Zwettl , Krems

Erstellt am 21. Juni 2018, 09:07

von APA Red

Tochter über ein Jahrzehnt missbraucht: Hohe Haftstrafe. Vater wegen Missbrauchs am Landesgericht zu 15 Jahren, Mutter wegen Unterlassung zu acht Jahren verurteilt.

Landesgericht Krems: Hohe Haftstrafen für Eltern  |  APA

Jahrelang soll sich ein Gastwirt im Waldviertel an seiner heute 30-jährigen Tochter vergangen haben. Er stand deshalb vergangenen Mittwoch und Freitag unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, Blutschande, Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses und Nötigung vor einem Schöffensenat am Landesgericht Krems, berichtet die APA. Seiner Frau wurde vorgeworfen, davon gewusst, die Taten aber nicht unterbunden zu haben.

Für den Prozess waren eine Reihe von Zeugen geladen. Wie sich das Ehepaar (beide knapp über 50 Jahre alt), das noch einen erwachsenen und zwei minderjährige Söhne hat, vor dem Schöffensenat verantwortete, war nicht zu erfahren: Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag der Opferanwältin unmittelbar nach dem Vortrag der Staatsanwältin ausgeschlossen.

Es begann in früher Kindheit

Von früher Kindheit an soll die Kleine (Jahrgang 1988) vom Angeklagten gestreichelt und berührt worden sein. Die Anklägerin verwies darauf, dass die beiden oft allein im Ehebett gewesen seien. Wenn der Mann nämlich frühmorgens betrunken heimkam und aggressiv war, sei seine Frau aufgestanden, um Streitereien zu vermeiden und im Wirtshaus aufzuräumen.

Ab 1996 habe der Beschuldigte eine inzestuöse Beziehung „wie mit einer Erwachsenen“ geführt — mit allen Varianten, bis 2002 mehrmals im Monat. Als die dann 14-Jährige einen Freund hatte, bat sie ihn, öfter bei ihr zu übernachten, um vor den sexuellen Übergriffen geschützt zu sein. Dennoch dauerte das Martyrium bis 2009 an.

Im Lauf der Zeit habe sich das Mädchen verschiedenen Personen anvertraut. Es sei aber aufgrund der gefährlichen Drohungen des Vaters nie zu einer Anzeige gekommen, das Opfer habe schreckliche Angst gehabt. Viele Personen im Ort wussten über die Geschehnisse Bescheid.

Ins Rollen kam die Causa allerdings erst im August 2017, nachdem ein Polizeibeamter bei einem Lokalbesuch ein Gespräch von Einheimischen mitgehört hatte. Die junge Frau sei seelisch schwerst beeinträchtigt und leide an einer Traumafolgestörung, sagte die Staatsanwältin.

Die Kindesmutter soll laut Anklage ihrer Tochter trotz deren Erzählungen nicht beigestanden und zudem seit 1998 definitiv Bescheid gewusst haben, weil sie sogar Zeugin wurde: Die heute 51-Jährige habe Vater und Tochter in eindeutiger Stellung überrascht, aber einfach die Zimmertür wieder geschlossen und weiter nichts unternommen.

Tochter über ein Jahrzehnt missbraucht

Das Urteil fiel am Freitag dementsprechend hoch aus: Nachdem sich der Waldviertler Gastwirt über ein Jahrzehnt hinweg an seiner heute 30-jährigen Tochter vergangen und die Mutter von dem Missbrauch gewusst haben soll, wurde der Vater zu 15 Jahren und seine Frau zu acht Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Beide Angeklagte haben gegen das Urteil Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung erhoben, die Staatsanwaltschaft und die Privatbeteiligtenvertreterin gaben keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Nach Gerichtsangaben wertete der Schöffensenat die Unbescholtenheit des Mannes als mildernd. Erschwerend wirkten sich unter anderem die Vielzahl der Angriffshandlungen und das zarte Alter des Opfers zu deren Beginn, der lange Tatzeitraum und die Tat durch einen nahen Angehörigen aus. Der Schuldspruch erfolgte unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, Blutschande, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses und schwerer Nötigung. Der Frau waren die Delikte durch Unterlassung angelastet worden.