Brandgefahr bei E-Autos ist gering

Erstellt am 31. März 2019 | 04:54
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Franz Knapp
„Mit der richtigen Ausbildung ist ein brennendes Elektrofahrzeug keine Gefahr für die Kameraden“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Knapp.
Foto: Denk
Nach dem Brand in Rudmanns geben Experten Entwarnung: Die neuen E-Autos sind bereits ausgereift.

Ein Großeinsatz von neun Feuerwehren, bei dem 98 Florianis und 15 Fahrzeuge drei Stunden im Einsatz waren – das ist das Fazit des Brandes eines Elektroautos in Rudmanns. Der Vorfall wirft die Frage auf: Wie sicher sind Elektrofahrzeuge?

Brände von Elektroautos sind für die Zwettler Florianis Neuland, bestätigt Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Knapp: „Das war das erste Mal, dass im Bezirk Zwettl ein Elektroauto brannte.“ Laufende Schulungen würden die Florianis speziell für diese Einsätze ausbilden. „Wir arbeiten eng mit Autofirmen zusammen, die Elektrofahrzeuge verkaufen. Deren Mitarbeiter halten immer wieder Vorträge bei uns“, erklärt Knapp. Außerdem gibt es Informationen zum richtigen Umgang mit brennenden Elektroautos von der Landesfeuerwehrschule. Heuer soll zudem eine Kommandantenschulung mit dem Thema „E-Auto“ stattfinden. „Mit der richtigen Ausbildung ist ein brennendes Elektrofahrzeug keine Gefahr für die Kameraden“, sagt Knapp.

 „Früher haben sich Bastler Zellen gekauft und Experimentalfahrzeuge damit umgebaut. Heute ist das nicht mehr üblich.“ Andreas Dangl, Geschäftsführer von Future Driving 

Wenn ein Elektroauto vorschriftsmäßig geladen wird, bestünde laut Knapp keine Gefahr eines Brandes. „Sollte man am Auto und an der Batterie herumbasteln, erhöht das natürlich die Gefahr.“

Das unterstreicht auch Andreas Dangl, Geschäftsführer von Future Driving: „In den wenigen Fällen, bei denen Elektroautos brannten, war das nicht wegen dem Akku, sondern weil das Ladegerät einen Defekt hatte.“

 Wie können E-Autos zu brennen beginnen?

 Doch wie kann es bei Elektrofahrzeugen überhaupt zu einem Brand kommen? „In den Akkus steckt viel Energie, genau so wie bei Treibstoffen. Durch Kurzschlüsse kommt es zu extremen Hitze-Entwicklungen, dann müssen die Energiemengen irgendwohin. So fangen die Zellen zu schmoren an“, erklärt er.

Damit es nicht so weit kommt, besitzen moderne Elektrofahrzeuge Batteriemanagementsysteme, die ständig Informationen über Leistung liefern. „Das kennt man auch von Handyakkus, wenn diese nur mehr 70 Prozent Gesamtkapazität haben, können sie beim Aufladen sehr heiß werden“, sagt Dangl.

Bei der Entwicklung der Elektrofahrzeuge habe sich in den letzten Jahren viel getan, betont Dangl. „Früher haben sich Bastler eigene Zellen gekauft und Experimentalfahrzeuge damit umgebaut.“ Das ist heute nicht mehr möglich. Bei dem Elektroauto in Rudmanns dürfte es sich um ein solches Auto mit einem Baujahr vor 2000 gehandelt haben.

Frühe Modelle waren oft noch mit Blei-Akkus ausgestattet. Damit seien sie nicht mit den Lithium-Akkus der Serienfahrzeuge der letzten zehn Jahre vergleichbar, sagt Matthias Komarek von der Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu): „Heutige Autos sind mit zahlreichen Sicherheitssystemen ausgestattet, etwa eine automatische Deaktivierung des Hochvolt-Stromsystems bei einem Unfall.“

 Keine Gefahr durch Explosion oder Strom

 Komarek zitiert eine Studie, laut dieser es 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer bei Verbrennungsmotoren gab, jedoch nur zwei Fahrzeugbrände bei einem Elektroauto eines US-amerikanischen Herstellers.

Aber welche Gefahren gibt es bei Unfällen mit Elektroautos? „Dabei ist es entscheidend, ob die Batterie so deformiert wird, dass die Zellen in sich zerbrechen“, erklärt Dangl. Sollte das Fahrzeug zu brennen beginnen, kann es nie zu Explosionen kommen. Moderne Elektroautos seien auch so gut verbaut, dass sie stark deformiert werden können, bevor sie tatsächlich zu brennen beginnen, sagt Dangl.

Akkus und Hochvoltkabel bei Elektroautos befinden sich immer mittig auf der Unterseite des Fahrzeuges. Deshalb können Einsatzkräfte bei ihrem Einsatz die Stege abzwicken und die Fahrgastzelle aufzwängen. „Auch kann aus einer Batterie kein Strom kommen, deshalb kann ein Elektroauto nach einem Unfall nicht unter Strom stehen“, erklärt Andreas Dangl.

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Fast 100 Florianis rückten zu einem Brand in einer Garage in Rudmanns aus. Dort dürfte ersten Ermittlungen zufolge ein Elektroauto Feuer gefangen haben. Die gesamte Garage brannte aus, der Einsatz dauerte insgesamt drei Stunden.
Foto: FF Zwettl-Stadt

Sollte ein Elektroauto brennen, können die Einsatzkräfte mit Wasser die Akkus „fluten“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Knapp. Im Zweifelsfall müssen Florianis das Auto aber „ausbrennen“ lassen, damit sich der Akku selbst entlädt, ergänzt Dangl.

Außerdem kann ein Fahrzeug noch 48 Stunden nach einem Unfall Feuer fangen, weil die Zellen langsam zu schmoren beginnen.

Das Fazit für die Autofahrer? „Grundsätzlich sind E-Autos sehr sicher, das betrifft die Crashtests ebenso wie einen möglichen Brand“, sagt Matthias Komarek von der eNu. Ein Restrisiko gibt es sowohl bei Verbrennungsmotoren, als auch bei E-Fahrzeugen, fügt Andreas Dangl hinzu: „Ganz ohne Energie geht es eben nicht.“