Kassenärzte-Zahl geht zurück: „Keine Nasen aus Gold“. Honorarverträge und wenige Hausapotheken schrecken Mediziner ab, Arztpraxen zu übernehmen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 13. Februar 2019 (04:50)
M. Füxl
Erfolgreicher Generationenwechsel in Zwettl: Tania Elias übernahm mit 1. Jänner die Gemeinschaftspraxis, die sie zuvor gemeinsam mit ihrem Vater, Issam Elias, geführt hat. Der 72-Jährige hilft noch immer in der Ordination aus.

Es ist eine prekäre Situation: Die Zahl der Kassenärzte in Niederösterreich geht zurück. Während aber mancherorts Stellen seit über einem Jahr frei sind, gibt es im Bezirk Zwettl laut Ärztekammer keine aktuellen Ausschreibungen.

„Viele Ärzte bei uns sind zwischen 55 und 65 Jahren. In den nächsten zehn Jahren wird es zu Engpässen kommen“Bezirksärztevertreter Karl Danzinger

Das dürfte sich aber bald ändern. „Viele Ärzte bei uns sind zwischen 55 und 65 Jahren. In den nächsten zehn Jahren wird es zu Engpässen kommen“, prophezeit Bezirksärztevertreter Karl Danzinger. Der Grund: Viele Praxen sind schlecht nachbesetzbar. Jungmediziner würden es sich zweimal überlegen, ob sie als Landärzte tätig sein wollen. „Vor allem Praxen ohne Hausapotheke sind schwer nachbesetzbar“, so Danzinger.

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Bezirksärztesprecher Karl Danzinger.

Bestehende Praxen dürfen ab einer Grenze von sechs Kilometern bis zur nächsten Apotheke keine Hausapotheke führen, neu errichtete Praxen ab vier Kilometer. „Außerdem müssen die Honorarordnung aufgestockt und die Bürokratie abgebaut werden. Das lassen sich viele jüngere Kollegen nicht mehr gefallen“, so Danzinger.

Die oft beschworenen Primärversorgungszentren (PVZ) seien gerade in ländlichen Gegenden nicht umsetzbar, weil es nicht genug Patienten dafür gäbe, so Danzinger: „Das PVZ in der Wiener Mariahilferstraße betreut allein 7.000 Patienten. Das ist mehr, als wenn ganz Zwettl auf einmal zum Arzt geht.“ Viele Ärzte würden gerne Gruppenpraxen führen, allerdings seien die Rahmenbedingungen dafür zu schlecht, so Danzinger.

Generationenablöse in Zwettl

Ein Beispiel, wie die Generationenablöse funktionieren kann, ist die praktische Ärztin Tania Elias in Zwettl. Seit 2011 teilte sie sich mit ihrem Vater, Issam Elias, die Ordination. Seit 1. Jänner 2019 läuft die Ordination auf ihren Namen. Trotzdem kommen noch immer viele Patienten und verlangen explizit ihren Vater. „Sie tratschen dann ewig, es ist sehr familiär“, sagt die junge Ärztin. Ihr Vater habe früher auch in seiner Freizeit viele Hausbesuche gemacht. „Er hat seine Privatzeit aufgeopfert. Das wollen heute viele Jungärzte nicht mehr“, so Elias.

Sarmata Szameit ist für ihren Job von Wien nach Langschlag gekommen. Im Alter von 24 Jahren schloss sie ihr Medizinstudium ab. Nachdem sie zuvor etwa als Amtsärztin in der Landesregierung St. Pölten tätig war, trat sie 2016 die Nachfolge des Langschläger Gemeindearztes Michael Lichtenwallner an. „Mir gefällt es hier besser als in Wien. Ich habe mehr Zeit für meine Patienten“, sagt Szameit. Um jungen Ärzten Nachbesetzungen im Bezirk schmackhaft zu machen, brauche es Hausapotheken in Ein-Arzt-Gemeinden ohne Apotheke, zum Beispiel für die Bereitschaftsdienste am
Wochenende, sowie einen verbesserten Honorarkatalog. Niemand mache den Beruf, um reich zu werden, betont sie: „Wir verdienen uns keine goldenen Nasen. Wir machen den Job, weil wir ihn einfach wirklich gerne machen.“

Unterstützung der Gemeinden notwendig

Damit eine Nachfolge reibungslos über die Bühne gehen kann, brauche es auch die Unterstützung der Gemeinden. In Langschlag hatte Szameit „besonderes Glück“, betont sie. Die Gemeinde finanzierte den Bau des neuen Ärztehauses. „Hier wurde aus vollem Herzen geschöpft. Eine schönere Ordination kann man sich nicht selber planen.“

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