Ehepaar kaufte aus „Angst“

Erstellt am 01. Mai 2013 | 00:00
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Sachwucher / Das Rentnerdasein lastet 65-Jährigen als altgedienten Verkäufer nicht aus: Er geht von Tür zu Tür und bringt - mitunter mit Nachdruck - überteuertes Bettzeug unter die Leute.
Von Jutta Hahslinger

BEZIRKE KREMS, ZWETTL / Mit 30 Jahren Berufserfahrung am Buckel greift Karl S. aus dem Bezirk Krems seinem Sohn schon manches Mal helfend unter die Arme und zieht mit Schlafpolstern und sonstigem Bettenzubehör durch die Lande. Am 23. Jänner dieses Jahres tourte er durchs Waldviertel und klopfte in Grafenschlag im Bezirk Zwettl bei einem betagten Ehepaar an die Haustür.

Während der rüstige Rentner in der Folge erfolgreich zwei Polster und zwei Unterbetten anbrachte und darin „A ganz a normales G‘schäft“ sah, sein Auftreten als freundlich und höflich bezeichnete, erweckte er bei den Eheleuten einen ganz anderen Eindruck.

„Die sekkieren dich so lange, bis man was kauft, obwohl man es gar nicht braucht. Ich wollt‘ a Ruh und hab deshalb kauft“, schildert der 84-Jährige, seine Gattin (83) sagt es deutlich: „Er ist reingedrängt, hat gleich die Betten aufg‘rissen und vermessen. Er war aufdringlich, hat g‘redet, g‘redet, g‘redet. I habe ma ‚dacht, den bring‘ ma net mehr raus. Na sicher haben wir uns gefürchtet. Wir trauten uns nicht widersprechen.“

Als das Paar nur 200 daheim hatte, geleitete S. den Hausherrn sogar zur Bank, um ja sofort an sein Geld zu kommen. Der gewiefte Geschäftsmann vergaß lediglich, die Kunden von einem Rücktrittsrecht zu informieren und eine Kontaktadresse sowie seinen Namen zu nennen, wie Richterin Monika Lattus-Fasching anmerkte. Der Verkäufer hinterließ auch keine Rechnung. Ein aufmerksamer Nachbar hatte sich zum Glück für das reklamierende Ehepaar die Autonummer von S. notiert.

Der leugnende S., belastet mit 18 Vorstrafen, davon mehrere einschlägig, wird wegen Sachwucher zu 15 Monaten, davon fünf Monate Gefängnis, verurteilt (nicht rechtskräftig).