Griss um Tagesmütter

Erstellt am 24. März 2015 | 09:54
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Foto: NOEN, Kernland
Hilfswerk pfiff seine Tagesmütter, die gleichzeitig bei der NÖ-Kinderbetreuung im Kernland tätig sind, zurück.

„Dicke Luft“ herrscht derzeit in Sachen Kinderbetreuung im Bezirk Zwettl: Hilfswerk-Tagesmütter, die gleichzeitig für die NÖ-Kinderbetreuung des Waldviertler Kernlands arbeiten, wurden unter Druck gesetzt, sich zwischen den beiden zu entscheiden.

Zur Vorgeschichte: Während das Hilfswerk Zwettl – trotz Eltern-Protesten – das Kindernest in Zwettl vor etwas mehr als einem Jahr schloss, entwickelte die Kleinregion Waldviertler Kernland ein neues Projekt, die NÖ-Kinderbetreuung. Dort wird eine Betreuung für unter Dreijährige sowie flexible Nachmittagsbetreuung angeboten. Im Februar öffneten die ersten von insgesamt zehn geplanten Standorten.

„Die Einrichtung des Kernlands ist eigentlich eine direkte Konkurrenz zu uns.“
Thomas Pollmann, Familien- und Beratungszentrum

Bei der Kinderbetreuung des Kernlandes waren auch Tagesmütter des Hilfswerkes tätig, eine von ihnen ist Sylvia Kitzler aus Kottes, die vormittags als Früherzieherin für die NÖ-Kinderbetreuung in Albrechtsberg im Einsatz ist, während sie nachmittags daheim für „ihre“ Tageskinder, drei an der Zahl, da ist. Sie wurde jetzt vom Hilfswerk, wie andere Tagesmütter, die „doppelgleisig“ fuhren auch, gezwungen, sich zu entscheiden, für wen sie künftig arbeiten will. „Ich finde diese Vorgehensweise den Eltern gegenüber nicht in Ordnung“, so Kitzler, die nicht ganz versteht, warum das Hilfswerk auf eine klare Linie pocht: „Die Kinder, die in der NÖ-Kinderbetreuung sind, kommen mit meinen Tageskindern gar nicht in Berührung!“ Sylvia Kitzler hat sich jedenfalls entschieden und wird als selbstständige Tagesmutter weitermachen.

Dass das Eine das Andere nicht ausschließen muss, findet auch Doris Maurer, Geschäftsführerin des Waldviertler Kernlands: „Ich finde es nur positiv, wenn Tagesmütter bei uns bleiben, weil man viele Symbiosen, vor allem auch in der Ausbildung, nutzen kann!“

Ganz anders sieht das Thomas Pollmann, Leiter des Familien- und Beratungszentrums beim Hilfswerk Zwettl: „Die Einrichtung des Kernlands ist eigentlich eine direkte Konkurrenz zu uns.“ Genau die Kinder, die dort betreut werden, würden sonst Hilfswerk-Tagesmütter betreuen. „Genauso wenig würden wir akzeptieren, wenn Tagesmütter vormittags für uns und nachmittags für die Caritas arbeiten“, so Pollmann, der aber betont, dass es kein Problem sei, wenn die Betreuerinnen weiterhin auch Tagesmütter bleiben – freilich nicht unter der Ägide des Hilfswerks. „Sie brauchen ja keinen Trägerverein, um weiterzumachen“, meint Pollmann. Außerdem seien die Tagesmütter beim Hilfswerk nicht angestellt, es gibt lediglich einen Kooperationsvertrag.