Maulkorb lässt viele aufjaulen. Sicherheit Neues NÖ Hundehaltegesetz soll für mehr Sicherheit sorgen, stößt aber auf Widerstand vieler Hundeliebhaber.

Von Angelika Koll. Erstellt am 13. November 2019 (04:34)
Die Kassaprüferin des Hundesportvereins Irmgard Kreutzer mit ihrem Golden Retriever
Ronny. Kreutzer kritisiert das neue Gesetz.

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Wenig begeistert vom neuen Gesetz ist Hundesportverein Obmann Andreas Bolomsky: „So wie es jetzt ist, ist es nicht sinnvoll. Ich bitte jeden, zur Volksabstimmung zu gehen.“ Das jetzige Gesetz sei bereits teilweise übertrieben. Außerdem stellt der Obmann fest: „Ich habe bis jetzt noch niemanden gesehen, der das Gesetz kontrolliert.“ Es würden etwa zahlreiche Hundehaufen nicht von den Besitzern weggeräumt, und dafür werde kaum jemand bestraft. Auf Nachfrage bei der Polizei gab Bezirkspolizeikommandant-Stellvertreter Wolfgang Gottsbachner an, dass es im Bezirk Zwettl im letzten Jahr 18 gemeldete Verstöße gegen das Hundehaltungsgesetz gegeben hatte.

Bolomsky kritisiert unter anderem, dass im neuen Gesetzesentwurf nicht festgelegt ist, ab wann überhaupt von einer Menschenansammlung gesprochen wird. Auch andere Hundebesitzer seien erbost über das Gesetz. „Das Land sollte sich mit dem Dachverband für Hundeerziehung zusammensetzen“, meint der Obmann. So könnte man mit Experten über eine Regelung verhandeln. Für Bolomsky wäre es wichtiger, Hundeausbildungen für jeden Hundebesitzer zur Pflicht zu machen.

Hundehalterin fordert eigenen „Führerschein“

Auch Irmgard Kreutzer, Kassaprüferin des Vereins, stimmt dem zu: „Es gibt einen Führerschein, damit man mit dem Auto fahren kann. Für Hundebesitzer sollte es auch einen verpflichtenden Hundeführerschein geben.“

Isabella Hahn-Ramssl aus Friedersbach, Tierärztin an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, sieht in dem neuen Gesetz ebenfalls Kritikpunkte. „Ich denke, dass mehr Hunde darunter leiden, als man die Bevölkerung schützen kann“. Menschenmassen seien natürlich eine Ausnahmesituation für Hunde, aber viele Attacken fänden im Garten statt, wo das Gesetz nicht gilt. Durch den verpflichtenden Beißkorb sei die Verständigung zwischen der Hunde stark eingeschränkt. Außerdem erklärt Hahn-Ramssl: „Die größten Probleme machen oft die kleinen Hunde, weil sie nicht so gut erzogen sind, warum sind gerade die ausgenommen?“

Bezirkshauptmann Michael Widermann erklärt, dass im Bezirk Zwettl aus der Vergangenheit relativ wenige Hundeattacken bekannt seien. Diese seien auch nicht mehr oder schwerwiegender geworden, sondern es handle sich eher um Einzelfälle. „Natürlich ist jede Attacke eine zu viel. Die Möglichkeit, Verletzungen durch schlecht gehaltene Hunde mit dem Gesetz zu vermeiden, ist natürlich positiv“, meint Widermann. Nachdem das Gesetz relativ neu sei, müsse man aber zuerst einmal schauen wie es läuft und eventuell noch nachjustieren.

„Es gibt einen Führerschein, damit man mit dem Auto fahren kann. Für Hundebesitzer sollte es einen verpflichtenden Hundeführerschein geben.“Irmgard Kreutzer

Bezirkspolizeikommandant Rudolf Mader erklärt ebenfalls: „Das Gesetz ist überall relevant, wo Hunde sind, aber im Bezirk hat es wenig Beanstandungen gegeben.“

Bei der Abstimmung für das neue Gesetz mit dabei war Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Franz Mold. „Das das Gesetz einstimmig beschlossen wurde, sagt auch was aus.“ Bei Menschenansammlungen, speziell wo Kinder sind, sei die Beißkorb- und Leinenpflicht sehr sinnvoll. „Man weiß nie wie ein Tier reagiert“, sagt Mold. Auch wenn um das in Kraft tretende Hundehaltungsgesetz viel diskutiert wird, erwähnt Mold: „Abänderungen sind bis jetzt nicht geplant.“

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