Mehr Wildtiere, aber weniger Arten. Während sich Luchs und Wolf ansiedeln, schrumpft die Artenvielfalt von Vögel und Insekten.

Von Markus Füxl. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:36)
Joachim Brand/luchs.boehmerwaldnatur.at
m eine Übersicht über die Waldviertler Luchse zu bekommen, sucht der Zwettler Benjamin Watzl (l.) aktuell wieder Waldbesitzer, um das Fotofallenmonitoring auszuweiten.  Fotos:

Es war die Sensation für den Zwettler Benjamin Watzl, Leiter der „Arbeitsgemeinschaft Vogelkunde und Vogelschutz im Waldviertel“ des Vereins Ökokreis und Mitarbeiter der Luchsprojekte NÖ und Österreich Nordwest: 2017 wurden zwei Luchsinnen mit insgesamt vier Jungen im Grenzgebiet Ober-, Niederösterreich und Tschechien nachgewiesen. „Dass eine Luchsin bereits im zweiten Lebensjahr ein Junges führt, wurde beim Europäischen Luchs in Freiheit noch nie zuvor dokumentiert“, so Watzl.

Während Luchs und Wolf mittlerweile zum Standwild gehören, durchstreifen Elche aber nur sporadisch das Waldviertel.

Joachim Brand/luchs.boehmerwaldnatur.at
Um eine Übersicht über die Waldviertler Luchse zu bekommen, sucht der Zwettler Benjamin Watzl (l.) aktuell wieder Waldbesitzer, um das Fotofallenmonitoring auszuweiten.  

„Aus ökologischer Sicht ist die Wiederansiedelung als positiv zu betrachten, sozio-ökonomisch stellt die Rückkehr eine Herausforderung dar“, sagt Watzl. So haben bekanntlich viele landwirtschaftliche Betriebe mit Nutztierrissen zu kämpfen.

Dass der Luchs mittlerweile ein „ständiger Bewohner“ des Waldviertels ist, sieht Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker unproblematisch: „Die Vermehrungsrate ist gering, oft überlebt nur ein Junges.“ Der Wolf sei ein eigenes Kapitel, der gerade jetzt im Frühjahr für Probleme bei Schafs- und Ziegenhalter sorgen wird, so Kernecker: „Es ist notwendig, die Entnahme durch Abschuss zu erleichtern.“

Vogelart im Waldviertel 2018 ausgestorben

Mittlerweile gibt es laut Kernecker im Bezirk Zwettl immer wieder Marderhunde, auch Goldschakale sollen sich in Zukunft noch stärker bei uns ausbreiten.
Trotzdem nimmt die Artenvielfalt im Waldviertel durch den Klimawandel seit Jahrzehnten ab, sagt Benjamin Watzl: „Mit der Ringdrossel haben wir im Waldviertel bereits ein erstes Opfer des Klimawandels.“ Mit 2018 gilt die Vogelart als ausgestorben. Seit 30 Jahren sei ein massiver Rückgang an Vogelarten zu beobachten. Neben dem Lebensraumverlust ist vor allem das Schwinden der Nahrungsgrundlage, nämlich von Insekten und Amphibien, ausschlaggebend für den negativen Bestandstrend.

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