Landwirtschaft: „Wetter ist nicht für alle toll“. Die heimischen Landwirte zwischen Dürre, Borkenkäfer und Klimawandel – eine Standortbestimmung.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:23)
Angelika Koll
Helga Vogler kauft bei Waltraud Winkler und Leopoldine Stütz (von links) am Zwettler Bauernmarkt ein.

Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge, Dürreperioden, Borkenkäfer, Klimawandel. Die heimische Landwirtschaft steht aktuell einer Reihe an Herausforderungen gegenüber, die diese womöglich auch nachhaltig verändern werden.

„Jeder freut sich über das schöne Wetter, aber es ist halt nicht für alle toll“, seufzt Hipp. „Jeder, der sagt, den Klimawandel gibt es nicht, der lügt sich selbst an. Für den Wald ist es jetzt schon ein Desaster.“ 20.000 Hektar Wald mussten im Waldviertel wegen des Borkenkäfers schon gerodet werden, das ist ein Drittel der gesamten Waldfläche des Zwettler Bezirks.

„Wenn es so weitergeht, erreicht der Borkenkäfer in ein bis zwei Jahren unser Hauptwaldgebiet!“Bezirksbauernkammer- Obmann Dietmar Hipp

„Im Bezirk Zwettl haben wir aber bisher Probleme in Höhenlagen, wo nur ein Viertel waldwirtschaftlich genutzt wird. Hält die Entwicklung an, werden die Probleme in ein bis zwei Jahren auch die Höhen oberhalb von 650 Metern erreicht haben. Das ist das Hauptwaldgebiet!“, zeichnet Hipp ein Schreckensszenario.

„In den aktuell betroffenen Gebieten ist die Durchmischung von Baumarten auch noch höher. Im Hauptwaldgebiet ist der Fichtenanteil bei 80 Prozent.“ Bei gleichbleibender Entwicklung sei das Waldviertel in zehn Jahren nicht mehr wiederzuerkennen. Auch in gesellschaftlicher Hinsicht, befürchtet Hipp: „Im Hauptwaldgebiet leben Bauern vom Wald. Zudem ist dort der bäuerliche Anteil bei 25 Prozent. Das hat gesellschaftliche Auswirkungen.“

Ein Viertel der Betriebe hörte in zehn Jahren auf

Der Strukturwandel geschehe ohnehin bereits, aber nicht so drastisch, wie in urbaneren Gebieten. „Die Alternativen fehlen, somit bleibt jeder, solange es geht, in der Landwirtschaft“, sagt Hipp, der den Rückgang der Betriebe in den vergangenen zehn Jahren mit 25 Prozent beziffert. „Die bewirtschafteten Flächen sind aber gleich geblieben. Das heißt die verbleibenden Betriebe wachsen. Da wird in Zukunft auch der Arbeitskräftemangel ein Thema werden.“

Generell sei die Lage der Landwirtschaft aktuell keine einfache, betont Hipp: „Neben dem Borkenkäfer sinken die Preise für Getreide und Milch, der Schlachtpreis ist schlecht. In der tierischen Produktion ist der Druck aus dem Ausland hoch. Man hat gedacht, unsere hohen Tierschutzstandards würden uns helfen, in dieser Hinsicht stehen sie uns aber im Weg.“

Der Ackerbau sei von der Trockenheit aktuell weniger betroffen, bei Roggen und Braugerste gebe es gute Erträge. „Wir erleben hier sogar gerade einen kleinen Aufschwung“, lässt Hipp aufhorchen. „Früher war es bei uns immer etwas zu kalt. Jetzt ist es um zwei, drei Grad wärmer. Damit können wir also gut umgehen.“

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