Edelhof: Die Kunst des Wegschmeißens

Erstellt am 28. Juli 2019 | 05:38
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Das Team der Saatzucht Edelhof bei der Arbeit: Leonie Raab, Christiane Brenn, Gerd Albers, Jakob Jünnemann, Marion Schitzenhofer, Markus Böhm, Janine Heinzl, Thomas Heindl, Sandra Berger, Sissy Zechner, Mina Zamini (vorne) sowie Hubert Hofbauer (oben) ernten gerade Winterhafer.
Foto: Markus Füxl
Die Saatzucht Edelhof beliefert mit ihren klimafitten Getreidesorten Bauern auf der ganzen Welt.

Immer wieder verschwinden die Köpfe der Mitarbeiter zwischen den Ähren. Es ist Erntezeit und bei der Saatzucht Edelhof wird händisch geerntet. Zu eng stehen die verschiedenen Getreidesorten nebeneinander, als dass eine Maschine einfach durchfahren könnte.

Aktuell wird Winterhafer geerntet. Gemeinsam mit Sommerhafer, Sommergerste und Winterroggen werden diese Sorten österreichweit nur in Edelhof herangezogen. Saatzuchtleiterin Sissy Zechner strahlt, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Seit 1903 gibt es die Saatzucht in Edelhof. Sie befolgt noch immer Gregor Mendels Vererbungslehre: „Mit einer Pinzette wird die weibliche Frucht aufgeschnitten, bevor die Vaterpflanze verkehrt herum dazugehängt wird, um die Mutter zu befruchten“, erklärt Zechner.

119 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche stehen in Edelhof zur Verfügung. Insgesamt sind es jährlich rund 42.000 Beobachtungseinheiten, die Zechner und ihr Team betreuen und kontrollieren.

Der Züchterblick: Von 8.000 auf eins

Eine neue Getreidesorte heranzuziehen dauert mindestens zehn Jahre. „Da denkt man in der Zucht natürlich die veränderten Anbaubedingungen durch den Klimawandel mit“, sagt Zechner. Eine Besonderheit gibt es in der Zucht beim Roggen. Während Weizen, Gerste und Hafer Selbstbestäuber sind, überträgt die Roggenpollen der Wind. Um sortenrein zu arbeiten, erhalten blühende Roggenpflanzen deshalb ein Isolierhäubchen übergestülpt.

Alleine beim Winterweizen züchten die Edelhofer jährlich etwa 120 Kreuzungen. In fünf Jahren entstehen daraus bis zu 8.000 Linien. Sie werden durch Auslese mit erwünschten Eigenschaften immer weiter reduziert. Jährlich reicht der Betrieb sechs bis zehn Stämme ein. „Wenn dann nach drei Jahren Prüfungszeit einer übrig bleibt, haben wir gut gearbeitet“, sagt Zechner lachend und ergänzt: „Züchten ist die Kunst des Wegschmeißens. Du musst das Richtige behalten.“ Dabei entscheidet sie oft nach dem Bauchgefühl. Zechner sagt dazu „Züchterblick“.

Die Sorten beginnen alle mit dem Buchstaben „E“, der exemplarisch für „Edelhof“ steht. Der Züchter darf dann einen Namen vorschlagen. „Man bekommt mit der Zeit Übung darin“, sagt Zechner. Sie und ihr Team liefern ihre Getreidesorten in die ganze Welt, sagt Zechner: „Von Türkei bis Kanada und von Spanien bis Russland.“ Roggen „Elias“ wird etwa in Kanada verwendet, da er gegen den dortigen Mutterkornpilz widerstandsfähig ist. Winterweizen „Enrico“ landet in Italien als Silageweizen. Ob eine Sorte zugelassen wird, erfährt Zechner immer um die Weihnachtszeit herum. „Wenn es glückt, ist das immer, als würde ich ein Weihnachtsgeschenk auspacken“, sagt sie und lacht.