Ein Jahr „Kastlgreissler“: Konzept hat sich bewährt

Erstellt am 30. September 2022 | 04:41
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Ümit Derin feiert den ersten Geburtstag seines Kastlgreisslers in Echsenbach.
Foto: Sebastian Dangl
Viele regional Produkte mit Selbstbedienung: Kastlgreissler Ümit Derin sorgt seit einem Jahr für die Nahversorgung in Echsenbach.

Ein Jahr ist es jetzt schon her, dass in Echsenbach ein spannendes neues Nahversorgungs-Konzept Einzug fand. Der örtliche Kastlgreissler feiert seinen ersten Geburtstag. In einem kompakten Container werden zu großen Teilen regionale Lebensmittel verkauft. Besonders dabei ist jedoch, dass niemand an der Kassa sitzt. Der Kastlgreissler funktioniert als Selbstbedienungsladen. Der Käufer scannt und bezahlt eigenständig.

Nach einem Jahr kann Betreiber Ümit Derin mit Fug und Recht behaupten, dass das System auch im Waldviertel gut angenommen wird. Überraschend sei jedoch die Käuferschicht. „Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass wir eher die ältere Generation ansprechen, die nicht so mobil ist und ein Geschäft in der Nähe brauchen. Hauptsächlich kaufen aber junge Menschen und Familien ein“, berichtet Derin.

Die Älteren würden dagegen noch zurückhaltender sein und sich nicht so ganz über die Technik trauen. Selbst die Rolle des Kassierenden zu übernehmen, ist schließlich doch ungewohnt. Um dem entgegenzukommen, gibt es aber Pläne, wie Derin verrät: „Wir überlegen, eine Art Sprechstunde einzuführen, also eine bestimmte Zeit jede Woche, wo jemand von uns für Fragen da ist.“

Ansonsten gäbe es aber jetzt schon sehr viel Lob und Dankbarkeit für den Kastl greissler, mit dem im Vorjahr die Nahversorgungslücke in Echsenbach geschlossen werden konnte. „Zum Start hatten wir einen ziemlich großen Hype. Danach sind die Kundenzahlen wieder abgeflacht, klettern aber seitdem stetig nach oben“, berichtet er. Es gäbe auch Menschen, die ausschließlich hier einkaufen. „Viele machen es aber so, dass sie zuerst zu uns kommen und den Rest, den sie nicht bekommen, bei Gelegenheit woanders kaufen.“

Eine Wunschtafel für die Kunden ändert Angebot

Die Produktvielfalt hat auf engem Raum natürlich Grenzen. Dafür kann Derin mit etwa 60 bis 65 Prozent an regionalen Produkten aufwarten. Dazu zählen vor allem Gebäck, Milch, Fleisch und Eier. Vieles holt Derin selbst direkt von den Produzenten ab. Das Angebot sei zudem stetig im Wandel. Mittlerweile habe man zum Beispiel auch regionale Mehle und Getreidesorten im Geschäft. Für Anregungen der Kunden gibt es außerdem eine „Wunschtafel“, auf der jeder seine Wunschprodukte aufschreiben kann. Viele konnten schon erfüllt werden. „Auf dem ersten Zettel stand ‚Pringles‘ drauf. Die haben wir mittlerweile“, berichtet Derin schmunzelnd. Mehr Süßigkeiten oder auch Katzenstreu waren weitere Wünsche, die bereits erfüllt wurden.

Ganz reibungslos sei das erste Jahr allerdings nicht verlaufen. „Es gab schon einige Diebstähle“, schildert Derin. Ein Selbstbedienungsladen birgt natürlich seine Risiken. Die Diebstähle seien aber Einzelfälle, und der Schaden halte sich in Grenzen.

Im Waldviertel ist der Kastlgreissler in Echsenbach momentan noch allein auf weiter Flur, während das noch junge Unternehmen schon zahlreiche Standorte rund um Wien und in Kärnten betreibt. Vorerst sei laut Derin aber keine Erweiterung in unserer Region geplant. Potenzieller Anstoß könnte aber von den Gemeinden kommen, die noch auf Nahversorger-Suche sind.