Zwettler SPÖ-Stadtparteivorsitzende Franz Groschan betont, dass gerade die SPÖ dafür verantwortlich sei, dass Österreich so gut dastehe: „Die Menschen wissen nicht mehr, was von der SPÖ erreicht wurde.“ Seine wichtigste politische Forderung für die Zukunft ist, den Bau des geplanten Zwettler Einkaufszentrums zu verhindern. „Wir ruinieren uns gute Arbeitsplätze durch Konzerne, die unser Geld nehmen und aus der Region tragen.“

Eine SPÖ Hochburg im Bezirk ist die Gemeinde Gutenbrunn. 78,90 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt die Partei bei der letzten Gemeinderatswahl. Seit 2000 führt Adelheid Ebner als Bürgermeisterin die Gemeinde. „Bundesweit sind wir natürlich in einer schwierigen Situation“, sagt sie. Vor allem die Ausländerpolitik sei mit ein Grund gewesen, warum es in der Vergangenheit bergab ging. „Damit haben sich viele Menschen nicht vertreten gefühlt.“

wahldatenbank.at/Wikipedia.org; Fotos: SPÖ; NÖN-Grafik: Bischof

Für die Zukunft sei Einigkeit gefragt: „Wir müssen unsere Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität wie einen roten Faden weiter nach außen tragen und dürfen uns innerparteilich nicht zerfleischen.“

Neben Gutenbrunn hat Bärnkopf mit Arnold Bauernfried den einzigen „roten“ Bürgermeister im Bezirk. Der 62-Jährige wuchs in einem SPÖ-Haushalt auf: „Das war eine Zeit, in der die SPÖ das Land stark verbessert hat“, sagt er. In den letzten Jahren habe sich die Wählerschicht verändert. „Viele alte Stammwähler sterben weg. Das klingt hart, ist aber Realität. Die SPÖ muss neue, junge Sympathisanten finden.“

Josef Kromsian, SPÖ-Regionalgeschäftsführer für das Waldviertel, war bei der 130-Jahres-Feier in Hainburg. „Ohne Konkurrenz durch uns schläft das Gewissen von ÖVP und FPÖ ein, auch hier im Waldviertel“, sagt er. Er erhalte immer wieder Rückmeldungen von Wählern der beiden Regierungsparteien, die ihre Wahl mittlerweile bereuen. „Auch das bestärkt uns, unseren Weg weiter fortzusetzen.“

Eine erste Etappe auf diesem Weg steht im ersten Quartal 2020 an. Dann finden, wie es aktuell aussieht, in Niederösterreich Gemeinderatswahlen statt.