Geflügelpest: „Lockdown“ für die Hühner. Nicht nur Menschen haben mit Ausgehsperren zu kämpfen. Experte fordert jetzt Ende der Stallpflicht.

Von Joachim Brand. Erstellt am 08. April 2021 (05:54)
Die ehemalige Schulwartin und Schwimmlehrerin der NMS Stift Zwettl Hildegard -Almeder, betreut einige „Grünleger Hühner“ und zwei Stallhasen.
Joachim Brand

 für Geflügel ist in einigen Zwettler Regionen in Sicht. Der Schutz vor der Geflügelpest auch Vogelgrippe genannt, hat weiterhin Priorität.

In den betroffenen Gemeinden Echsenbach, Großgöttfritz, Pölla, Rappottenstein, Schwarzenau, Waldhausen und Zwettl warten die Geflügelzüchter sehnlichst darauf, ihren Tieren wieder den nötigen Auslauf zu geben. Die Vogelgrippe grassiert im Winter beinahe jedes Jahr unter Wildenten, Gänsen und Schwänen. Die NÖN berichtete schon mehrmals darüber.

Totfund bei Wien war aktueller Anlassfall

Anlass der diesjährigen Bestallungspflicht war der Totfund eines Schwanes in der Wiener Umgebung. Weitere infizierte Totfunde an Wildvögeln wurden in den letzten Monaten nur auf Wiener Gebiet ausgemacht. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) dokumentiert sämtliche Fälle und gibt diese an das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz weiter. Laut Auskunft des Ministeriums läuft die Geflügelpestverordnung nicht von selbst ab, sondern wird erst durch die Entscheidung des Ministers Rudolf Anschober verändert oder beendet.

Die letzten Angaben zu untersuchten Hühnern und Enten aus dem Haustierbereich zeigten im Jahre 2020 kein einziges infiziertes Tier. Laut AGES wurden 3.655 Blutproben auf den sogenannten „Aviären Influenza“ Virus untersucht. Alle Proben waren negativ.
Seit 22. Februar herrscht für Betriebe ab 350 Tiere eine ausnahmslose Stallpflicht. Diese Maßnahme erweist sich besonders für Erzeuger von Bioeiern als Problem. Nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne kann das Biogütesiegel für Freilandeier nicht mehr erneuert werden.

„Dieser lange Hühner-Lockdown gehört unbedingt beendet.“Martin Wagner, Obmann des Vogel- und Kleintierzuchtvereins Zwettl

Manfred Penz aus Rammelhof bei Arbesbach ist von der Pflicht zur Bestallung ausgenommen. „Wir bewirtschaften unseren Bio-Eier- Hühnehof auf 940 Meter Seehöhe. Wir liegen nicht im Einflugbereich wildlebender Entenvögel. Einzig ein Seeadler wurde bei uns vor einigen Monaten gesichtet“, berichtet Manfred Penz über seinen Betrieb. Er ergänzt, dass jetzt nach der Schneeschmelze seine Hühner vermehrt ins Freie drängten.
Der Obmann des Vogel- und Kleintierzuchtvereins Zwettl, Martin Wagner weiß dagegen vom Unmut vieler Geflügelzüchter zu berichten: „Wir unterstehen ja weiterhin den angeordneten Hygienemaßnahmen. Unsere Züchter berichten von verzögertem Brutverhalten der seltenen Haustierrassen. Vielen ist die weitere Aufrechterhaltung der einschränkenden Verordnung nicht mehr einsichtig.“

Wagner verweist auf die Tatsache, dass während der vergangenen Monate kein einziges infiziertes Tier im Bezirk Zwettl festgestellt wurde. „Dieser lange Hühner-Lockdown gehört unbedingt beendet“, forderte der Obmann.

Selbst bei kleiner Hühner- Enten oder Gänsezahl ist die ordnungsgemäße Unterbringung der Haustiere ein Problem. „Ich schaue täglich nach meinen acht Hühnern. Ich entferne jeden Tag den Hühnerkot, um eventuelle Infektionen zu vermeiden. Sobald eine Hühnerglucke ihre Eier ausgebrütet hat, brauchen die Pipperl mehr Platz“, betont Hildegard Almeder aus der Waldrandsiedlung.

Amtstierärztin pocht weiter auf Einhaltung

Im Bezirk Zwettl wacht die Veterinärabteilung der Bezirkshauptmannschaft Zwettl über die Einhaltung der amtlichen Hygienevorschriften. Amtstierärztin Iris Geppl berichtet von derzeit acht betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 350 Tieren. „Es nützt nichts, die Verordnungsbestimmungen müssen weiterhin eingehalten werden. Der Zeitpunkt einer Aufhebung der Verordnung kann nicht vorhergesehen werden. Das alles hängt mit von den Untersuchungen und der Häufigkeit der aufgetretenen positiven Fällen, sowohl an Wildvögeln als auch an Hausgeflügel, ab“, beschreibt die Amtstierärztin die gegenwärtige Situation.

Neben den bekannten Vorsichtsmaßnahmen macht sie noch ausdrücklich auf die strikte Trennung von Straßenbekleidung und Stallkleidung aufmerksam.