Psychologin Sonja Hahnl: „Wir haben hier die Kompetenz“

Erstellt am 27. April 2022 | 04:37
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Die Region braucht laut Grünen dringend ein Frauenhaus, die Frauenberatung fordert dieses seit Jahren für Zwettl.

„In der gesamten Region Waldviertel gibt es keinen Frauenhausplatz oder Notunterkunftsplatz für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder“, so Landtagsabgeordnete und Grüne Stadträtin in Zwettl Silvia Moser. „Die meisten Frauen verharren in Gewaltsituationen, bevor sie in weit entfernte Frauenhäuser gehen. Wir brauchen daher unbedingt im nördlichen Niederösterreich einen sicheren und niederschwelligen Zufluchtsort für betroffene Frauen und Mädchen.“ Die Grüne Sozialsprecherin brachte vor wenigen Wochen einen Dringlichkeitsantrag zum notwendigen Frauenhaus im Waldviertel im Landtag ein. Dieser wurde abgelehnt.

Frauenberatung sieht Bedarf am Standort Zwettl

Schon seit Jahren sieht die Frauenberatung Waldviertel mit Stammsitz in Zwettl den Bedarf nach einem Frauenhaus und den optimalen Standort dafür in der Stadt Zwettl. Bereits 2019 hat die Frauenberatung eine Projektbeschreibung und Kostenkalkulation für die Einrichtung eines solchen an das Land Niederösterreich geschickt. Die Betreuung würde mit zusätzlichem, speziell dafür ausgebildeten Personal die Frauenberatung Zwettl übernehmen können. „Es herrscht generell eine soziale Unterversorgung in der Region“, so Psychologin und Juristin Sonja Hahnl von der Frauenberatung. „Das ist ein Thema, das wir damals sehr ausführlich gebracht haben – aber es hat sich trotzdem nichts bewegt. Man hat das Gefühl, man geht jedes Jahr neu daran heran.“

Zu langer Weg zum nächsten Frauenhaus

In der Istanbul-Konvention, die auch von Österreich unterschrieben wurde, ist vermerkt, dass pro 10.000 Einwohner ein Platz in einem Frauenhaus notwendig wäre, für das Waldviertel würde dies 14 Plätze bedeuten. Zwettl am nächsten sind die Frauenhäuser in Amstetten und St. Pölten. „Die meisten Frauen verharren in der Gewaltsituation, bevor sie in die nächstgelegenen Frauenhäuser in Amstetten oder St. Pölten flüchten und ihre Arbeit und ihr gesamtes soziales Umfeld verlieren“, so Silvia Moser.

ÖVP-Landtagsabgeordneter und Zwettls Bürgermeister Franz Mold reagiert: „Die ÖVP- Fraktion im Landtag hat diesem Antrag die für eine Aufnahme in die Tagesordnung erforderliche Zustimmung nicht gewährt. Diese Entscheidung ist deshalb so gefallen, weil nach Aussage von Landesrätin Königsberger-Ludwig die sechs in Niederösterreich bestehenden Frauenhäuser nur zu drei Viertel ausgelastet sind. Von 58 Betten sind 18 frei.“ In den vergangenen Jahren seien vor allem in die Qualität der Frauenhäuser, wie Fenstergitter und Alarmanlage, rund 300.000 Euro investiert worden, so Mold.

Regelt das Angebot die Nachfrage?

„Das ist wie mit den Kinderbetreuungsplätzen, wenn ich Angebot habe, dann steigt die Nachfrage“, ist Sonja Hahnl überzeugt. „Es muss den von Gewalt betroffenen Frauen eine Alternative geboten werden, um von daheim wegzugehen, um nicht der Gewalt ausgesetzt zu bleiben“, so Hahnl weiter. Nicht jede Frau könne aus dem Waldviertel weg, um in einem Frauenhaus in Amstetten oder St. Pölten zu leben. Sie würde dann auch den Arbeitsplatz aufgeben und auch Kinder aus der Schule nehmen und von ihren Freunden trennen müssen.

Bedarf ist vorhanden

Die Frauenberatung Waldviertel betont, dass sie hier in der Region sehr wohl Frauen betreue, die so eine Einrichtung dringend benötigen würden. „Wir haben hier die Kompetenz in den letzten 20 Jahren aufgebaut und sehen uns als Hauptansprechpartner für das Thema Frauenhaus“, meint Hahnl weiter. Bei einem Frauenhaus gehe es um einen sicheren Ort, zu dem sich bedrohte Frauen begeben können, um in Sicherheit über Schritte für eine bessere Zukunft nachdenken zu können.

Soziallandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig: „Der Schutz von Frauen und deren Kindern, die von Gewalt betroffen sind, ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe und es braucht dafür differenzierte Angebote. Von Beratungsstellen als erste Anlaufstellen über Mutter-Kind-Häuser, Notschlafstellen und Notwohnungen mit unterschiedlicher Betreuungsintensität bis hin zu Frauenhäusern, die natürlich eine besondere Rolle einnehmen, da sie Schutz in akuten Gefährdungssituationen bieten. In Niederösterreich arbeiten wir deshalb seit geraumer Zeit daran, die Angebote zu vernetzen und weiterzuentwickeln.“

Bestehendes Angebot soll verbessert werden

Es sei nun gelungen, die Finanzierung der Frauenhäuser auf neue Beine zu stellen und damit eine Absicherung und Verbesserung des bestehenden Angebots zu ermöglichen. „Nun arbeiten wir gemeinsam mit den Trägern der Frauenhäuser an einem Gesamtkonzept, das auch Qualitätskriterien und bedarfsorientierte Angebote für die Frauen und Regionen beinhalten soll“, so Königsberger-Ludwig.

Ein Ausbau im Waldviertel, das auch laut einer eben präsentierten Studie als unterversorgt gilt, werde dabei auch Thema sein.

„Die Zahl von fast 200 abgewiesenen Frauen kann von uns aber nicht nachvollzogen werden, da die Auslastung im Vorjahr bei rund 70 Prozent lag. Die Statistik, zu der die Einrichtungen per Landtagsbeschluss von ÖVP und FPÖ verpflichtet seien, sei nicht sehr aussagekräftig.

Wichtig sei, dass für jede Frau, die Schutz sucht, ein Platz in einem Frauenhaus in Niederösterreich gefunden wird, wenngleich auch nicht immer in unmittelbarer Nähe.

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