DNA-Analyse ist da: Wolf kam nicht vom TÜPl

Aktualisiert am 26. Juli 2017 | 10:55
Lesezeit: 6 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_6680750_mar35mar_wolf_im_marchfeld symbolbild
Stattet „Isegrim“, wie der Wolf in der Sagenwelt genannt wird, auch bald dem Marchfeld einen Besuch ab?
Foto: lightpoet/Shutterstock (Symbol)
Wolf, der in Hummelberg sieben Jungschafe riss, stammte nicht vom TÜPl. Wolfsbeauftragter glaubt an Tier, das nur durchgezogen sei.

Kurz vor Redaktionsschluss steht es nun fest. Es war kein Wolf des TÜPl-Rudels, der die sieben noch nicht ausgewachsenen Schafe in Hummelberg in der Gemeinde Bad Traunstein zwischen 22. und 25. Mai gerissen hat.

Manfred Jäger
Bezirksjägermeister-Stellvertreter Manfred Jäger.
Foto: privat

Der Wolfsbeauftragte des Landes Georg Rauer bestätigt im NÖN-Gespräch auch, dass bereits feststeht, dass die dort durchgeführten DNA-Analysen definitiv von nur einem Wolf stammen. Die individuelle Genotypisierung der DNA-Proben hätte das ergeben. Dass es sich nicht um einen Wolf des Rudels vom Truppenübungsplatz handelt, verwundert Rauer nicht, durch die räumliche Nähe zum TÜPl wäre es aber eine spannende Frage gewesen, die es zu klären galt: „In ganz Österreich tauchen vereinzelt Wolfsrisse auf. Das sind Wölfe die durchziehen und dann wieder weg sind“, sagt der Experte vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien.

Rauer schließt aus, dass es in dieser Region ein neues Wolfsrudel gibt, da es sich bisher nur um einen einzelnen betätigten Fall eines Wolfsrisses handelt. Er sei auch zu keinem weiteren Fall, wo ein konkreter Verdacht auf einen Wolfsriss vorliegt, gerufen worden. „Bisher gibt es da überhaupt keine Hinweise auf ein neues Rudel. Nur weil ein Wolf vom Norden oder Osten durchzieht, heißt das noch lange nicht, dass er dort ein neues Rudel bildet“, sagt Rauer. Das würde auch bedeuten, dass es sich beim Wolfsrudel am TÜPl noch immer um das einzige frei lebende Rudel in Österreich handelt.

Jägerschaft sieht ihre Vermutungen bestätigt

In der Regel suchen sich Wölfe, die vom Rudel weggehen ein neues Revier, wo es ihnen gefällt. Dort lassen sie sich nieder. Erst später komme ein zweiter Wolf hinzu und ein Rudel wird gebildet, erklärt der Wolfs-Experte.

Bezirksjägermeister-Stellvertreter Manfred Jäger meint, dass es die Vermutungen in der Jägerschaft schon lange gab, dass es sich nicht um einen TÜPl-Wolf handelte. Er spricht von zahlreichen Sichtungen, etwa von einer Wölfin, die zwischen Gmünd und Freistadt mehrmals eindeutig erkannt wurde oder auch von bestätigten Sichtungen im Burgenland. „Es ist daher nicht sehr überraschend, dass es sich beim Wolf in Hummelberg nicht um einen TÜPl-Wolf handelte“, sagt Jäger im Gespräch mit der NÖN.

Die Sichtungen würden sich in letzter Zeit häufen, in Deutschland gibt es beim Wolf jährliche Nachwuchsraten von 30 Prozent. „Man kann sich ausrechnen, wie die Population in nächster Zeit mehr werden wird, besonders wenn man auch noch die Zuwanderung aus anderen Ländern berücksichtigt. Die Berührungspunkte bzw. die Zwischenfälle werden mehr werden“, analysiert Jäger. Der Wolf steht im Jagdgesetz, ist aber ganzjährig geschützt. Außerdem gilt er auf europäischer Ebene als streng geschütztes Wildtier.

Zuwachsrate stellt Jäger vor Herausforderungen

Wie geht die Jägerschaft jetzt beim Thema Wolf vor? „Das ist eine Frage, die wir uns auch selbst immer wieder stellen“, erklärt der Bezirksjägermeister-Stellvertreter. In Deutschland gibt es bereits Diskussionen, was nachhaltiger Erhaltungsschutz ist; was erträglich und zumutbar ist und was nicht mehr, würden die Jäger noch nicht wirklich beurteilen können.

Es gäbe hier keine klare Richtung, es sind keine klaren Grenzen definiert, was für Jäger und Landwirte noch erträglich sei und was nicht mehr.
Eines ist sich Jäger aber sicher: „Aufgrund der Zuwachsraten, die für sich sprechen, kommen da große Herausforderungen in den nächsten Jahren auf uns zu!“