Camping: Boom dank Covid-19. Urlaub in Zeiten von Corona? Viele kommen mit dem Wohnwagen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 05. August 2020 (04:20)

Die Autos reihen sich dicht gedrängt. Die Kennzeichen verheißen internationales Publikum, neben zahlreichen Wiener Taferl reihen sich auch Gäste aus Holland und Deutschland ein.

Ein Blick auf die Campingplätze im Bezirk Zwettl zeigt: Der Urlaub mit dem eigenen Wohnwagen, Zelt und Co. boomt – und das vor allem in Zeiten von Corona. So ist etwa der Campingplatz Lichtenfels am Stausee Ottenstein voll. Auf einer Hinweistafel bei der Einfahrt steht: „Alle Plätze belegt! Zufahrt nur bei Reservierung!“ Ingrid Schreyer aus Salzburg steht mit ihrem Zelt auf der Anlage und wartet auf ihre Freunde. „Unser Zelt stammt aus den 60er Jahren und kommt heuer wieder mal zu Ehren“, sagt sie. Mit ihrer Begleitung, Christian Mayr, sei man oft im Salzkammergut unterwegs. Die beiden loben die tolle Lage im Waldviertel: „Bei uns sind die Seezugänge sehr verbaut. Das ist hier anders“, sagt Mayr.

„Wir wollten im Waldviertel Sehenswürdigkeiten anschauen. Meine Männer haben aber gesagt, das ist zu anstrengend“ Mutter Christa Fahrnberger

Einige Meter weiter sitzt Benjamin Mader aus Wieselburg mit seiner Freundin. Eine kleine Photovoltaikanlage sorgt für den Strom für die Kühlbox und weitere elektrische Kleingeräte. „Wir haben daheim eine Baustelle und wollten ein paar Tage weg“, erklärt Mader. Eigentlich wollte er in der Toskana oder in Albanien campen – bis der Coronavirus einen Strich durch die Rechnung machte. „Aber das macht nichts, hier ist es auch schön und ruhig“, sagt er.

Jedes Zelt wird streng registriert

Am Campingplatz Lichtenfels werden weniger Gäste als in den Vorjahren aufgenommen. Jedes Zelt muss registriert werden und zwischen den einzelnen Zelten sind größere Abstände einzuhalten. „Eine Anreise ist nur bei schriftlicher Reservierungsbestätigung möglich“, bemerkt Betreiber Raimondo Thurn. Unter den Campingplatzbesuchern seien viele Stammgäste, doch es seien auch einige neue Gäste darunter.

Um eine Ansteckung mit Covid-19 zu verhindern, empfiehlt man, am Campingplatz Lichtenfels Schutzmasken zu tragen. Um die Gäste auf die Verhaltensregeln aufmerksam zu machen, wurden bei den Sanitärräumlichkeiten und an den Anschlagtafeln am Platz Hinweise angebracht. In den Sanitärräumlichkeiten wurden zudem Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Außerdem merkt Thurn an: „Wir beschäftigen mehr Personal als in den Vorjahren um die Sanitär- und Toilettenanlagen öfters zu reinigen und zu desinfizieren.“

Pusch: Heuer letzte Saison in Ottenstein

Familie Pusch, die das Seecamping und die Segel- und Surfschule Ottenstein betreibt, kann heuer mehr Gäste als sonst begrüßen. „Vor allem aus Belgien und Niederlande kommen wieder viele Besucher. Heuer haben wir auch viele Tiroler, die sonst nach Italien fahren“, erklärt Anneliese Pusch.

Seit 1980 betreibt sie mit ihrem Gatten Franz die Segelschule, 2002 ist der Campingplatz dazu gekommen. Für die beiden ist es das letzte Jahr als Pächter der Anlage: „Wir hätten noch ein Jahr, werden aber nach dieser Saison in den Ruhestand gehen“, sagt Anneliese Pusch.

Details über einen Nachfolger gibt es noch nicht. Eine jährliche Feldmesse kurz vor Ferienbeginn musste coronabedingt auf den 6. September verschoben werden. Üblicherweise kommen über 100 Gäste zur Messe. „Wir werden die Veranstaltung nutzen, um uns bei allen Gästen und Freunden zu bedanken“, erklären die beiden.

Zum ersten Mal campiert Familie Fahrnberger bei den Puschs. „Es war eine kurzfristige Entscheidung. Wir wollten wegen des Coronavirus in Österreich bleiben“, erklärt Fritz Fahrnberger. Seine Gattin Christa ergänzt lachend: „Eigentlich wollten wir eine Waldviertel-Tour machen und uns die Sehenswürdigkeiten anschauen. Meine Männer haben aber gesagt, das ist ihnen zu anstrengend.“

Üblicherweise fährt die Familie mit dem Wohnwagen nach Ungarn zum Motocross. Heuer haben sie aufblasbare Bretter zum Stehpaddeln und ein Kanu mit im Gepäck.

In Arbesbach gibt es Stellplätze für Wohnwägen. Bürgermeister Martin Frühwirth sagt, dass die Nachfrage gestiegen ist: „Der Trend geht dahin, in diesem Jahr ganz besonders.“ Die Infektionszahlen würden heuer auf jeden Fall für das Waldviertel als Urlaubsdestination sprechen.

Eine signifikante Änderung beim Gästepublikum sei laut Frühwirth nicht zu bemerken. Ausländische Gäste hat man sowieso wenige und es sind viele der Stammgäste wieder zugegen. Die Wohnwagenstellplätze würden vor allem von Mundpropaganda in der Szene leben, wo sich auch Freundschaften bilden.

Eine Reservierung im Voraus braucht man in Arbesbach bei der Anreise mit dem Wohnwagen übrigens nicht. „Wenn Platz ist, darf man stehen bleiben“, meint der Bürgermeister, und: „Bisher haben wir eigentlich immer einen Platz gefunden.“

Viele Stammgäste am Stausee Dobra

Auch am Campingplatz beim Stausee Dobra begrüße man zu einem Großteil Stammgäste, merkt Seniorchef Lorenz Hafner an. Dass ausländische Gäste kommen, die in vergangenen Jahren schon zugegen waren, hält sich heuer in Grenzen. Jedoch finden sich viele andere Gäste ein, „die ansonsten woanders hinfahren würden“, meint Hafner.