Mehr Fahrradverkehr: Vorsicht besser als Nachsicht

Erstellt am 30. Juni 2021 | 04:15
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Foto: privat
Mit erhöhtem Fahrradverkehr steigt auch das Risiko von Unfällen und Stürzen. Wie ist man sicher unterwegs?

Im ganzen Bezirk wird wieder fleißig geradelt. Gerade nach dem Lockdown ist der Drang nach Aktivitäten im Freien groß. Nicht ganz ungefährlich ist das Rad- und Motorradfahren aber bekanntlich nicht.

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Der Zwettler Bezirkspolizeikommandant Rudolf Mader.
Foto: Archiv

„Speziell im vergangenen Jahr hatten wir schon viele Unfälle mit einspurigen Fahrzeugen“, erzählt Bezirkspolizeikommandant Rudolf Mader. „Auch heuer ereigneten sich bereits schwere Motorradunfälle, unter anderem auch ein tödlicher.“ Auffallend wären auch die Unfallzahlen im Süden des Bezirkes. „Hier herrscht immer viel Motorradverkehr, und dazu sind die Straßen kurvenreich.“

Die Gefahr auf einem einspurigen Fahrzeug dürfe man laut Mader auf keinen Fall unterschätzen. Der oberste Tipp sei deshalb, Straßen so gut wie möglich vermeiden und Radwege benutzen. „Zudem sollte man immer gut sichtbare Kleidung und einen Helm tragen. Im Verkehr muss man immer mit Fehlern der anderen rechnen“, erklärt Mader.

Michael Bernhard, Obmann des Zwettler Radvereins Kosmopiloten, berichtet von der Kindergruppe, die er mittwochs leitet: „Da fährt mir keines ohne Helm mit.“ Auch Radfahrhandschuhe gehören zur Ausrüstung beim Radfahren. „Und eine Schutzbrille. Darauf vergessen viele, dass das auch sinnvoll ist“, meint Bernhard. Vor allem bei den Erwachsenen sei auch das mit dem Helm nicht immer üblich. Laut dem Radvereinsobmann sollten hier aber die Eltern mit gutem Beispiel vorangehen.

Bernhard appelliert bezüglich Sicherheit beim Radfahren aber nicht nur an die Radler selbst, sondern auch an die anderen Verkehrsteilnehmer: „Lebenswichtig ist für uns der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern.“ Von manchen Autofahrern werde das Tempo der Radler teilweise unterschätzt, das bergab mit dem Rennrad bis zu 80 km/h betragen kann. Nebeneinanderfahren dürfen die Radfahrer zu Trainingszwecken übrigens auch auf der Straße.

Dass immer wieder Unfälle mit E-Bikes passieren, mag für Bernhard damit zusammenhängen, dass viele ältere Personen jahrelang nicht mit dem Rad gefahren sind, sich dann ein E-Bike kaufen, aber nicht mehr so in der Übung sind. Zudem werde die Beschleunigung der Elektrofahrräder von manchen unterschätzt.

Fehleinschätzung und fehlende Fahrpraxis

Dass zu wenig Fahrpraxis und Selbstüberschätzung zu vielen Unfällen führt, glaubt auch Harald Penz, der Leiter der Anästhesiologie und Intensivmedizin im Klinikum Zwettl. Selbst Motorradfahrer, kann er die Gefahr gut einschätzen. „Manche steigen nach langer Pause wieder auf ein Motorrad und haben überhaupt keine Fahrpraxis mehr. Sie unterschätzen die Geschwindigkeit und landen im Graben oder in einem Auto“, schildert Penz.

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Primar Harald Penz, Leiter der Anästhesiologie und Intensivmedizin Zwettl.
Foto: Landesklinikum Zwettl

Lebensrettend sei auf jeden Fall die richtige Schutzausrüstung, aufgrund derer manche Unfälle noch glimpflich ausgehen würden. Trotzdem sind laut Penz Knochenbrüche und Polytrauma häufige Verletzungen nach Stürzen. „Auch Becken und Wirbelsäulenverletzungen entstehen bei Unfällen“, erzählt der Primar.

Und wie sieht es im Handel aus? Wird Schutzausrüstung gekauft? Bei Sport Kastner in Zwettl ist die Nachfrage nach Helmen relativ gut, wie Christian Frühwirt berichtet. Wobei auch hier bemerkt wird, dass sich Erwachsene seltener einen eigenen Helm leisten. Restliche Ausrüstung wird jedoch vernachlässigt.

Beim Böhm 2x2 Rad Store in Ottenschlag gibt es nicht nur Fahrräder und E-Bikes, sondern auch Motorräder und Quads. Hier wird doch Wert gelegt auf eine gute Schutzausrüstung. Für Motorradfahrer gibt es neben dem Helm schnittschutzsichere Hosen, damit man sich bei einem Sturz nicht am Asphalt aufschürft, und Jacken, die sogar mit Airbags ausgestattet sind.

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