Wie Inklusion gelebt wird: Vorbild Sonnentor. Seit fünf Jahren arbeitet Maria Eichinger bei Sonnentor. Dass sie gehörlos ist, ist kein Thema.

Von Markus Füxl. Erstellt am 25. April 2019 (05:43)
Markus Füxl
Freuen sich, dass immer mehr Menschen mit Behinderung in Zwettl einen Arbeitsplatz finden: Arbeitsassistenz Birgit Ruthner, Maria Eichinger, Sonnentor-Personalverantwortlicher Thomas Steinbauer und Zwettls AMS-Bezirksstellengeschäftsführer Kurt Steinbauer. Foto: M. Füxl

Können Menschen mit Behinderung, psychischen Erkrankungen oder kognitiven Beeinträchtigungen überhaupt einen Job finden? Sie können: Maria Eichinger ist eine von ihnen.

Die gehörlose 53-Jährige arbeitet seit fast fünf Jahren bei der Firma Sonnentor. Dort hilft sie beim Einfüllen der Kräuter, bei der Verpackung und der Sortierung. Sie ist eine von zwölf Menschen mit Behinderung, die dank des Zusammenspiels des Arbeitsmarktservice (AMS), des Vereins für Gehörlose „Witaf“ und einer unterstützenden Geschäftsführung, dort arbeitet.

Thomas Steinbauer ist Personalverantwortlicher bei Sonnentor. „Maria ist eine engagierte Mitarbeiterin, die sehr beliebt ist.“ Dass der Betrieb über der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanzahl an behinderten Angestellten liegt, ist für Steinbauer selbstverständlich: „Wenn wir sehen, dass wir einen entsprechenden Arbeitsplatz haben, versuchen wir, diesen zu besetzen. Wir sehen das als unsere soziale Verantwortung.“

„Sonnentor kommt oft aktiv auf uns zu“AMS-Bezirksstellenleiter Kurt Steinbauer

Steinbauer lobt auch die gute Zusammenarbeit mit dem Zwettler AMS. „Wir sind immer auf der Suche nach passenden Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung. Sonnentor kommt oft aktiv auf uns zu und sagt, dass sie einen Platz hätten“, sagt AMS-Bezirksstellenleiter Kurt Steinbauer.

Insgesamt 33 Menschen mit Behinderung möchte er aus dem Bezirk Zwettl heuer an einen passenden Arbeitsplatz vermitteln. „Für sie ist es am Arbeitsmarkt oft schwerer. Viele Vorurteile, dass sie mangelnde Arbeitsfähigkeiten haben, sind ungerechtfertigt“, sagt Steinbauer.

Für Maria Eichinger aus Lichtenau hat die Kooperation funktioniert:„Bei einem Ausflug mit meinem Gehörlosenverein hat mir der Betrieb Sonnentor sofort gefallen. Ich wollte gleich hier arbeiten“, sagt sie in Gebärdensprache. Nach einer kurzen Arbeitserprobung bekam sie sofort die Zusage. Das Sonnentor-Team hat sie in kurzer Zeit ins Herz geschlossen.

Eine Kollegin lernte extra für sie Gebärdensprache. „Natürlich muss man am Anfang erklären, dass die Kollegen mich antippen oder ganz langsam mit mir reden müssen, damit ich ein wenig von den Lippen lesen kann“, sagt Eichinger. Vor allem in ländlichen Gegenden gebe es ein großes Verantwortungsbewusstsein bei den Betrieben, sagt Kurt Steinbauer. „Bei uns ist es noch anders, als in der Großstadt, wo man leicht in der Anonymität untergehen kann.“

Auf die Frage, was die Gebärde für ihren Arbeitsplatz ist, lacht Maria und zeigt die Gebärden für „Sonne“ und „Tür“.

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