Baumschlägerungen sorgen für Aufregung

Erstellt am 07. März 2018 | 05:00
Lesezeit: 5 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Viele Eichen und Eschen im Zwettltal fielen der Motorsäge zum Opfer. Bürgerstiftung rechtfertigt die Maßnahmen.

Für Aufregung sorgen derzeit die in den letzten beiden Wochen durchgeführten Baumschlägerungen im Zwettltal entlang des Walderlebnisweges, einem der beliebtesten Nahwandergebiete der Zwettler. Viele charakteristische Eichen und Föhren fielen dabei der Motorsäge zum Opfer.

Verkehrssicherheit als Hauptgrund für Forstarbeiten

„Ratzfatz werden jahrhundertealte Bäume gefällt. Warum? Mein Sohn und ich haben geweint!“, postete etwa eine Zwettlerin angesichts der massiven Abholzungen im Erholungswald, der im Besitz der Zwettler Bürgerstiftung ist. „Der Hauptgrund der aktuellen Forstarbeiten im Zwettltal liegt einerseits in der Herstellung bzw. Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit für den unteren als auch den oberen Wanderweg zum Schutze aller Waldnutzer sowie andererseits in forstwirtschaftlich bedingten Schadholzbeseitigungen und Vorbereitungen für Wiederaufforstungsarbeiten“, erklärt Direktor Franz Oels auf Anfrage der NÖN.

„Die gesetzlichen Haftungsbestimmungen für Waldbesitzer sind sehr umfangreich und rigoros“.Direktor Franz Oels

Die Schlägerungen beziehen sich vorwiegend auf alte Eichen, die in Folge der vergangenen trockenen Jahre sehr gelitten hätten und die Kronen großteils schon stark zerfallen seien. Außerdem seien viele Eichen von der sogenannten „Rotfäule“ betroffen, die den Baum von innen her morsch werden lassen, sodass bei Winddruck die Gefahr besteht, dass sie brechen. „Die Standsicherheit kann nicht mehr gewährleistet werden.“ Die zweite betroffene Baumart in diesem Bereich ist die Esche, die durch Pilzbefall im Wurzelbereich und das weit verbreitete Eschentriebsterben nicht mehr stand- und bruchsicher sei. Eschen verlieren – bei voller Krone – ihre Stabilität und stürzen um. „Oft kann man das als Laie gar nicht erkennen“, so Oels.

Nachdem bereits vor geraumer Zeit viele vom Borkenkäfer befallene Fichten entfernt werden mussten, müsse jetzt aufgrund des hohen Altholzbestandes abermals krankes und schlechtwüchsiges Material entnommen werden. „Die gesetzlichen Haftungsbestimmungen für Waldbesitzer sind sehr umfangreich und rigoros“, erklärt Franz Oels. Gerade in stark frequentierten Bereichen wie den Wegen im Zwettltal sei das Risiko deshalb besonders hoch.

Oels verspricht aber, dass wieder aufgeforstet und „im Laufe der kommenden Jahre eine Naturverjüngung stattfinden bzw. eine natürliche, dem Waldstandort angepasste Baumartengesellschaft gefördert“ werde.

Umweltschützer fürchten um Rückzugsgebiet für Tiere 

Pragmatisch sieht auch Zwettls Umweltgemeinderat Bernhard Thaler die Forstarbeiten im Zwettltal: „Jeder Baum, der umgeschnitten wird, ist natürlich für immer verloren. Aber als Laie kann man schwer bewerten, ob Maßnahmen notwendig sind. Da muss man sich auf die Experten verlassen.“ Es gebe, so Thaler, nur zwei Möglichkeiten: Entweder man sperrt jene Teile eines Waldes, wo Gefahr für den Menschen besteht, oder man entferne gefährliche Bäume. „Aber ein Wald, in dem keiner gehen darf, macht auch keinen Sinn!“

Umweltschützer fürchten durch die Rodungen vor allem um das Rückzugsgebiet, das die schroffen Abhänge der Geländestufe im Hammerleitenwald für viele Tier und Pflanzenarten darstellen. „Es konnte von Menschen nicht so leicht gefahrlos betreten werden. Das gab der Natur die Gelegenheit, einen sicheren Rückzugsort zu bilden“, so Biologe Joachim Brand, der erst jüngst mit dem Naturschutzpreis ausgezeichnet wurde. „Insbesondere die alten Eichen stellen ökologisch wertvolle Strukturen dar und sind als Lebensraum und Unterschlupf für zahlreiche seltene und gefährdete Arten wie Käfer, Schmetterlinge und Insekten von zentraler Bedeutung.“

Breiter Forstweg wurde nie realisiert

Bereits vor rund vier Jahren sorgte die Ankündigung der Bürgerstiftung, den Bereich im Zwettltal zwischen dem Eislaufplatz bis zur Verlängerung der Südhangstraße zu einem bis zu drei Meter breiten Forstweg auszubauen, um den Einsatz von Maschinen bei der Waldarbeit, speziell der Entfernung von Käferbäumen, zu ermöglichen, für große Aufregung. Damals bildete sich sogar eine überparteiliche Initiative „Rettet das Zwettl tal“, die 765 Unterschriften für die Erhaltung des Zwettltalweges sammelte.

Die 2014 so heftig kritisierte Forststraße wurde allerdings nie realisiert – Grund dafür waren zu strenge Vorgaben der Naturschutzbehörde.