Ethik, statt Religion „stangeln“

Erstellt am 30. Jänner 2019 | 04:30
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Start. Am 4. September geht es für 581 Taferlklassler im Bezirk los.
Foto: BVZ
Direktoren können Plänen von Bildungsminister einiges abgewinnen.

Religion oder eine Freistunde? Diese Wahl möchte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) abdrehen. Er fordert verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden.

Manfred Schnabl, Direktor der Handelsakademie Zwettl, begrüßt den Vorschlag: „Ich finde es wichtig, dass es Religion weiterhin als Basisunterricht gibt. Ethik als verpflichtende Alternative für diejenigen, die sich davon abmelden, ist sinnvoll.“

Einmal meldeten sich in einer Klasse der HAK so viele Schüler auf einmal ab, dass es nur mehr eine Stunde Religion, statt zwei, gab. „Generell hält sich das bei uns aber in Grenzen. Im Schnitt melden sich pro Klasse zwei Schüler ab“, sagt Schnabl. Ethik als Unterrichtsfach zusätzlich zu Religion hält er für unnötig: „Da werden eh schon viele Inhalte in Religion abgedeckt.“

„Viele, die sich abmelden, tun es, um eine Freistunde zu haben. Das ist unfair den anderen gegenüber.“Schulsprecher-Stellvertreterin Alizja Sitko

Anton Allinger, Religionslehrer in der HAK, hat bereits lange auf diesen Schritt der Regierung gewartet, sagt er im Gespräch mit der NÖN.

Häufig würden sich Schüler nicht wegen eines fehlenden Glaubensbekenntnisses abmelden, sondern einfach um vom Unterricht freigestellt zu sein: „Da kann ich mich als Religionslehrer auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln, eine Freistunde ist natürlich attraktiver“, kommentiert er trocken.

Auch Schulsprecher-Stellvertreterin Alizja Sitko hält einen Ethikunterricht für Abgemeldete für sinnvoll: „Viele, die sich abmelden, tun es, um eine Freistunde zu haben. Das ist unfair den anderen gegenüber.“

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Gespräch, Diskussion sowie kritisches Denken und das Abwägen unterschiedlicher Argumente sind zentrale Elemente des Ethik-Unterrichts.
Foto: Jacob Lund/Shutterstock.com

Dass sich bei den Abmeldungen unter den Schülern eine gewisse Eigendynamik entwickelt, glaubt Wolfgang Steinbauer, Direktor des Zwettler Gymnasiums: „Fängt einer an, laufen andere nach.“ So gibt es im Gymnasium Klassen, in denen bis zu sechs Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet sind. Für Herbst 2019 plant Steinbauer für diese Schüler einen schulautonomen Pflichtgegenstand ab der fünften Klasse, eine Stunde pro Woche. „Als Ersatz, nicht als Alternative zum Religionsunterricht, betont er.

Gemeinsam mit der HAK bietet das Gymnasium einen eigenen Religionsunterricht für muslimische Schüler. Diese dürfen nicht am regulären Religionsunterricht teilnehmen. „Der Lehrer ist echt lässig, aufgeschlossen und modern“, freut sich Steinbauer über das Angebot.

Volksschüler dürfen in Klasse sitzen bleiben

In den Volksschulen im Bezirk Zwettl ist das ganze kein Thema. Laut Zahlen von Schulqualitätsmanager Alfred Grünstäudl sind lediglich elf von den insgesamt 1.591 Volksschülern vom Religionsunterricht abgemeldet. „Kinder ohne Bekenntnis besuchen bei uns den römisch-katholischen Religionsunterricht als Freigegenstand“, erklärt Heidi Rosenmayr, Direktorin der Volksschule Zwettl.

Für muslimische Kinder gibt es in der Zwettler Volksschule seit heuer einen islamisch-religiösen Unterricht, den aktuell acht Kinder besuchen.

Vier Kinder anderer Konfessionen verbringen mit Einverständnis der Eltern die Zeit trotzdem in den Religionsstunden ihrer Klasse, oder in einer anderen Klasse. „Ethikunterricht erscheint mir dort unbedingt notwendig, wo die Vermittlung von Werten durch das gänzliche Fehlen eines Religionsunterrichts nicht gegeben ist“, so Rosenmayr.

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