Geduld: Gratis-Grippeimpfung erst zu Weihnachten. Gratis-Grippeimpfung kommt – aber erst Ende Dezember. Ob die Rationen ausreichen werden, ist laut Ärzten im Bezirk unklar.

Von Karin Pollak. Erstellt am 29. Oktober 2020 (06:15)
Bezirksärztevertreter Karl Danzinger appelliert im Rahmen der Gratisimpfaktio: „Nicht vor Dezember anrufen!“
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Die Meldungen über die kostenlose Grippeimpfaktion des Landes lassen die Telefone bei den Ärzten derzeit „übergehen“. Sowohl Bezirksärztesprecher Karl Danzinger als auch die Ärztekammer bitten dazu um Geduld.

Impfstart erst vor Weihnachten

Laut dem Präsidenten der NÖ Ärztekammer Christoph Reisner werde das Land 80.000 Grippeimpfstoffe zur Verfügung stellen. Diese Impfstoffe müssen dann aber erst abgezählt, verpackt und gekühlt zu den niedergelassenen Ärzten geliefert werden.

Bis die Impfaktion in den Ordinationen starten kann, wird es im besten Fall kurz vor Weihnachten sein, in manchen Fällen auch Jänner – je nach dem, wann geliefert wird. „An der Gratisimpfaktion interessierte Patienten werden dringend ersucht, nicht vor Dezember in den Ordinationen anzurufen, um Bedarf an der Impfung anzumelden“, appelliert Reisner an die Patienten.

Diesem Appell schließt sich auch der Allentsteiger Arzt Karl Danzinger in seiner Funktion als Bezirksärztesprecher an: „Bei uns Ärzten laufen die Telefone derzeit heiß. Viele wollen sich schon für diese Gratisaktion anmelden oder gar schon einen Termin dafür haben. Aber uns fehlen derzeit die Impfstoffe und auch die genauen Informationen. Bitte nicht bei den Ärzten anrufen, man blockiert die Leitungen für wirklich kranke Personen.“ Leid würden ihm derzeit seine Mitarbeiterinnen tun: „Meine Damen machen wirklich was mit!“

Ob und wann geliefert wird, wissen „nur die Götter“

Denn egal ob die Grippeimpfung gratis sei oder bezahlt werden müsse, die Nachfrage sei ungebrochen groß. „Wir haben zwar schon eine kleine Tranche unserer bestellten Impfstoffe erhalten, aber uns fehlt noch ein großer Teil. Ob und wann dieser ausgeliefert wird, dass wissen die Götter.“

Einfach sei die Situation bei den Ärzten und Apotheken derzeit nicht: „Es wird appelliert, sich Grippeimpfen zu lassen, das beherzigen auch viele, nur gibt es viel zu wenig Impfstoff“, betont Danzinger.

Dass die Gratisimpfung erst im Dezember oder gar erst im Jänner durchgeführt werden könne, sehe der Bezirksärztesprecher nicht als Problem: „In den letzten Jahren traf die Grippewelle erst im Februar bei uns ein. Zehn Tage dauert es, bis der Impfstoff wirkt, also würde das passen. Dieser Meinung ist auch der Zwettler Kinderarzt Johann Opitz. In seiner Ordination gibt es ebenfalls ein großes Interesse an den Grippeimpfungen. „Im Vorjahr habe ich vielleicht zehn Kinder geimpft, heuer sind bereits an die 100 Kinder dafür vorgemerkt. So viele waren es noch nie. Das hängt sicherlich mit der Coronapandemie zusammen.“

Ob Gratis-Impfstoffe ausreichen, ist unklar

Einen weiteren Grund hinter dem großen Interesse sieht der Kinderarzt die Gratis-Impfaktion, die heuer angeboten werde. Für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 15 Jahre kommen im November 200.000 Dosen österreichweit auf den Markt, Mitte Dezember sollen nochmals 100.000 ausgeliefert werden.

Dabei handelt es sich um einen Nasenimpfstoff. Für die unter zweijährigen Kinder gibt es einen eigenen Impfstoff in Spritzenform. Dafür würden um die 50.000 Dosen zur Verfügung stehen. „Diese Impfstoffe kommen in die Apotheken. Ob sie ausreichen, ist unklar“, betont Opitz, der in seiner Ordination die Logistik als Herausforderung sieht. „Wir können noch keine Termine vergeben, weil wir ja nicht wissen, wann der Impfstoff angeliefert werden wird.“

Kinder sind Grippe-Virus-Schleudern

Dass Kinder gegen Grippe geimpft werden, sei laut Opitz wichtig: „Säuglinge und Kleinkinder können schwerer an Grippe erkranken und es gibt öfter Komplikationen. Die größeren Kinder sind richtige Virusschleudern und bringen die Grippe vom Kindergarten nach Hause. Das ist bei Corona nicht so.“

Corona sei natürlich in seiner Ordination ein Thema: „Es gibt zum Glück keine Erkrankten, aber man merkt, dass vor allem die Jugendlichen unter der Einschränkung ihrer sozialen Kontakte leiden. Die Schüler sollten ihre Kontakte, die sie in der Schule haben, auch im Kleinen zuhause pflegen und vielleicht auch in kleinen Gruppen auswärts. Wichtig sind auch Perspektiven. Jede Pandemie hört einmal auf und dann wird es wieder besser.“

Apotheken sind noch immer ausverkauft

Der Andrang auf den Grippe-Impfstoff ist in der Zwettler Apotheke zum schwarzen Adler von Astrid Hölzl ungebrochen groß. „Jetzt haben wir einmal 100 Stück britischen Impfstoff bekommen, wir haben aber Hunderte Vorreservierungen. Ob noch eine Lieferung kommt, wissen wir nicht.“