Erstellt am 16. Mai 2018, 05:00

von René Denk

Hipp will Waldviertler Erdäpfel retten. Am Markt kommen die Waldviertler Knollen bei Konsumenten nicht so gut an, weil man gewaschen ihre Verletzungen sieht. Dabei haben sie aber einen einzigartigen Geschmack.

Köstliche Waldviertler Speise-Erdäpfel können am Markt nicht bestehen, weil man nicht auf ihren einzigartigen Geschmack hinweist. Sie werden in Biogasanlagen der letzten sinnvollen Verwendung zugeführt. Im Bild bei der Biogasanlage der Familie Hirnschall in Ganz stehen Landwirt Johann Hirnschall und Bezirksbauernkammerobmann Dietmar Hipp.  |  René Denk

Düster sieht es für die Zukunft des Waldviertler Speise-Erdäpfels aus. Warum? Weil sie zwar innen hui, aber außen pfui sind. Leider wandern immer mehr köstliche Waldviertler Speise-Erdäpfel statt auf die Teller in Biogasanlagen, wie die der Familie Hirnschall in Ganz bei Schwarzenau, wo sie der letzten sinnvollen Verwendung zugeführt werden: der Produktion von Strom und Wärme.

Hoffen auf die Stärke der Erdäpfel-Marke

Bereits vor 20 Jahren hätte die „Abwanderung“ des Speisekartoffelanbaus ins Weinviertel begonnen, blickt Zwettls Bezirksbauernkammer-Obmann Dietmar Hipp zurück. Grund dafür sind Feldspat, Quarz und Glimmer, die im granitreichen Waldviertler Boden vorkommen und den Erdäpfel bereits bei der Ernte leicht verletzen.

„Würde man die Erdäpfel wie früher vor dem Abpacken nicht waschen, fällt das keinem auf. Nur heutzutage müssen sie gewaschen werden und die Kunden greifen dann leider in der Regel zu den Erdäpfeln, die äußerlich keine kleinen Schäden aufweisen“, erklärt Hipp den Nachteil.

"Es geht um eine ganz besondere Knolle und um die inneren Werte“Bezirksbauernkammer-Obmann Dietmar Hipp

Immer mehr verlagert sich der Speisekartoffelanbau in das Weinviertel oder andere Regionen mit steinarmen Böden. Und das obwohl der Waldviertler Erdäpfel geschmacklich ganz herausragend ist. „Erdäpfelkenner wissen um den einzigartigen Geschmack der Waldviertler Erdäpfel und wissen ihn auch zu schätzen. Es geht um eine ganz besondere Knolle und um die inneren Werte“, ist der Bezirksbauernkammer-Obmann überzeugt.

Hipp hat nun die Initiative ergriffen und Kontakt mit der AMA aufgenommen. Sie hilft den Waldviertler Speise-Erdäpfelbauern abzuklären, wie stark die Marke des Waldviertler Erdäpfels ist und ob das Schützen der Marke noch Sinn macht. Denn:

„Die Marke wurde früher missbraucht, und mittlerweile ist die Bedeutung unseres Erdapfels leider auch weniger geworden. Wir müssen unseren Konsumenten vermitteln können, dass es um das Innere und die besondere geschmackliche Qualität geht, die über Österreichs Grenzen hinaus einfach top und nicht vergleichbar ist“, betont Hipp. Er fordert die Installierung der geschützten Marke des Waldviertler Speise-Erdapfels, die vergleichbar mit der Wachauer Marille sein müsse.

Zwei Diplomarbeiten, die in Auftrag gegeben wurden, sollen abklären, ob die Waldviertler Speise-Erdäpfel noch einen Kundenstamm haben und wie weit sie noch bekannt sind. Hipp hofft weiters auch auf die Hilfe der Politik, die das Kartoffelanbaugebiet, das es seit jeher gibt, nicht im Stich lassen dürfe.

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