Ehrenamt Nikolaus: Ein Brauch mit großer Faszination. Strahlende Kinderaugen sind der Lohn für den Einsatz der Nikoläuse.

Von Martina Hofer. Erstellt am 04. Dezember 2019 (05:15)
In die Fußstapfen ihrer Mutter Grete Raab tritt Renate Matias: Sie ist in Groß Gerungs als weiblicher Nikolaus tätig. Zuvor war Raab seit über 20 Jahren im Herz-Kreislauf-Zentrum unterwegs. „Die Leute sind da wie kleine Kinder“, sagt sie.
Adelheid Kamin

Der Nikolaus bringt nicht nur Kinderaugen zum Strahlen, sondern erfreut auch die Erwachsenen mit schönen Gedichten und kleinen Geschenken.

Wolfgang Wrubel bekleidet bereits seit 1995 das Ehrenamt des Nikolaus im Kindergarten Groß Gerungs und das mit großer Freude. Das Nikolausfest wird dort kindgerecht vorbereitet und gefeiert. Die Pädagoginnen schreiben dafür im Vorfeld ein paar Informationen und liebe Dinge über jedes einzelne Kind in die sogenannte „Himmelsmappe“, sodass Wrubel als Nikolaus immer weiß, was die Kinder gemacht haben, wenn er vor ihnen eine kleine Rede hält, sich Lieder und Gedichte anhört und sie schließlich beschenkt.

 „Früher war das etwas besonderes, wenn man vom Nikolaus die ersten Mandarinen bekommen hat und die Apferl.“ Grete Raab

Der pensionierte Volks- und Hauptschullehrer bereitet sich auch selbst gut auf diese Rolle vor. „Die Kinder sind sehr schlau und stellen vielen Fragen“, sagt er lachend. „Einmal haben sie meinen Ehering bemerkt und wollten wissen, ob der Nikolaus verheiratet ist. Seitdem muss ich ihn immer herunter wursteln.“

Als Hobby-Meteorologe freut es ihn auch immer besonders, wenn er die Kinder mit seinen Wetterprognosen beeindrucken kann. Er erzählt weiter: „Die Kinder sind immer sehr hilfsbereit und freundlich. Sie helfen mir, den Bischofsstab zu tragen und einmal ist mir die Bischofsmütze beim Vorbeugen vom Kopf gerutscht. Da haben sie sie gleich für mich aufgehoben und mir zurückgegeben.“ Es ist ihm deshalb auch immer ein großes Vergnügen, die Geschenke zu verteilen. „Die Kinder haben viel Freude und viele Fotos werden gemacht.“ Der 79-jährige denkt darum auch noch nicht wirklich ans Aufhören. „Solange es möglich ist, möchte ich gerne als Nikolaus weitermachen“, sagt er.

Vier Generationen helfen zusammen

Der ganz besondere Ehrengast wird auch heuer wieder im Herz-Kreislauf Zentrum Groß Gerungs erwartet. Grete Raab bewahrt dort seit über 20 Jahren diese Tradition. 1996 begann alles mit ihrem Sohn, der dort als Knecht Ruprecht und Nikolaus tätig war. Als es ihm nicht mehr möglich war, diesen Brauch fortzuführen, ließ sie sich nicht lange bitten und übernahm das Ehrenamt. Seit 1998 ist sie nun Nikolaus und ihr Sohn, ihre Enkel und sogar ihre Urenkel helfen als Engel verkleidet fleißig mit.

Dass gleich vier Generationen der Familie den Brauch in das Herz-Kreislauf-Zentrum tragen, kommt dort gut an. „Die Leute sind da wie kleine Kinder“, sagt Grete Raab und schmunzelt fröhlich.

„Wir läuten das Glockerl und dann lesen wir unser Nikolausgedicht vor, das den Menschen Gesundheit und eine schöne Adventszeit wünscht.“ Sie selbst hat nur schöne Erinnerungen an den heiligen Nikolaus aus ihrer eigenen Kinderzeit.

Was sie damals erlebt hat, das möchte sie gerne an andere Kinder und auch an die Erwachsenen weitergeben. Sie möchte den alten Brauch vom Nikolaus am Leben erhalten, gerade in Zeiten von Halloween und dem Coca-Cola-Weihnachtsmann. „Früher war das etwas besonders, wenn man vom Nikolaus die ersten Mandarinen bekommen hat und die Apferl. Heute weiß man doch gar nicht mehr, was man noch schenken soll. Die Kinder haben ja schon alles.“ Es stimmt sie ein wenig traurig, dass immer weniger Menschen wissen, warum das Weihnachtsfest eigentlich gefeiert wird, worum es zu Weihnachten ursprünglich ging. Die Adventzeit hat für Grete Raab viel mit Liebe und Besinnlichkeit zu tun.

Dass sie ein weiblicher Nikolaus ist, hat nie jemanden gestört. Zurückblickend an ihre Zeit als Nikolaus hat die 80-Jährige nur liebe Erinnerungen. Seit letztem Jahr hat das ihre Tochter übernommen, damit die Menschen in der Vorweihnachtszeit weiterhin eine Freude am Nikolaus haben und die Tradition lebendig bleibt.