Arbeiterkammer-Bilanz: Zu wenig Geld nach Kündigung

Erstellt am 28. August 2019 | 03:23
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7668326_zwe35bezirk_arbeiterkammer.jpg
Arbeiterkammer-Bezirksleiter Jürgen Binder (links) und Kammerrat Werner Müller präsentierten die Leistungsbilanz der Arbeiterkammer für das erste heurige Halbjahr.
Foto: Karin Pollak
Arbeitszeit soll vom Arbeitnehmer immer aufgezeichnet werden, dann ist Hilfe oftmals leichter möglich.

Die Arbeiterkammer versucht immer wieder, Mitgliedern zu ihrem Recht zu verhelfen. Im ersten Halbjahr gab es 2.216 Beratungen. Insgesamt konnte über eine Million Euro „erstritten“ werden.

Ein „klassisches Beispiel“ war der Fall jenes jungen Zwettlers, der seine Bäckerlehre absolviert hat und danach in dem Lehrbetrieb weiter gearbeitet hat. Nach einem Freizeitunfall meldete er seinem Chef den notwendigen Krankenstand. Noch während dieses Telefonates erhielt der Zwettler die Kündigung.

Die Endabrechnung ließ der Bäckergeselle bei der AK-Bezirksstelle Zwettl überprüfen: „Es fehlten Urlaubsersatzleistungen, Sonderzahlungen, Überstunden und die Entgeltfortzahlung nach der Kündigung im Krankenstand war zu kurz bemessen. Diese ist nach einer Kündigung bis zu acht Wochen lang“, erklärt AK-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder.

Weiters stellte sich heraus, dass der junge Bäcker unter dem Kollektivvertrag bezahlt worden ist. Insgesamt machte der ausstehende Betrag mehr als 3.400 Euro aus. „Mittlerweile ist das Geld auf dem Konto des jungen Mannes eingetroffen“, erzählt Binder, der darauf verweist, dass genaue geführte Arbeitszeitaufzeichnungen wichtig seien. „Da diese vorhanden waren, konnten wir rasch und unbürokratisch helfen“, meinte Binder.

Betreffend Arbeitszeitaufzeichnung erklärt er: „Einfach die gearbeiteten Stunden im Kalender eintragen, mehr braucht es nicht!“ Wer es digital haben möchte, kann sich die „Arbeitszeit-App“ über die Arbeiterkammer herunterladen.

Arbeiterkammer möchte Änderungen bei Pension

„Das ist Teil des Zukunftprogrammes der Arbeiterkammer. Es gibt hier auch einen Brutto-Netto-Rechner und man erfährt, wie ein Arbeitsplatz aussehen soll und welche Bildung dafür notwendig ist“, erklärt Werner Müller, Kammerrat und Eaton-Betriebsratsvorsitzender. Als Beispiel führt er Reinigungskräfte an, die heute auch schon computerfit sein müssen. „Bis 2023 ist dieses Programm bewilligt, jetzt wird erhoben, welche Schulungen für die Mitarbeiter notwendig sind“, so Müller.

Weiters will sich die Arbeiterkammer um Änderungen im Pensionsrecht bemühen. „Vor allem für die Frauen ist es unsozial“, meinte AK-Chef Binder. Weiters ging er auf die fehlende Verkehrsinfrastruktur, in Zwettl speziell die fehlende Anbindung an die Franz Josefs-Bahn, ein. „Wir haben in den letzten zehn Jahren 1.000 Pflichtschüler verloren. Dazu fehlt auch noch der Zuzug. Um den Fachkräftemangel entgegen zu wirken, braucht es eine sinnvolle Infrastruktur“, stellt Binder klar.