Die Welt durch die Linse

Erstellt am 06. März 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Fotografen stellen aus / In der Zwettler Galerie „blaugelbe“ präsentieren derzeit 13 Fotokünstler ihre Werke. Geöffnet ist die Ausstellung noch bis 24. März.
Von Maria Moll

ZWETTL / „Fotografie“, die aktuelle Schau in der Galerie „blaugelbezwettl“, von Martin Anibas am Freitagabend eröffnet, entstand als Auslese aus einem „Berg von Bildern“. Acht der dreizehn ausstellenden Künstler waren persönlich anwesend. Für das Kunstgespräch, geleitet von Andreas Ortag, wanderten sie mit den vielen Gästen durch die Ausstellung und stellten ihre Werke vor.

Den Anfang machte Hannes Reisinger, der auf zehn großformatigen Schwarzweiß-Bildern Bekannte und Freunde zeigte: Anwesende, wie seinen Künstlerkollegen Andreas Ortag und den exklusiven Gitarrenbauer Roland Hauke aus Thaya, oder etablierte Künstler, wie den Maler Jakob Gasteiger.

Nikolas Korab gestand vorweg, dass eigentlich die Musik seine liebste Kunstart sei. Auch er zeigte großformatige Schwarzweiß-Aufnahmen, die in scharfen Strukturen Geröll, Schilf und Schwemmholz oder Luftwurzeln der Glycinie, des Blauregens, abbildeten. Speziell diese Naturaufnahmen entstanden analog: „Weil ich die Kameras mag, die keine Batterien brauchen, die nicht negativ auf Luftfeuchte reagieren. Und es hat so was Sinnliches.“

Bilder ganz anderer Art zeigte Silvia Grossmann. Anlässlich einer Ausstellung in Belgrad über die Donau fotografierte sie den „Tanz der Donau mit Tisa, Sava und Vuka“ aus der Luft, als sie sich auf dem Rückflug von Thailand nach Österreich befand. Silvia Grossman war übrigens schon vor Jahren einmal in Zwettl. Damals nahm sie am ersten Bildhauersymposion von Franz Xaver Ölzant teil. Dabei schuf sie „die Kauernde“ aus Granit, die vor dem Zwettler Stadtamt zu sehen ist, wie Peter Kastner verriet.

Eine ganz eigenständige Idee verwirklichte der Zwettler Martin Kitzler auf einer Plastikplane, denn: „Ich habe keine Berührungsängste mit Plastik.“ Auf dem Boden ausgebreitet, zeigte der 220 x 140 cm große Digitaldruck „Die Barmherzigkeit des heiligen Martin“. Ursprünglich für eine Ausstellung in Brügge geschaffen, entstand das Werk im Zwettler Lokal „Il Senso“. Eingedenk seines gastronomischen Hintergrundes hatte Martin Kitzler die Szene, wie der Heilige seinen Mantel teilt, für das Foto dort gestellt, „wo wir Wein trinken“.

Künstler stellten ihre Werke selbst vor

Zu lustigen, oft phantasievollen Überlegungen, was sich außer Autos noch in einer Garage findet, ließ sich Hans Schubert durch interessant gestaltete Garagentore und -wände anregen. Dementsprechend die Titel seiner bunten Drucke, zum Beispiel: „Würgeschlange in Garage versteckt“. Aber auch Drogendealer, Bankräuber oder Schmuggelzigaretten vermutete er hinter den Fassaden.

Der Ausstellungsbeitrag von Andreas Ortag, Pendler zwischen dem Waldviertel und Wien, fiel erstaunlich klein aus, obwohl der Grafiker an jedem Wohnsitz eine Dunkelkammer besitzt. Sein Blick aus dem Studiofenster in Karlstein hielt in einem Farbfoto den „Grey Day“ fest, als schöner Kunstdruck präsentiert. „Farfalle“ - Schmetterlinge - entstanden als kleine Sofortbilder bei einem Symposion in Italien.

Bildhauer Martin Schrampf achtete naturgemäß besonders auf die plastische Wirkung seiner Fotos. Für „Harvest“ druckte er Aufnahmen von Obst und Gemüse auf Büttenpapier.

Christian Rupp, Fotograf mit Zwettler Wurzeln, beschäftigt sich mit dem Verbraucherverhalten der Menschen generell und dem gegenüber Kunststoff im Besonderen. Kunststoff, der meist nach drei bis vier Jahren wieder Abfall wird - „Plastic Planet“! Aufnahmen in Palästina - „Nie ohne weiße Plastiksessel“ - regten ihn zur Serie „Invasion“ an. In Folge entstanden Porträts von Sesseln, die einheitlich gestaltet aus der Fabrik kamen, aber „wie Soldatenporträts“ erst abgebildet wurden, als sie schon Einiges hinter sich hatten.

Die Ausstellung, in der weiters Werke von Bodo Hell, Barnabas Huber, Markus Guschelbauer, Eva Petric und Robert Zahornicky zu sehen sind, ist bis 24. März jeweils Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet.