Interview mit Gerhard Blabensteiner: „Kiefer wirkt wie die Zirbe“

Erstellt am 28. Mai 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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Gerhard Blaben steiner liebt das Holz der Kiefern und dessen ätherische Öle.
Foto: GabrieleMoser
Baum des Jahres 2022 ist die Rotföhre. Sie ist neben der Tanne ein Lieblingsbaum von Gerhard Blabensteiner, Obmann des Vereins zur Förderung des Waldes.

NÖN: Wieso haben Sie den Verein zur Förderung des Waldes gegründet?

Gerhard Blabensteiner: Weil es wichtig ist! Wir haben hier einen nachwachsenden Rohstoff, den Baum, den Wald, vor der Haustür. Bei Holz gibt es keine Rückstände, es ist der beste Werkstoff, denn Holz braucht keine zusätzliche Energie zum Wachsen und es speichert C0 2 .

Der Wald selber hat so viele Vorteile: Ich sehe ihn als Privileg, wir haben gesunde Luft. Bärnkopf ist ein Luftkurort, wo der Wald Erholung, Kraft und Energie gibt. Zusätzlich motiviert der Wald und hilft gegen Burnout – und das haben wir alles vor der Haustüre. Für mich ist der Wald das Beste, was man sich vorstellen kann. Ich möchte, dass die Menschen schätzen lernen, was sie hier haben. Seit 1975 gibt es das Waldrecht, und man kann fast überall den Wald betreten.

Sahen Wälder ursprünglich bei uns auch so aus wie heute?

Blabensteiner: Der Wald im 18. Jahrhundert bestand bei uns zu 40 bis 50 Prozent aus Buchen, 30 Prozent Tannen und bis 30 Prozent Fichten. Danach hatte der Mensch das umgewandelt, sodass der Wald bis zu 80 Prozent aus Fichten bestand. Wenn es trockene Jahre gibt, dann leidet die Fichte als erstes darunter, weil sie als Flachwurzler nicht zum Wasser kommt. Die Folge sind Borkenkäferbefall und Kahlschlag. Deshalb setze ich auf Misch- und Dauerwald.

Wie bewirtschaften Sie Ihren Wald?

Blabensteiner: Ich bewirtschafte nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit, ökologisch, und ich vertraue auf Naturverjüngung. In den letzten 25 Jahren habe ich keine Fichten gesetzt, weil die kommen von Natur aus. Wenn ein Baum erntereif ist, dann fälle ich ihn erst, wenn dort schon ein rund zwei Meter hoher Baum nachgekommen ist. So habe ich immer einen Dauerwald und den Vorteil, dass ich nie einen Baum setzen muss. Die Vorteile dabei sind, dass die Bäume gegen Wildverbiss gesichert sind. Sie sind Klima angepasst, und ich habe keine Kulturkosten und es gibt dort keine Bodenaustrocknung, weil durch Dauerbewaldung immer Schatten ist und es feuchter bleibt. Das alles erklären wir im Verein zur Förderung des Waldes. Der Verein ist übrigens ein ehrenamtlicher.

Baum des Jahres ist heuer die Rotkiefer. Haben Sie diese auch in Ihrem Wald?

Blabensteiner: Die Rotkiefer wächst auf Kiefernstandorten sehr gut. Kiefernholz ist ein gutes Holz, das ich gerne verwende. Dieses Holz hat ähnliche Eigenschaften wie Lärche, aber auch wie die Zirbe. Ich habe Kiefernholz für Schlafzimmerbetten verarbeiten lassen. Die ätherischen Öle der Kiefer sind wie jene der Zirbe und haben dieselbe Wirkung auf die Herzfrequenz. Dadurch verwende ich Kiefernholz sehr gerne bei mir zu Hause im Innenbereich.

Der Wald hat für viele wirtschaftliche Bedeutung. Ist die Kiefer adäquater Ersatz für die Fichte?

Blabensteiner: Man kann generell nicht sagen, dass eine Baumart die Fichte ersetzt, es ist standortspezifisch: die Tanne gehört auf tiefgründigen Boden. Die Buche ist die Mutter des Waldes. Sie produziert sehr viele Nährstoffe, ist ein Pfahlwurzler und dadurch auch ein sehr wichtiger Fichtenersatz, die Kiefer ist ein Tiefwurzler, passt auf sehr trockene, flinsige Standorte und ersetzt dort die Fichte sehr gut.

Die holzverarbeitenden Betriebe haben sich auf Fichte eingestellt, weil die Fichte ein weißliches Holz hat. Wenn man Kiefern aufschneidet, zeigen sie eine andere Maserung als Fichten, sind auch rötlicher im Holz. Ansonsten ist sie gleichwertig oder noch besser, finde ich, weil sie mehr ätherische Öle hat als die Fichte. Kiefern erzielen aber nicht den gleichen Preis wie Fichten, weil die Farbe und die Holzmaserung bei Kunden nicht so erwünscht sind.

Waldbesitzer verkaufen die Fichten und verwenden die Kiefern für den Eigenbedarf. In meiner zukünftigen Frühstückspension ist mein Dachstuhl aus Tannen- und Kiefernholz. Am schönsten ist es, wenn man das Holz natürlich belässt und höchstens ölt.

Sollte ein Mischwald nun ein gemischter Nadelwald sein?

Blabensteiner: : Nein – die Nährstoffe des Laubwaldes darf man nicht unterschätzen. Die Fichte versauert den Boden durch die herabfallenden Nadeln. Die Nährstoffe fehlen. Wenn ich eine Generation Fichtenwald habe, so habe ich beim nächsten Zuwachs um eine Bonität weniger, d. h. das Wachstum ist geringer. Nach sieben Fichten-Generationen ist auch für junge Fichten dann der Boden zu sauer. Daher ist ein strukturierter Mischwald für die Zukunft die Lösung.