Festsaal erstrahlt wieder

Erstellt am 14. März 2012 | 00:00
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Web-Artikel 14864
Foto: NOEN
SCHÄDEN BEHOBEN / Nach einer kunstgerechten Restaurierung wirkt dieser rechteckige Saal des Stiftes Zwettl sehr einladend.

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STIFT ZWETTL / Vielen Besuchern von Veranstaltungen in Stift Zwettl ist der Festsaal seit Jahren ein Begriff. 1676 von Abt Caspar Bernhard beim Umbau der Gebäude im Abteihof in der SO-Ecke eingerichtet, war der rechteckige, von zwei Seiten belichtete Saal dafür gedacht, „vornehme Gäste außerhalb der Klausur bewirten zu können“, wie in der Ostmärkischen Kunsttopographie aus 1940 von Paul Buberl nachzulesen ist. Angesichts der Schäden an der Architekturmalerei an Wänden und Decke fasste Landeskonservatorin Renate Madritsch im Jahre 2011 einen mutigen Entschluss, stellte Abt Wolfgang Wiedermann anerkennend fest. Die kompetente Anwältin für die Erhaltung bedeutender Baudenkmäler ließ den Raumschmuck einer gründlichen Untersuchung durch Fachleute unterziehen und einer kunstgerechten Restaurierung zuführen.

Stuck-Dekorationen  wurden 1763 abgeschlagen

Bei den Untersuchungen vor Arbeitsbeginn traten einige Inschriften deutlich zutage, die an das Wirken früherer Künstler erinnern: Über dem Hauptgesimse im Norden, dem Eingang, von der Prälatur kommend, steht „Josef Schitz 1763“. Schitz musste 1763 im Auftrag von Abt Rainer I. Kollomann die von „Stukkatorer“ Dominik Piazol im Sommer 1676 für die „newe daffelstube“ geschaffene Stuck-Dekoration abschlagen und durch Architekturmalerei ersetzen. 100 Jahre später - 1863 - restaurierte A. Neuberger diese Malerei und übermalte sie teilweise. Neubergers Inschrift findet sich an der Westwand, gleich hinter der Tür zum Gästetrakt.

Übermalungen mit  Dampfreiniger entfernt

Und nun wird abermals restauriert. Seit Oktober 2011 arbeitet der aus Italien stammende und in Österreich schaffende Fachmann für Konservierung und Restaurierung Claudio Bizzarri mit seinem Team im Stift Zwettler Festsaal. „Die Decke des Raumes ist ursprünglich als Fresko ausgeführt, was relativ stabil ist. Deren Übermalung konnte mit Dampfreiniger entfernt werden“, erzählte der Künstler. „Wir waren aber nicht nur mit dem Problem der Übermalung als solche konfrontiert.“ Schon zu Neubergers Zeiten waren viele Risse der Grund für Übermalungen. „Zuerst mussten wir alte Kittungen von Rissen reduzieren, dann neue Füllungen auf Mineralbasis einfügen, ähnlich einer Textilrestaurierung, und übermalen“, erläuterte Herr Bizzarri weiter.

Festsaal wirkt nun  einladend und freundlich

Die Wände wurden nur gereinigt, konserviert und in der Übermalung aus dem 19. Jahrhundert belassen. „Bisher vermittelte die Malerei des Raumes immer eine etwas drückende Stimmung, nun wirkt der Saal einladend und freundlich“, fasste Abt Wolfgang angesichts des nahezu vollendeten Kunstwerks zusammen. Das Restauratorenteam wird Ende dieser Woche seine Arbeit im Stift Zwettl abschließen und sich Stift Vorau zuwenden. Und wer wird bezahlen? Dafür wird dankenswerterweise die Privatstiftung der Sparkasse Waldviertel-Mitte Zwettl, einen beachtlichen Betrag zur Verfügung stellen.